Sonntag, 16. Juni 2019

Audemars Piguet Im Tal der Uhren

3. Teil: Gezähmtes Karbon

"Stahl wie Gold bearbeitet"

An den Wänden im unteren Museumsgeschoss prangen Fotos von Berühmtheiten: Box-Legende Muhammad Ali ist beispielsweise Besitzer einer Audemars-Piguet-Uhr, der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow und Slalom-Ex-Weltmeister und Olympiasieger Alberto Tomba. Auch die Namen Bill Clinton, Arnold Schwarzenegger und viele andere tauchen auf.

"Royal Oak Concept Karbon": Extraleichter Zeitmesser mit Gehäuse und Uhrwerk aus Karbon
Im Uhrenmuseum ist zu erfahren, wie die Manufaktur Geschichte schrieb: 1892 schufen die Schweizer die erste Armbanduhr mit Minutenrepetition, 1915 das kleinste jemals gebaute Uhrwerk mit Fünfminutenrepetition. Sie wurden Anfang der 30er Jahre Spezialisten für Skelettuhren, also Zeitmesser, deren Uhrwerkteile so weit durchbrochen werden, dass nur noch das Nötigste an Material übrigbleibt, und trotzdem höchste Genauigkeit bieten.

Es sind Kunstwerke und bei einigen Modellen sogar von beiden Seiten gut sichtbar - dann nämlich, wenn sie einen gläsernen Boden haben. Seit den 40er Jahren baut das Unternehmen die flachsten Handaufzugswerke der Welt. Die erfolgreichste Innovation aber war die "Royal Oak". "Wir haben Stahl genommen und ihn bearbeitet wie Gold", sagt Wehrli.

Gezähmtes Karbon

Eine fast revolutionäre Idee ist inzwischen Wirklichkeit geworden: die Herstellung eines Uhrgehäuses aus geschmiedetem Karbon. Die Kohlenstoffverbindung hat den Vorteil, sehr leicht und dabei extrem widerstandsfähig zu sein. Lange galt es als schlicht unmöglich, diesen Stoff feinmechanisch zu bearbeiten. Der Abrieb war zu stark, die Arbeitsgeräte waren schnell verschlissen. Doch nach drei Jahren gelang es den AP-Spezialisten, und der Erfolg ist groß: Die nur 90 Gramm leichte "Royal Oak Offshore Alinghi Team" kreierte der Sponsor AP im letzten Jahr für die Sieger des America's Cups.

Die Ideen gehen den Mitarbeitern jedenfalls nicht aus. "Wir entwickeln Ideen, zeichnen einen Entwurf. Und der wird diskutiert - und vielleicht genehmigt", sagt Octavio Garcia, Chef der Designabteilung. "Neue Trends werden natürlich berücksichtigt", ergänzt er und wirft mit einem Stift mal eben ein Uhrenmodell aufs Papier.

Doch ob die Funktionalität gegeben ist, die Proportionen gewahrt bleiben, ob hier alle gewünschten Komplikationen umgesetzt werden können - das alles wird sich erst viel später zeigen, denn bis zur Entwicklung eines Prototypen ist es ein langer Schritt. Und bis zur Montage ein noch viel längerer.

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