Donnerstag, 20. Juni 2019

Audemars Piguet Im Tal der Uhren

2. Teil: Bescheidene Anfänge

Bescheidene Anfänge

Der Betrieb ist alt, sehr alt. 1875 taten sich die beiden Uhrmachermeister Jules-Louis Audemars und Edward-Auguste Piguet zusammen und eröffneten im Juradorf Le Brassus ihre Manufaktur. Nach Unternehmensangaben ist sie heute die älteste, die sich noch im Besitz der Gründerfamilien befindet.

Edler Zeitmesser: Das Modell "Royal Oak" in Edelstahl
So bescheiden es damals auch begann - es kommt nicht von ungefähr, dass die Zeitmesser in Le Brassus längst zum Edelsten auf dem Uhrenmarkt weltweit gehören. Ein kurzer Blick in jene Abteilung, in der lupenreine Diamanten zu wertvollen Schmuckstücken verarbeitet werden, macht atemlos. Es funkelt und glitzert hier, wo die hochkarätigen Steinchen einzeln gefasst und nicht etwa geklebt werden.

Und so liest sich beispielsweise die Beschreibung für ein Damenmodell der "Lady Royal Oak" wie der Text einer Schmuckauslage bei Tiffany's in der New Yorker 5th Avenue: "Gehäuse: 18 Karat Roségold, vollständig besetzt mit 323 Diamanten im Brillantschliff, 5,9 Karat..." Und das ist noch nicht einmal die prachtvollste Uhr.

"Die preiswerteste Uhr kostet um die 7800 Euro", sagt Axel Felmy, Geschäftsführer von Audemars Piguet Deutschland: "Die teuerste, die wir im Katalog zeigen, ist eine skelettierte "Jules Audemars" in Platin als Grande Complication, sie kostet 706.000 Euro und das ganz ohne Diamantbesatz. So sind die Grenzen nach oben eigentlich offen. Manche Uhren werden kaum getragen und verschwinden sofort im Safe des Besitzers."

Von Pionieren und königlichen Eichen

Zu den sogenannten Komplikationen (Funktionen) der Luxusuhren zählen der Ewige Kalender mit Monats-, Jahres- und Tagesanzeige unter Berücksichtigung der Schaltjahre, Sonnenaufgang und -untergang, Zeitgleichung, Mondphasenanzeige, Stoppuhr (Chronograph), Schlagwerk (Repetition) und vieles mehr.

"Aber all das sind nur Bruchteile dessen, was unsere Uhren alles können", schwärmt Martin Wehrli. 36 Jahre lang schon ist er in dem Unternehmen. Seit 1992 hat er sich der Pflege und Bewahrung des Audemars-Piguet-Erbes in dem zur Manufaktur gehörenden Museum verschrieben, ja es initiiert.

Und genau hier, im Museum, bekommt die Kunst der Horlogerie klare Konturen. Ganz egal, ob alt oder neu, zeitlos schön sind alle 250 hier ausgestellten Meisterwerke von insgesamt 750 Uhren des Museums.

Wehrli ist ein wandelndes Lexikon und dazu noch ein amüsanter Unterhalter. Natürlich weiß er, woher der Name "Royal Oak" stammt: Die "königliche Eiche" bot einst dem englischen Monarchen Charles II. Schutz, als er 1651 vor Oliver Cromwell auf der Flucht war. Die Eiche stand in der Nähe von Greenwich - dem Inbegriff der Zeit.

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