Columbus Start mit Hindernissen

Es soll ein neues Kapitel für die europäische Raumfahrt werden. Für diesen Donnerstag war der Start des Weltraumlabors Columbus mit dem deutschen Astronauten Hans Schlegel an Bord geplant. Technische Probleme verzögerten jedoch den Start. Jetzt soll der Space Shuttle frühestens Anfang Januar in Richtung Weltraumstation ISS abheben.

Cape Canaveral - Auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral hat der Countdown fast begonnen. Das europäische Weltraumlabor Columbus befindet sich bereits an Bord der Space Shuttle Atlantis. Der deutsche Astronaut Hans Schlegel (56) ist mit seinen sechs Mitreisenden bereits vor Tagen in "Quarantäne" gegangen, ansprechbar nur noch für engste Familienmitglieder und NASA-Kollegen.

Ursprünglich hatte die Raumfahrtbehörde den Start für Donnerstag 22.31 Uhr mitteleuropäischer Zeit geplant. Der Termin musste jedoch abgesagt werden, da Probleme an zwei der vier Sensoren auftraten, die die Betankung des Shuttles kontrollieren. Ein weiterer Starttermin für Freitag 22.09 Uhr unserer Zeit konnte ebenfalls nicht eingehalten werden.

Starts der Raumfähre Atlantis sind zunächst bis zum 13. Dezember möglich. Das nächste "Startfenster" zur ISS öffnet sich dann aber erst wieder im Januar 2008.

Columbus ist ein etwa sieben Meter langer Zylinder mit einem Durchmesser von 4,5 Metern. Bis zu drei Astronauten können in ihm gleichzeitig Experimente ausführen. Die Gesamtkosten für das Modul betrugen 880 Millionen Euro, von denen etwa 450 Millionen Euro in Aufträgen an deutsche Unternehmen vergeben wurden. Deutschland trug auch 41 Prozent der Entwicklungskosten.

Eigentlich hätte das Labor schon 2004 ins All gesollt. Doch als die Raumfähre Columbia am 1. Februar 2003 beim Eintritt in die Atmosphäre verglühte und alle sieben Menschen an Bord starben, wurden erst einmal alle Shuttle-Flüge auf Eis gelegt. Skeptiker wollten das Labor fast schon abschreiben - 880 Millionen Euro wären in den Sand gesetzt gewesen. Heute äußert sich der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann Dietrich Wörner, mit Stolz: "Diese Mission ist ein Meilenstein."

Das Ende des Anfangs

"Es ist für einen Briten gar nicht so einfach zu sagen, dass er aufgeregt ist", erklärte Alan Thirkettle, der bei der ESA für die ISS zuständig ist. "Aber wir sind sehr, sehr aufgeregt. Wir warten darauf, dass Columbus dahin kommt, wo es hingehört. Wir hoffen, dass wir jetzt am Ende des Anfangs sind."

Nachdem im Oktober das europäische Verbindungsmodul Harmony zur ISS gebracht wurde, ist Columbus nur ein weiterer Zwischenschritt zu einer stärkeren Repräsentanz der Europäer im All. Im Februar oder März soll das erste europäische Frachtraumschiff Jules Verne ins All starten. Damit wären dann 45 Tonnen Raumstation-Hardware im All, stellte Thirkettle fest.

Mindestens drei Außeneinsätze

Mindestens drei Außeneinsätze

Experten sehen das 13 Tonnen schwere Columbus-Labor, das zum Großteil von EADS-Astrium in Bremen gebaut wurde, als Juwel der Wissenschaft: Sieben "Nutzlastschränke" für verschiedenste Forschungen sind fest eingebaut. Die Untersuchungen reichen von der Medizin bis zu Materialforschung, von der Grundlagenphysik der Flüssigkeiten bis zu Studien über Einzeller und wirbellose Tiere. "Nur die wissenschaftliche Kernfrage ist immer gleich", meint der Columbus-Chefingenieur Rüdiger Kledzik aus Bremen. "Was passiert unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit?"

In der Schwerelosigkeit des Alls werden etwa die Muskel- und Knochenmasse der Astronauten "wie unter einem Zeitraffer-Effekt abgebaut", erläutert ein Experte. Dieser Effekt soll bei den Studien von Columbus genutzt werden, um Erkenntnisse für eine Behandlung von Osteoporose zu finden.

Der Zeitplan für die Atlantis-Crew ist straff organisiert. Bereits am Sonntag, einen Tag nach der Ankunft bei der ISS, muss Schlegel, der Diplomphysiker aus Aachen, gemeinsam mit einem US-Kollegen erstmals hinaus ins All, um das Andocken von Columbus vorzubereiten. Ein weiterer Einsatz für ihn ist wenige Tage später geplant. Mit riesigen Roboterarmen muss Columbus aus der Laderampe des Shuttle gehievt werden. Zudem ist ein Stickstofftank der ISS zu versetzen. "Jeweils sechseinhalb Stunden dauern die Außeneinsätze", kündigt die NASA an, für die Astronauten bedeutet das Schwerstarbeit.

Mindestens drei Außeneinsätze sind geplant, möglicherweise gibt es sogar einen vierten, bei denen sich die Männer um das defekte Drehgelenk an einem der drei Sonnensegel kümmern sollen. "Das Schwerste wird es sein, für alle diese Aufgaben höchste Konzentration zu bewahren", sagt Schlegel voraus. 1993 war er schon einmal im All, als Nutzlastspezialist in der später verunglückten Columbia - seinen ersten "Weltraumspaziergang" hat er aber jetzt vor sich.

Landung am 17. Dezember

"Columbus bleibt unser Eigentum", sagte Schlegel während der Vorbereitung zum Start, "Unser Kontrollzentrum wird über Columbus bestimmen. Wir können Experimente rund um die Uhr durchführen. Wenn wir eine neue Idee haben, können wir sie hochbringen und in unserem eigenen Labor ausprobieren."

Ist Columbus angedockt, kommt die große Stunde des französischen Astronauten Léopold Eyharts (50): Er darf als erster das Labor betreten. "Ich glaube, das wird ein sehr emotionaler Augenblick", meint er. Der Franzose soll zwei bis drei Monate im All bleiben, um Columbus einzurichten. Schlegel darf gleich wieder nach Hause, nach derzeitiger Planung ist die Landung am 17. Dezember vorgesehen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ap und reuters

Columbus: Der lange Weg zum Start

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