Heimkino Der Teufel im Detail

Die Kabel senden Störsignale, und Sylvester Stallone wirkt auf der gelben Wohnzimmertapete, als hätte er Fieber. Und verflixt, welche Fernbedienung gehört zu welchem Gerät? Damit nicht Kleinigkeiten den Filmspaß verderben, erläutert manager-magazin.de im vierten Teil der Heimkino-Reihe, welches Zubehör sinnvoll ist.
Von Lisa Kaltwasser

Hamburg – Hochzufrieden blickt der Heimkinofreund auf seine neuen Errungenschaften. Die Surroundanlage und der neue Projektor versprechen eine eindrucksvolle Kinoatmosphäre. Er legt seinen Lieblingsfilm in den Rekorder und will entspannen. Vor ihm liegen zwei Fernbedienungen - doch welche war gleich für den Fernseher, welche für den DVD-Player? Und wo ist die Fernbedienung für die Surroundanlage geblieben?

Auch die gelbe Zimmerwand eignet sich scheinbar nicht für den neuen Hollywoodstreifen. Aus den Boxen brummt es, weil die verlegten Kabel Störsignale aufsammeln. Mit welchem sinnvollen Zubehör die Filmvorführung doch noch gelingt, erklärt manager-magazin.de im vierten und letzten Teil dieser Reihe.

Hat man seine Heimkinoanlage mit einem Projektor statt einem Fernseher ausgestattet, benötigt man eine weiße Fläche, um seine Lieblingsfilme wiedergeben zu können. Dazu strahlt eine weiße oder farblose Projektionsfläche das Licht des Beamers zurück. Auf der Leinwand entsteht so ein Abbild des Originals.

Je weniger Unebenheiten eine Projektionsfläche hat und je weißer sie ist, desto realistischer wird die Filmszene dargestellt. Da gibt es nun mehrere Möglichkeiten: Zum einen kann man seine weiße, glatte Wohnzimmerwand als Projektionsfläche verwenden, zum anderen ein aufgespanntes weißes Tuch, beispielsweise ein Betttuch aus Leinen.

Wem das zu improvisiert erscheint, der greift zu speziellen Bildwänden. Die meisten Bildwände werden heutzutage aus Kunststoff oder Glasfaser gefertigt. Diese Bildwände oder auch Leinwände haben oft bessere Eigenschaften als das weiße Leinentuch oder die Wohnzimmerwand. Sie garantieren eine ebene und weiße Fläche, wodurch keine Helligkeitsschwankungen in den Bildern entstehen. Zuschauer, die bei einem größeren Publikum seitlich von der Projektionsfläche sitzen müssen, sehen dadurch genauso gut wie die Zuschauer direkt vor der Leinwand.

Solche Leinwände gibt es in allen Größen und Variationen: Angefangen bei Bildwänden mit Rollo, Stativ oder Rahmen, über motorbetriebene Projektionsflächen bis hin zu Leinwänden, die eine Projektion von hinten ermöglichen.

Verschiedene Typen von Leinwänden

Verschiedene Typen von Leinwänden

Die Rollo-Leinwand, auch Rollbildwand genannt, ist eine günstige Variante für das Kinoerlebnis in den eigenen vier Wänden. Sie liegt aufgerollt in einem Metallgehäuse und wird an der Decke oder an der Wohnzimmerwand angebracht. Für die Filmvorführung kann sie einfach herausgezogen werden. Ist die Vorstellung zu Ende, genügt ein kurzes Ziehen an der Leinwand. Der Federmechanismus sorgt dann dafür, dass sie sich wieder einrollt. Da solche Leinwände nicht gespannt sind, können sich allerdings die Ränder wellen und Falten werfen. Leinwände mit einem Seilspannsystem sind in diesem Punkt meist besser.

Rollbildwände können auch per Kurbel oder mit einem Motor aus- und eingefahren werden. Motorbetriebene Leinwände werden meist über einen Wandschalter bedient. Praktisch ist, dass man die Bildwand per Fernbedienung komfortabel von der Couch aus bedienen kann. Ebenso kann das Ein- und Ausfahren über den Projektor gesteuert werden: Schaltet man den Beamer ein, fährt die Leinwand automatisch aus. Die Montage von Motorleinwänden ist aber mit einem hohen Aufwand verbunden. So müssen je nach gewählter Ansteuerungsmethode Kabel für den Wandschalter sowie Steuerkabel für den Beamer verlegt werden.

Eine preiswerte Alternative ist die Stativleinwand. Sie steht auf Teleskopbeinen und kann genauso schnell auf- und abgebaut werden wie die Rollbildwand. Allerdings macht sie unter Umständen das gleiche Problem: Wellen und Falten am Leinwandrand können den Filmgenuss stören. Zudem ist die Stativleinwand durch ihre Standfüße nicht sehr stabil und kann leicht umkippen.

Bei einer Rahmenleinwand ist der Stoff wie bei einem Bild in einem Rahmen straff gespannt und wird an der Wohnzimmerwand befestigt. Falten und Wellen haben hier keine Chance. Doch Rahmenleinwände werden fest im Wohnzimmer montiert. Eine permanent weiße Leinwand ist nicht jedermanns Sache.

Daneben gibt es Rückprojektionsleinwände: Hier bestrahlt der Beamer die Leinwand von hinten anstatt von vorne. Um das Bild des Projektors durchzulassen, sind diese Leinwände halbtransparent. Der große Vorteil liegt darin, dass sich keine Schatten auf der Leinwand bilden, wenn ein Zuschauer aufsteht, um Popcorn zu holen.

Da der Projektor jedoch hinter der Leinwand stehen muss, kann man die Projektionsfläche nicht direkt an der Wand anbringen. Sie muss hinter den Projektor montiert werden und verbraucht somit viel mehr Platz im Wohnzimmer. Auch können sich durch die Rückprojektion, ähnlich wie beim Rückpro-Fernseher, helle Lichtpunkte auf der Leinwand bilden.

Idealformate und Verrenkungen

Ideales Format 16:9

Idealerweise sollten die Leinwände für das Bildformat 16:9 ausgelegt sein, da die meisten Spielfilme in diesem Format angeboten werden. Leinwände in den Formaten 4:3 für Fernsehfilme und 1:1 für Dia-Projektionen könne dagegen nicht die gesamte Größe der Projektionsfläche ausnutzen. In diesem Fall bleiben die Leinwandränder weiß und unbeleuchtet.

Bei der Wahl der Leinwand sollte man besonders auf den sogenannten Gain-Faktor achten. Er gibt an, wie stark eine Bildwand das Licht reflektiert. Bei einer Heimkinoanlage sollte der Wert unter 1,2 liegen. Ein hoher Wert erzielt zwar eine höhere Helligkeit, die bei dunklen Räumen nützlich ist. Ist der Faktor jedoch zu hoch, schränkt er den Blickwinkel ein, bei dem die Zuschauer Kontrast und Helligkeit des Films gut sehen. Ebenso verursacht ein zu hoher Wert störende Lichtpunkte auf der Leinwand.

Wichtig ist auch der richtige Abstand zwischen Zuschauer und Leinwand, damit der Film gut gesehen und die Hälse nicht verrenkt werden müssen. Die Kinofans in der ersten Reihe sollten in einem bestimmten Mindestabstand sitzen. Dieser wird berechnet, indem man die Bildwandbreite der Leinwand in Metern mal zwei nimmt; bei Betrachtern auf den hinteren Stühlen wird die Leinwandbreite mit sechs multipliziert. So können Zuschauer bei einer zwei Meter breiten Leinwand zwischen zwölf bis vier Metern vor der Bildwand Platz nehmen.

Zudem sollte die Projektionsfläche etwa 90 bis 120 cm über dem Fußboden liegen. Der Projektor strahlt am besten auf die Mitte der Projektionsfläche, damit keine Bildverzerrungen auftreten. Mancher Beamer verfügt für solche Fälle über eine Korrekturmöglichkeit.

Alle Leinwandtypen werden unter anderem von Celexon, Diverse, Medium und Projekta hergestellt. Stativleinwände sind ab etwa 65 Euro im Handel erhältlich. Rollbildwände kann man ab 90 Euro und Motorleinwände ab 200 Euro erwerben. Die teuerste Variante ist die Rahmenleinwand: Sie kostet mehr als 250 Euro.

Multitalent Universalfernbedienung

Mit Universalfernbedienung alles unter Kontrolle

Wer kennt das nicht? Auf dem Wohnzimmertisch liegen drei bis vier Fernbedienungen für DVD-Player oder –Rekorder, Beamer oder Fernsehgerät und den Verstärker. Auch die Motorleinwand wird vielleicht über eine Fernbedienung gesteuert. Der Tisch ist voll - und welche Fernsteuerung gehört eigentlich zu welchem Gerät? Mit einer Universalfernbedienung hat der Heimkinofreund alle neuen und alten Errungenschaften unter Kontrolle.

Neben der Möglichkeit, Universalfernbedienungen als Ersatz für defekte oder unauffindbare Steuereinheiten zu verwenden, können diese Multitalente mehrere Geräte gleichzeitig steuern. Dazu gibt es verschiedene Methoden der Programmierung. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vorprogrammierten und lernfähigen Universalfernbedienungen.

Die programmierte Version besitzt in einer Datenbank die Zahlenkombinationen vieler Geräte und Hersteller. Möchte man die Universalfernbedienung aktivieren, sucht man in der Bedienungsanleitung nach dem entsprechenden Hersteller und gibt die angegebene Nummernfolge manuell in die Fernbedienung ein. Da pro Hersteller oft mehrere unterschiedliche Zahlencodes gelistet sind, kann es einige Versuche erfordern, bis der passende gefunden ist.

Manche Universalfernbedienungen müssen nur auf die Geräte gezielt werden und suchen automatisch die richtige Zahlenfolge. Ist ein Gerät der Heimkinoanlage nicht aufgezählt, muss bei günstigen Varianten mühevoll nach einem kompatiblen Gerät gesucht werden. Dazu muss man nacheinander sämtliche Kombinationen aller angegebenen Hersteller eintippen. Im schlimmsten Fall passt kein Gerät und die Universalfernbedienung ist damit funktionslos. Aus diesem Grund sollte man zu günstigen Angeboten nur dann greifen, wenn man sich sicher ist, dass die Fernbedienung die Geräte im eigenen Wohnzimmer unterstützt.

Lernfähige Fernbedienungen tauschen Informationen

Die lernfähige Variante besitzt ebenso eine integrierte Datenbank, mit der sie auf das eigene Gerät programmiert werden kann. Im Gegensatz zu den vorprogrammierten Modellen lässt sie sich jedoch erweitern. Das ist sinnvoll, falls ein neues Gerät auf den Markt gekommen oder der Hersteller nicht gelistet ist.

Neben einem Infrarotsender ist auch ein Empfänger eingebaut, wodurch das Universalgerät Informationen von der Originalfernbedienung erhält. Dazu müssen die universelle und die alte Fernbedienung so gegenübergelegt werden, dass ein Kontakt zwischen den Infrarotschnittstellen entsteht. Die Informationen werden ausgetauscht, indem man auf der alten Fernsteuerung Taste für Taste drückt und parallel auf der universellen Bedienung die Taste presst, welche die jeweilige Steuerung übernehmen soll.

Gedächtnisverlust bei Fernbedienungen

Gedächtnisverlust bei Fernbedienungen

Luxuriösere Varianten können über einen USB-Anschluss mit dem Computer verbunden und per Maus und Tastatur konfiguriert werden. Andere kann man mithilfe von integriertem W-Lan kabellos über Computer und Internet programmieren.

Klassische Universalfernbedienungen, die über Tasten bedient werden, sind günstig. Auch lassen sich die Tasten im abgedunkelten Raum leicht erfühlen. Bei Touchscreen-Fernbedienungen mit einer berührungsempfindlichen Oberfläche kann ein beleuchtetes Display Licht ins Dunkel bringen. Zudem können hier alle Tasten, anders als bei der klassischen, frei angeordnet und mit beliebigen Funktionen belegt werden. Allerdings ist der Stromverbrauch dieser Geräte sehr hoch und der Bildschirm der Fernbedienung kann leicht beschädigt werden, wenn sie aus Versehen vom Wohnzimmertisch fällt.

Generell gilt: Die Anzahl der Geräte, die mit der Fernbedienung kontrolliert werden können, ist von entscheidender Bedeutung. Je nach Modell können bis zu 16 verschiedene Geräte gesteuert werden. Für zukünftige Anschaffungen sollte die Fernbedienung mehr Geräte steuern können, als man momentan besitzt.

Die meisten Fernbedienungen werden über austauschbare Batterien mit Energie versorgt. Sind diese leer, verliert die batteriebetriebene Fernbedienung alle mühsam programmierten Einstellungen. Deshalb empfehlen sich Geräte, die mit einer Ladeschale aufgeladen werden können. Dies funktioniert ähnlich wie bei einem schnurlosen Telefon. Da bestimmte Spezialfunktionen, wie das Einstellen neuer Sender am Fernseher, der Originalfernbedienung vorbehalten sind, sollte man diese unbedingt aufbewahren.

Universalfernbedienung werden unter anderem von Hama, Logitech , One For All, Philips  und Thomson  produziert und sind ab etwa 20 Euro im Handel erhältlich.

Das A und O für eine störungsfreie Verbindung

Das A und O für eine störungsfreie Verbindung

Die Aufgabe von Kabeln ist es, möglichst verlustfrei und geschützt die elektrischen Ströme für die Energie- und Signalübertragung durchzuleiten. Viele Daten, um die es bei einer Heimkinoanlage geht, lassen sich aber leicht durch äußere magnetische und elektrische Felder stören. Abschirmungen können dies verhindern.

Fließt durch einen Leiter Strom, bildet sich ein Magnetfeld. Während sich das magnetische Feld aufbaut, wird Spannung zurück in den Leiter gelenkt. Dadurch wird der Stromfluss gebremst. Das Magnetfeld leitet aber auch Spannung in die umliegenden Leiter, wenn diese nicht ausreichend abgeschirmt sind. Dabei überlagern sich die Signale der benachbarten Leiter gegenseitig und verursachen Störungen.

Damit beim Kabelverlegen keine Kurzschlüsse entstehen können, werden die Leiter mit nicht leitendem Material überzogen. Dabei handelt es sich meist um verschiedene Kunststoffe. Zudem schützt die Isolierung die Kabel vor Beschädigung und gewährleistet Stabilität.

Die einfachste Methode sich vor Störungen zu schützen, ist die sogenannte Spiralschirmung. Dabei werden einige Drähte wie eine Spirale um den Signalleiter gewunden. Ein Geflechtschirm allerdings schirmt Störfelder noch besser ab. Hier werden die Drähte sehr aufwendig um den Signalleiter geflochten. Am besten jedoch schützt ein aluminiumbeschichteter Folienschirm. Eine optimale Schirmwirkung erreicht man durch die Kombinationen der drei verschiedenen Techniken.

Jedes Material hat eine ganz bestimmte Leitfähigkeit, den sogenannten Leitwert. Je besser der Leitwert, desto besser werden Signale übertragen – auch bei längeren Kabeln.

Möglichst geringer Widerstand

Möglichst geringer Widerstand

Als Leiter werden besonders Gold und Kupfer verwendet, da sie klangtechnisch neutral sind. Silber ist unter den Metallen der beste elektrische Leiter. Allerdings verstärkt es hohe Frequenzen und verzerrt sie damit. Vergoldete Anschlüsse liefern dagegen eine sehr gute Klangqualität, sind aber teuer.

Kupfer wird als Leitermaterial am häufigsten verwendet. Bei Verunreinigungen im Kupfer spricht man von Störstellen. Je mehr Störstellen sich in einem Leiter befinden, desto schlechter wird der Leitwert und damit der Signaltransport. Aus diesem Grund sollte man sauerstofffreies Kupfer verwenden – sogenanntes OFC Kupfer (Oxygen Free Copper).

Generell sollte bei Kabeln der Widerstand möglichst gering sein. Sonst verschlechtert er die Signalübertragung. Der Widerstand ist abhängig von dem verwendeten Leitermaterial, dem Querschnitt und der Frequenz des zu übertragenden Signals. Bei Lautsprecherkabeln spielt der Querschnitt eine wichtige Rolle, da hier relativ große Signalströme übertragen werden müssen. Je größer der Querschnitt ist, desto ungehinderter kann der Strom im Leiter fließen.

Ratschläge von Stiftung Warentest

Die Heimkinoanlage ist nun für jegliche Filmvorführung gewappnet. Das passende Zubehör wird das Filmvergnügen zusätzlich versüßen. Von nun an kann man sich getrost zurücklehnen und sein Kinoerlebnis in den eigenen Wänden genießen. Ratschläge, welche integrierten Heimkinosysteme empfehlenswert sind, gibt die Stiftung Warentest, die 14 Systeme getestet hat. Die Ergebnisse dieses Tests lesen Sie morgen auf manager-magazin.de.

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