Air Force One Ein A380 für den Präsidenten?

Die amerikanische Luftwaffe interessiert sich angeblich für die A380-Familie des Boeing-Erzrivalen Airbus. Womöglich könnte sogar der US-Präsident einen neuen fliegenden Untersatz aus europäischer Produktion gebrauchen. Allerdings regt sich starker politischer Gegenwind.

Ein europäisches Flugzeug für den US-Präsidenten? Einem Bericht des Branchenmagazins "Flight International" zufolge ist ein solches Szenario zumindest denkbar. Aus einer nicht genannten Quelle will das Blatt erfahren haben, dass das Air Mobility Command (AMC) der US-Luftwaffe bereits im vergangenen Jahr zwei Anfragen an EADS  geschickt habe.

In der ersten Anfrage soll das AMC Daten der von Airbus auf Eis gelegten Frachtversion A380F angefragt haben. Die Entwicklungsarbeiten an dieser Variante hatte Airbus eingestellt, nachdem UPS  und Fedex ihre Aufträge aufgrund der Lieferverzögerungen beim A380 storniert hatten.

Nun erwägt das US-Militär offenbar, den europäischen Frachter als Ersatz für das Transportflugzeug C-5 "Galaxy" zu verwenden. Eigentlich sei geplant, das in den sechziger Jahren von Lockheed  entwickelte Flugzeug mit neuen Triebwerken und verbesserter Technik fit für weitere Einsatzjahre zu machen. Die Air Force befürchtet jedoch, dass die tatsächlichen Kosten des geplanten Modernisierungsprogramms das ursprüngliche Budget um bis zu 100 Prozent überschreiten könnten. Deshalb sei man jetzt auf der Suche nach Alternativen.

Die Präsidentenmaschine ist veraltet

In einer zweiten Anfrage, so das Magazin, habe das AMC Daten der Airbus-Typen A380, A340-600 und A330-200 für den Einsatz als VIP-Maschinen angefragt. Diese Modelle kämen unter anderem als Ersatz für die Air Force One, die Maschine des US-Präsidenten in Frage. Aktuell würde dafür eine veraltete Boeing 747-200 genutzt, ein Flugzeugtyp, der wegen seines großen Spritdursts und seiner geringen Effizienz längst von den meisten Airlines ausgemustert worden sei.

Dass sich die US-Luftwaffe für europäische Flugzeuge interessiert, ist nichts Neues. So beteiligt sich Airbus bereits an einer Ausschreibung der Air Force zur Lieferung neuer Tankflugzeuge. Das EADS-Unternehmen Eurocopter beliefert die US Army bereits mit ihrem Modell EC145, einem leichten Helikopter. Und auch Präsident George W. Bush lässt sich künftig von einem in Europa entwickelten Hubschrauber durch die Luft befördern. Sein "Marine One" genannter Drehflügler wird künftig durch eine Variante der italienisch-britischen Gemeinschaftsentwicklung AgustaWestland EH101 ersetzt.

Widerstand gegen Air-Force-Airbus

Dass sich eine Air Force One aus europäischer Fertigung in den USA allerdings gegen kräftigen Gegenwind behaupten müsste, zeigt eine Initiative aus dem US-Kongress. Dort hatten sich vor wenigen Tagen 66 Kongressmitglieder gegen den Kauf europäischer Tankflugzeuge ausgesprochen.

Allerdings darf man auch das amerikanische Streben nach Größe nicht außer Acht lassen, wie ein Kommentator im Forum der Website Defensetech.org anmerkt. Er fragt, wie es wohl um den amerikanischen Stolz bestellt wäre wenn der US-Präsident "mit seiner kleinen 747, 777 oder gar 787 neben dem riesigen A380" eines europäischen Regierungschefs parken würde?

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