Heimkino Klangkulisse wie im Kino

Der Subwoofer lässt die Luft erzittern, Silvester Stallones Fäuste fliegen einem um die Ohren: Wie man mit Verstärkern und Boxen ein cineastisches Geräuscherlebnis erzeugt, zeigt manager-magazin.de im dritten Teil der Heimkino-Reihe.
Von Lisa Kaltwasser

Hamburg - Erwartungsvoll sitzt der Filmfan in seinem Wohnzimmer und starrt gebannt auf die Leinwand. Rocky Balboas Kampfszene reißt ihn mit. Für ein detailreiches Bild ist gesorgt. Doch etwas fehlt. Der Klang ist nicht gerade berauschend. Bei welchen Verstärkern und Boxen einem Silvester Stallones Fäuste haarscharf um die Ohren fliegen, erläutert manager-magazin.de im dritten Teil der Heimkino-Reihe.

Im Zentrum der Heimkinoanlage steht der AV-Receiver, wobei AV für Audio und Video steht. Kein anderes Gerät im System erfüllt so viele unterschiedliche Aufgaben wie er. Als Schaltzentrale empfängt er Tonsignale von den verschiedensten Datenquellen, decodiert sie und verteilt sie an die angeschlossenen Lautsprecher. Ebenso ist er in der Lage, Bildsignale von Fernsehgeräten zu empfangen, zu entschlüsseln und weiterzuleiten. Schließlich ist er ein Verstärker, der den elektrischen Signalen die nötige Kraft verleiht. Am Receiver kann man deshalb die Lautstärke regeln und bei vielen Modellen den Klang abstimmen.

Da über den Receiver beinahe alle Geräte einer Heimkinoanlage miteinander verbunden sind und gesteuert werden, erspart er lästiges Kabelumstecken. Deshalb sollte man darauf achten, dass alle vorhandenen Hi-Fi- und Videogeräte angeschlossen werden können, beispielsweise über Scart- und YUV-Anschluss und HDMI-Schnittstellen. Auch ist es klug, Reserveanschlüsse für zukünftige Anschaffungen einzuplanen, die dann über den Receiver laufen sollen.

Besonders wichtig ist der digitale Audioeingang: Der Receiver erhält über optische oder koaxiale Verbindungen von den DVD-Geräten digitale Tonsignale. Dafür müssen am Receiver entsprechende Eingänge vorhanden sein, die mit den Ausgängen des DVD-Geräts übereinstimmen sollten.

Alle AV-Verstärker entschlüsseln die Mehrkanal-Tonformate Dolby Digital und Digital Theatre Systems (dts). Musikfreunde, die mit ihrem AV-Verstärker auch in Stereo hören möchten, sollten auf die Stereotauglichkeit, also die Zweikanalwiedergabe, des Receivers achten. Falls man zusätzlich seine alten - oder auch neuen - Vinylplatten abspielen will, benötigt der Verstärker für den Plattenspieler einen separaten Phonoeingang. Die normalen Hochpegeleingänge reichen nämlich nicht aus, um den niedrigen Pegel des analogen Plattenspielers zu verstärken. Sollte der AV-Verstärker über keinen Phonoeingang verfügen, kann man zwischen Receiver und Plattenspieler einen separaten Vorverstärker schalten.

Verstärkerdaten und was sie bedeuten

Verstärkerdaten und was sie bedeuten

Der Leistung eines Receivers sind theoretisch keine Grenzen gesetzt, außer vielleicht finanzielle. Es gibt aber Empfehlungen, welches Niveau für ein durchschnittliches Wohnzimmer nicht unterschritten werden sollte. Demnach sollte die Leistung des Receivers etwa zwischen 60 und 100 Watt pro Kanal liegen. Bei einem Lautsprechersystem von fünf Kanälen erreicht die Ausgangsleistung des Verstärkers so mindestens 300 Watt. Generell ist es sinnvoller, einen stärkeren Receiver mit großen Kraftreserven zu kaufen und vorsichtig mit der Lautstärke umzugehen, als bei kleiner Leistung permanent aufzudrehen. Bei jedem Verstärker ist das Klangbild in unteren Leistungsregionen harmonischer als hart an der Grenze.

Der Rauschabstand ist eine technische Größe, die anzeigt, ob bei leisen Tonpassagen ein störendes Rauschen oder klare Töne zu hören sind. Sie sollte mindestens bei einem Wert von 100 Dezibel liegen. Wie gut der Receiver den Klang auf die einzelnen Lautsprecher verteilt, zeigt der Wert der Kanaltrennung. Dieser sollte 60 Dezibel nicht unterschreiten. Am Klirrfaktor lässt sich ablesen, wie stark Töne verzerren. Er sollte unter 0,1 Prozent liegen.

AV-Receiver werden unter anderem von Harman-Kardon, Kenwood, Panasonic, Pioneer, Sony  und Yamaha hergestellt. Diese sind ab etwa 130 Euro im Handel erhältlich.

Die Lautsprecher tragen einen großen Teil zum richtigen Kinoerlebnis bei. Dennoch sparen viele Käufer gerade dort Geld. Als die Stelle, wo elektrische Signale in akustische Schwingungen umgewandelt werden, ist aber gerade bei Lautsprechern ein Augenmerk auf Qualität wichtig - oder ein Ohrenmerk. Grundsätzlich sollte die Belastbarkeit der Lautsprecher höchstens der Verstärkerleistung entsprechen oder deutlich niedriger sein. Ist die Nennbelastung der Lautsprecher deutlich größer als die Ausgangsleistung des Verstärkers, riskiert man bei hohen Pegeln im schlimmsten Fall Schäden am Verstärker. Überhaupt gilt, dass Lautsprecher beim permanenten Aufdrehen der Lautstärke Schaden nehmen können.

Erst ein sogenannter 5.1-AV-Receiver ermöglicht Rundumklang im wahrsten Sinne des Wortes. Verstärker mit 6.1- oder 7.1-Soundkarten ergänzen den noch um ein oder zwei Kanäle. Der Rundumklang wird mit fünf separaten, auch diskret genannten, Vollfrequenzkanälen und zusätzlich einem Kanal für den Subwoofer erzeugt. Dieses Tonformat wird als 5.1 bezeichnet. An jedem Kanal wird eine Lautsprecherbox angeschlossen.

Lautsprecher mit verteilten Rollen

Lautsprecher mit verteilten Rollen

Subwoofer sind Lautsprecher, bei denen die Luft vibriert. Sie geben ausschließlich tiefere Frequenzen, also Bässe, unterhalb von 120 Hertz wieder. In der Regel sind sie aktiv. Das bedeutet, dass sich zusätzlich ein eigener Verstärker im Lautsprechergehäuse befindet. Aus diesem Grund benötigt ein aktiver Subwoofer einen eigenen Stromanschluss. Per einfachem Cinchkabel wird der Subwoofer mit dem AV-Receiver verbunden und gesteuert.

Da das menschliche Gehör solche tiefen Frequenzen nicht orten kann, spielt es keine Rolle, wo der Subwoofer im Zimmer aufgestellt wird. Allerdings sollte er nicht zu nahe an der Wand stehen, da sich das Klangbild verändern kann und die Bässe dann leicht erdrückend klingen.

Auch empfiehlt es sich, Entkopplungsfüße anzubringen, sogenannte Spikes. Sie stellen sicher, dass der Schall in der Luft ans Ohr geleitet wird, anstatt in einem Beben des Bodens zu verpuffen. Auch die Nachbarn werden es danken.

Die Centerlautsprecher dagegen sollte man direkt unter der Leinwand oder dem Bildschirm positionieren, da sie die wichtigsten Lautsprecher der Filmvorführung sind. Über sie werden die Dialoge der Schauspieler gesendet.

Die zwei Hauptlautsprecher links und rechts – auch Main-Speaker genannt – teilen sich zum einen mit den Centerlautsprechern die Dialoge, zum anderen sind sie besonders für die Effekte im Frontgeschehen zuständig. Sie stehen am besten seitlich neben der Leinwand.

Zuletzt gibt es noch die seitlichen Surround-Lautsprecher: Surround links und Surround rechts, die hinter den Zuschauern angebracht werden. Sie sind für die Umgebungseffekte – also zum Beispiel Regen und Donner bei einem heftigen Gewitter - zuständig. Dadurch erhält das Publikum den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein.

Nie ohne Probehören

Nie ohne Probehören

Da die Lautsprecher direkten Einfluss auf das Klangerlebnis eines Films haben, gilt ihnen besondere Aufmerksamkeit. Generell sollte das Probehören im Geschäft und - zumindest bei der Anschaffung einer kostspieligen Anlage - auch in den eigenen vier Wänden ausschlaggebend sein.

Klangliche Harmonie herrscht übrigens am ehesten bei Lautsprechersets von einem einzigen Hersteller. Vom Mix unterschiedlicher Marken ist eher abzuraten.

Einzelne 5.1-Surround-Lautsprecher werden unter anderem von DK-Digital, JBL, Magnat und Pioneer produziert. Sie sind ab etwa 100 Euro erhältlich. Bose, Harman-Kardon, LG, Philips , Pioneer, Sony und Yamaha bieten auch ganze Heimkinosets an. Hier sind DVD-Player und Receiver inbegriffen. Kosten im Paket: ab 200 Euro aufwärts.

Damit ist die Grundausstattung der Heimkinoanlage nun vollständig. Mit welchem weiteren Zubehör sich gemütliche Filmabende gestalten lassen, zeigt manager-magazin.de am Mittwoch im vierten und letzten Teil dieser Reihe.

Heimkino: Der Teufel im Detail

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