Heimkino Wie die Bilder laufen lernen

Projektor oder Bildschirm? LCD oder Plasma? Beim Aufbau des eigenen Heimkinos müssen viele Entscheidungen getroffen werden. Im zweiten Teil der Heimkino-Reihe erklärt manager-magazin.de, welche Technik Lieblingsfilme in den schönsten Bildern wiedergibt.
Von Lisa Kaltwasser

Hamburg - Mit gezückter Fernbedienung träumt der Filmfan von seiner Heimkinoanlage und überlegt: Wie groß soll die Projektionsfläche oder der Bildschirm für die Kinovorführung werden? Vorgestern wurden auf manager-magazin.de mögliche Bildquellen vorgestellt, heute erfahren Sie im zweiten Teil der Reihe, mit welcher Bildschirmdiagonale man Kinoatmosphäre zaubert und welche Geräte das besonders gut beherrschen.

Dass ein Röhrenfernseher mit einer Bilddiagonale unter 30 Zoll kein Kinoerlebnis aufkommen lässt, leuchtet ein. Obwohl es auch Geräte mit dieser Technik ein bis zwei Nummern größer gibt, sind den Röhrenfernsehern Grenzen gesetzt. Inzwischen setzen sich Flachbildfernseher durch, die mittlerweile die gröbsten Kinderkrankheiten hinter sich haben. So bringen vor allem LCD- und Plasmafernseher den Heimkinofan zum Strahlen.

Bei der Plasmatechnologie werden die Filmszenen mithilfe von Edelgasen auf dem Display des Fernsehers abgebildet. Bildwechsel und Kamerafahrten erscheinen dabei schnell und scharf. Aus der Nähe können Szenen allerdings pixelig wirken.

Durch die schnelle Ansteuerung der Bildpunkte treten bei Plasmabildschirmen praktisch keine Nachzieheffekte bei rasanten Filmszenen auf. Bei Fußballspielen ist damit der Ball gestochen scharf zu erkennen. Weiter lässt sich das Bild von einem wesentlich breiteren Winkel aus betrachten als bei LCD-Geräten.

Ein Plasmafernseher bietet ein helles, kontrastreiches Bild. Deshalb lassen sie sich auch in hellen Zimmern nutzen. Da ihnen, anders als bei LCD-Geräten, die Hintergrundbeleuchtung fehlt, werden Filmszenen tiefschwarz angezeigt. Ein großer Nachteil ist aber der hohe Stromverbrauch der Plasmageräte.

Ein LCD-Bildschirm (Liquid Crystal Display) - auf deutsch Flüssigkristallbildschirm - nutzt eben jene Flüssigkristalle, um Bilder anzuzeigen. Durch eine hohe Anzahl von Pixeln, also Bildpunkten, wird ein scharfes Bild mit vielen Einzelheiten erzeugt.

Rückprojektion und die Nachteile von LCDs

Träge Schaltzeiten bei LCDs

Die Helligkeit dieser Fernsehgeräte ist gut, reicht in der Regel aber nicht an die von Plasmaschirmen heran. Nachteilig ist außerdem die träge Schaltzeit und einige optische Eigenschaften: Bei actionreichen Szenen können Bewegungen unscharf wirken, dunkle Filmszenen erscheinen eher dunkelgrau als schwarz.

Bei allen LCD-Bildschirmen besteht bei langer Nutzung die Gefahr des sogenannten LCD-Memory-Effekts: Werden einzelne Stellen zu lange mit zu hellen Bildern angeregt – beispielsweise mit einer schneeweißen Piste beim Skispringen – brennen sich diese Bilder ein. Mit der Zeit werden diese Stellen bleibend dunkel.

Bei LCD-Fernsehern ist eine Bilddiagonale von 32 Zoll (81 Zentimeter) derzeit am weitesten verbreitet. Grundig, LG, Philips , Panasonic, Samsung , Sharp , Sony  und Toshiba  stellen diese Geräte her. Im Elektrohandel sind sie ab etwa 400 Euro erhältlich, 42 Zoll (160 Zentimeter) große Geräte dagegen erst ab 850 Euro. Auch Fernseher mit Plasmatechnologie werden von diesen Herstellern produziert. Ein Heimkinofreund kann 42 Zoll große Plasmabildschirme ebenfalls ab 850 Euro erwerben. In der Regel finden sich in den Geschäften Plasmageräte zwischen 40 und 52 Zoll.

Rückprojektoren liefern fast leinwandgroße Bilder

Ein gutes Kinobild ist möglichst groß. Bildschirme von Rückprojektionsfernsehern sind mit einer Bilddiagonale zwischen 40 und 70 Zoll (100 bis 178 Zentimeter) deutlich größer als andere Fernsehgeräte – und im Verhältnis günstiger.

Bei einem Rückprojektionsfernseher werden die Filmszenen von einem internen Projektor über ein Spiegelsystem von hinten auf die transparente Mattscheibe projiziert. Durch die große Helligkeit und den Kontrast dieser Fernseher ist ein Abdunkeln des Raums nicht notwendig. Allerdings können sich helle Lichtpunkte, sogenannte Hotspots, auf dem Bildschirm bilden. Dadurch kann eine Filmszene in der Mitte heller wirken als an den Rändern.

Kolossale Fernseher und kompakte Beamer

Kolossaler Platzverbrauch

Vor einem Rückprojektionsgerät sollte man in einem bestimmten Abstand und nicht allzu weit seitlich sitzen, da das Bild sonst an Kontrast und Schärfe verliert und dunkel ausfällt. Ein weiterer Nachteil ist die große Bauart der Geräte. Im Durchschnitt ist ein Rückpro-Fernseher 150 Zentimeter breit, 115 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter tief. Der Kinofreund sollte für das schwere, klobige Gerät viel Stellplatz einplanen.

Allerdings haben Rückprojektionsfernseher bei der Kinovorstellung noch einen großen Vorteil: Im Vergleich mit Beamern sind sie erheblich leiser, da die Projektoren mitsamt Lüfter in das Gehäuse eingebaut sind.

Bei einem Rückprojektionsfernseher sollte man auf eine Auflösung von mindestens 1280 mal 720 Pixel achten. Diese Auflösung sorgt für eine scharfe und detailreiche Darstellung der Filme. Zudem sollte er über eine HDMI-Schnittstelle verfügen. Bei den neuesten Rückpro-Fernsehern ist diese Auflösung und der HDMI-Anschluss jedoch Standard. Die Helligkeits- und Kontrastwerte wählt man möglichst hoch: Idealerweise liegt der Kontrast bei 10.000:1.

Sowohl JVC als auch Philips, Samsung, Sony, Thomson  und Toshiba stellen diese Fernsehgiganten her. Die Preise liegen zwischen 1000 und 4000 Euro.

Ein nahezu unbegrenztes Leinwandbild beamen

Eine größere Projektionsfläche bieten nur noch Beamer, Geräte also, die das Bild auf Leinwände oder Wandabschnitte projizieren. Zurzeit sind verschiedene Projektortypen auf dem Markt. Doch nur zwei eignen sich für die Heimkinoausstattung: LCD- und DLP-Beamer.

LCD-Beamer arbeiten, genauso wie LCD-Fernseher, mit Flüssigkristallen. Obwohl sie klare und scharfe Bilder liefern, sind die Pixelstrukturen deutlich zu erkennen. Besonders störend ist der sogenannte Fliegengittereffekt, der auftreten kann, wenn man zu nahe vor der Leinwand sitzt: Zwischen den einzelnen Bildpunkten entsteht dabei ein schwarzer Abstand, der das Bild mit dunklen, dünnen Balken überzieht. Je geringer die Distanz zwischen den Punkten ist, desto besser ist das Bildergebnis. Gemessen wird dies an der sogenannten Füllrate. Je höher sie ist, desto geringer fällt der Fliegengittereffekt aus.

Regenbogen im DLP-Bild

Regenbogen im DLP-Bild

Bei LCD-Beamern besteht, genauso wie bei Flüssigkristallfernsehern, die Gefahr, dass sich einzelne Bildbereiche dauerhaft durch das Einbrennen von zu hellen Bildern dunkel färben. Zudem kann es bei diesen Projektoren zu trägen Reaktionszeiten kommen. Auch der Schwarzwert bei dunklen Filmszenen ist häufig nicht optimal.

In der Regel sind LCD-Projektoren preisgünstiger als ihre DLP-Konkurrenten. Zudem sind sie klein und leicht und können damit zu einem Kinoabend bei Freunden mitgenommen werden. Auch die Bedienung ist einfach: Bei vielen Projektoren wird die Schärfe und die Größe des projizierten Bilds durch Drehen am Objektiv eingestellt.

Bei DLP-Projektoren (Digital Light Processing) erzeugen Reflexionen winziger Spiegel das Bild. Die Filmszenen werden relativ pixelfrei und fließend dargestellt. Bei manchen Betrachtern stellt sich jedoch mit raschen Bildfolgen der sogenannte Regenbogeneffekt ein. Normalerweise werden die Grundfarben Rot, Grün und Blau hintereinander auf der Leinwand abgebildet. Das menschliche Auge fügt die Bilder aber unbewusst zu einem einzigen farbigen Eindruck zusammen. Einige Menschen sind in der Lage, die auf die Leinwand geworfenen Einzelfarben getrennt wahrzunehmen und sehen bei starkem Kontrast bunte Streifen im Bild. Dieser Effekt wird durch eine höhere Umdrehungszahl der Farbsegmente auf dem sogenannten Farbrad der Geräte verringert. Bei DLP-Projektoren ohne Farbrad tritt dieser Effekt nicht auf.

Wahl zwischen Fliegengitter und Regenbogen

Der Vorteil an DLP-Beamern ist, dass sie mit einem hohen Kontrast ebenfalls tiefe Schwarztöne in dunklen Filmszenen darstellen können. Auch treten, anders als bei LCD-Projektoren, bei schnellen Szenen keine Nachzieheffekte auf.

Ob man eher mit einem Fliegengitter oder mit Regenbogenfarben im Bild zurechtkommt, sollte man im Elektronikgeschäft selbst prüfen. Generell gilt: In Zimmern, die man nicht abdunkeln kann, sollte das verwendete Gerät mindestens eine Lichtstärke von 1000 ANSI-Lumen erreichen. Je stärker Kontrast und Schwarzwert bei Projektoren sind, desto schärfer ist das Bild.

Epson, Hitachi , Mitsubishi , Panasonic, BenQ , Sanyo Electric , Sharp und Toshiba fertigen LCD-Projektoren, die man ab 500 Euro erwerben kann. Bei Mitsubishi, BenQ, Acer und Optoma erhält man Beamer mit DLP-Technik ab 550 Euro.

Worauf Sie achten sollten

Worauf Sie bei allen Geräten achten sollten

Auch bei Fernsehgeräten und Projektoren sollte ein HDMI-Anschluss vorhanden sein: Der digitale Anschluss sorgt für eine optimale Übertragung hochaufgelöster Video- und Audiodateien.

Alternativ zum HDMI-Anschluss ist ein DVI-Anschluss möglich. DVI (Digital Visual Interface) ist eine Schnittstelle, über die hochaufgelöste Videodaten übertragen werden. Sie ist der Vorgänger von HDMI-Schnittstellen, die sich inzwischen immer stärker durchsetzen. DVI ist aber voll aufwärtskompatibel zu HDMI, das heißt: Mit einem geeigneten Adapter lassen sich die Bildsignale eines HDMI-Ausgangs zu einem DVI-Eingang übertragen.

Zudem sollte jeder, der sein Wohnzimmer in ein Kino verwandeln möchte, auf das Bildschirmformat 16:9 achten, da die meisten Spielfilme in dieser Formatgröße angeboten werden.

Ein ausschlaggebendes Kriterium für den Kauf solcher Geräte ist auch das sogenannte HD-ready-Logo. HD-fähige Geräte besitzen automatisch eine Auflösung von 1280 mal 720 Pixel und ein Bildschirmformat von 16:9. Daneben ist mindestens ein digitaler DVI- oder HDMI-Eingang Standard.

Mit welchen Verstärkern und Boxen eine Klangkulisse wie im Kino erzeugt wird, erklärt manager-magazin.de am Freitag im dritten Teil. Im letzten Teil wird es um Zubehör gehen.

Heimkino: Klangkulisse wie im Kino

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