Heimkino Wenn Wohnzimmer zu Kinosälen werden

Kinoatmosphäre im Wohnzimmer ist technisch kein Problem. Viele potenzielle Kunden schrecken jedoch vor der Komplexität einer Heimkinoanlage zurück. In einer vierteiligen Reihe erklärt manager-magazin.de, was beim Kauf zu beachten ist.
Von Lisa Kaltwasser

Hamburg - Feierabend. Nach einer anstrengenden Arbeitswoche will man es sich am liebsten auf der Couch gemütlich machen, die Füße hochlegen und gebannt in den neuen Blockbuster abtauchen. Bloß keinen Fuß mehr vor die Tür setzen, um sich in das nächstgelegene Kino zu begeben. Deshalb rüsten immer mehr Menschen ihr Wohnzimmer in einen kleinen Kinosaal um.

Doch wie funktioniert das? Da viele nicht wissen, für welche Geräte sie sich beim Aufbau ihres Heimkinos entscheiden sollen, hat manager-magazin.de die wichtigsten Informationen in einer vierteiligen Reihe zusammengefasst. Im ersten Teil geht es um die Bildquellen.

Denn um überhaupt in den Genuss seines Lieblingsfilms zu kommen, muss man zunächst einen geeigneten Lieferanten für Bilder finden. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: klassische DVD-Spieler, Player mit HD-DVD oder Blu-ray, Streaming Clients oder ein Wohnzimmer-PC.

Einfache Handhabung bei DVD-Spielern

Der klassische DVD-Spieler hat sich mittlerweile, wie früher der Videorekorder, auf dem Weltmarkt bei den Konsumenten etabliert. Inzwischen steht in vielen Haushalten ein DVD-Player oder ein DVD-Rekorder, der auch Filme auf eine DVD brennen kann. Die Handhabung ist leicht: Einfach die DVD einlegen und "Play" drücken.

Jedoch sollte man darauf achten, welcher Ländercode bei dem Gerät eingestellt ist. Für Deutschland gilt der Regionalcode RC2. Den Ländercode kann man sich in der Regel nicht ohne Weiteres aussuchen. In einem deutschen Elektronikgeschäft erhält man einen DVD-Player in der Regel mit dem europäischen Regionalcode RC2.

Das bedeutet, dass man eine in Amerika gekaufte DVD nicht einfach auf einem europäischen DVD-Player abspielen kann. Viele Geräte lassen sich jedoch mit der Fernbedienung freischalten. Dazu muss man den passenden Steuerungsbefehl im Internet aufspüren. Bei anderen DVD-Spielern müssen einige Hardwarekomponenten ausgetauscht werden, um sie vom Regionalcode zu befreien. Wieder andere sind von vornherein "codefree" zu kaufen.

HD-DVD und Blu-ray

Hochauflösende Filme mit HD-DVD und Blu-ray

Auch sollte man beim Kauf eines DVD-Players darauf achten, über welche Anschlüsse das Gerät verfügt: Neben mehreren Scart-Anschlüssen, sollte der DVD-Spieler einen HDMI-Anschluss besitzen. Dabei handelt es sich um einen digitalen Anschluss für Audio- und Videodateien, der für eine optimale Bild- und Tonübertragung sorgt.

Die wichtigsten Hersteller von DVD-Spielern sind Pioneer , Samsung , Sony , Toshiba , Philips  und Panasonic. Von ihnen sind Player in jedem Elektromarkt in einer Preisklasse von 30 bis 400 Euro erhältlich. DVD-Recorder dagegen erst ab 200 Euro. Auch die Playstation und andere Spielekonsolen können Filme abspielen.

Die neuen DVD-Spieler sind entweder mit HD-DVD- oder Blu-ray-Technik ausgestattet. HD-DVD (High Definition) ist das hochauflösende, direkte Nachfolgeformat der DVD. Sie steht in Konkurrenz zur Blu-ray-Disc. Beide digitalen Speichermedien – die untereinander inkompatibel sind - arbeiten mit violett-blauem statt wie bisher mit rotem Laserlicht. Beide stellen auch Filme hochauflösend dar. Einen großen Unterschied gibt es nur bei der Speicherkapazität: So passen auf eine einschichtige HD-DVD 15 Gigabyte, auf eine Blu-ray-Disc sogar 25 Gigabyte.

Momentan ist jedoch die Auswahl an Playern und auch an Filmen klein, auch wenn etwa gleich viele Filmneuheiten auf Blu-ray-Discs und HD-DVDs erscheinen. Zudem sind sowohl die Player, als auch die Filme noch sehr teuer: So kostet ein HD-DVD-Player zwischen 300 und 600 Euro, einen mit Blu-ray-Technologie kann man dagegen erst ab 450 Euro erwerben. Die HD-DVD-Technologie wird maßgeblich von Toshiba und Intel  unterstützt. Pioneer, Panasonic, Sony, Philips, Samsung und Sharp  stehen dagegen hinter Blu-ray. Pro Film zahlt man bei beiden Technologien etwa 30 Euro.

Nur der südkoreanische Konzern LG erspart dem Heimkinofan die schwierige Formatfrage. Seit Anfang dieses Jahres bietet er einen Player an, der sowohl HD-DVDs als auch Blu-ray-Discs abspielen kann, der sogenannte Super Multi Blue Player BH-100. Dieser kostet stattliche 1200 Euro.

Streaming Clients und Festplatten

Streaming Clients und Festplatten

Streaming Clients sind Geräte, die es ermöglichen, auf dem Computer im Arbeitszimmer gespeicherte Filme – aber auch andere Dateien – auf dem Wohnzimmerfernseher anzusehen. Diese Geräte speichern keine Daten, sondern leiten sie nur über ein Netzwerk als Datenstrom zu einem Fernsehgerät oder Beamer weiter. Diese Übertragung nennt man Streaming. Auf dem Computer gespeicherte Filme können auf diese Weise ganz bequem vom Sofa aus angesehen werden. Damit entfällt das lästige Brennen von CDs und DVDs.

Streaming-Clients verfügen über zwei Verbindungen: Eine Netzwerkverbindung zum Computer, meist über Lan oder das kabellose W-Lan, und eine Verbindung zum Fernsehgerät. Eine mitgelieferte Software wird auf dem Computer installiert und der Streaming Client an den Fernseher angeschlossen. Die Verbindung zwischen dem Gerät und dem Computer wird durch die am PC installierte Software hergestellt.

Streaming Clients gibt es ab 100 Euro. Hersteller sind unter anderem Zyxel, D-Link, T-Com, Philips und Hauppauge. Auch für HD-Filmmaterial sind inzwischen erste Clients auf den Markt gekommen: Netgear Eva8000 überträgt für etwa 300 Euro Daten für hochauflösende Filme vom Computer auf das TV-Gerät.

Festplattenrekorder ähneln äußerlich Videorekordern oder DVD-Spielern. Sie unterscheiden sich dadurch, dass sie keinen Datenträger haben, den man umstandslos wechseln könnte. Stattdessen verfügen sie über eine Festplatte, wie man sie auch in PCs vorfindet. Darauf speichern sie Filme in digitaler Form, ebenfalls nach dem gleichen Verfahren wie ein Heimcomputer.

Auch mit Festplattenrekordern kann man Fernsehsendungen direkt mitschneiden. Ihr größter Vorteil liegt darin, dass man mit der Wiedergabe schon beginnen kann, während die Sendung noch aufgezeichnet wird. Zum Beispiel kann man "Wetten, dass ...?" fast live sehen, selbst wenn man erst um neun Uhr nach Hause gekommen ist.

Festplattenrekorder gibt es ab 200 Euro. Inzwischen setzen sich kombinierte Geräte durch, die sowohl über ein DVD-Laufwerk als auch eine Festplatte verfügen. Sie werden zu Preisen ab 250 Euro verkauft und vor allem von Panasonic, Philips, Samsung, Sony und Toshiba gebaut.

Wohnzimmer-PCs und wichtige Anschlüsse

Der Wohnzimmer-PC – ein Multigerät

Bei diesen Geräten sollte man vor allem auf die Betriebslautstärke achten. Gerade ältere Modelle können recht geräuschvoll zu Werke gehen. Rauscht das Gerät zu laut, kann es leise Filmpassagen übertönen und damit das Kinoerlebnis stören.

So gut wie jeder Haushalt ist mit einem Computer ausgestattet. Da er DVD-Player und -rekorder, Festplattenspieler, Fernsehgerät und noch vieles mehr vereinen kann, ist er die vielseitigste Lösung im Wohnzimmer. Praktisch ist dabei, dass viele Dateien bereits auf der Computerfestplatte gespeichert sind und von dort aus gleich angeklickt und abgespielt werden können. Überhaupt ist die Bedienung so, wie man es vom Büro-PC gewohnt ist.

Der gemütliche Kinoabend kann jedoch durch computerübliche Probleme wie Programmabstürze gestört werden. Auch die lauten Lüftergeräusche können das Filmvergnügen mindern. Verwendet man die standardgemäße PC-Hardware, muss man allerdings Abstriche machen. Im Vergleich zu Fernsehgeräten und Projektoren sorgt die Größe des Computerbildschirms nicht für die richtige Kinoatmosphäre und die Lautsprecherboxen am PC erzeugen nur einen mäßigen Klang.

Allerdings lassen sich PCs auch an Fernseher, Beamer und Hifi-Verstärker anschließen. Um sicherzugehen, dass die entsprechenden Anschlüsse auch zueinander passen, sollte man sich vor dem Kauf im Fachgeschäft erkundigen.

Unverzichtbare Anschlüsse

Generell sollte bei allen genannten Geräten kein HDMI-Anschluss fehlen: Der digitale Bild- und Tonanschluss kann neben hochaufgelösten digitalen Videodateien auch Audiodaten mit hoher Bandbreite übertragen. Damit sorgt er für eine optimale Signalqualität.

Für ein gutes Bild sorgt auch der YUV-Anschluss: Er ist ein Video-Komponenten-Ausgang, mit dem Bilder möglichst gut zu einem Videoprojektor oder einem entsprechenden Fernsehgerät übermittelt werden. Indem er die Helligkeits- und Farbinformationen getrennt voneinander überträgt, werden die Bilder klarer und vor allem ruhiger.

Audio-Ausgänge und Formate

Auch ein digitaler Audioausgang ist wichtig: Über ihn schickt das DVD-Gerät die Daten für den Surround-Klang an den Verstärker. Es gibt koaxiale sowie optische Ausgänge. Bei einer optischen Verbindung überträgt ein Glasfaserkabel das Signal. Bei der koaxialen Verbindung, die auch elektrisch genannt wird, übermittelt ein Cinch-Kabel die Informationen.

Optische Kabel sind knickempfindlicher und können "verstauben", wenn sie nicht abgedeckt werden. Dadurch kann es zu einem unsauberen Signal kommen. Dafür sind sie gegenüber elektromagnetischen Feldern unempfindlich.

Das ist die größte Schwäche von Koaxkabeln, die unter Umständen, etwa wenn sie über lange Strecken parallel zu einem Stromkabel verlaufen, ein Brummen erzeugen können. Im Normalfall liefern sie aber eine sichere Verbindung. Meist ist zwischen optischer und koaxialer Übertragung kaum ein Unterschied zu hören.

Mit den gängigsten Video-Speicherformaten DivX, XviD oder MPEG4 lassen sich Filmdaten Speicherplatz sparend komprimieren. Das ist besonders wichtig, wenn der Heimkinofan seine heruntergeladenen Filme aus dem Internet abspielen will. Nicht alle DVD-Geräte kommen mit diesen Formaten zurecht.

Mit welchen Fernsehern und Projektoren ein schönes leinwandgroßes Kinobild entsteht, erfahren Sie morgen im zweiten Teil. In Teil drei wird es um die Audiogeräte gehen, im letzten Teil um sinnvolles Zubehör.

Heimkino: Wie die Bilder laufen lernen

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