Rolex Tickender Mythos

Hollywoodstars tragen sie, Nobelpreisträger, Präsidenten und auch die Herren der Unterwelt. Die Rolex ist der Inbegriff von Luxus und fast so etwas wie eine weltweite Währung. manager-magazin.de beleuchtet das Geheimnis der legendären Schweizer Uhrenmarke.

Hamburg – Sie ist das absolute Symbol für Luxus, ein äußerliches Zeichen des Erfolgs, und wird so oft gefälscht wie wohl kaum eine andere Uhr auf der Welt. Für eine Rolex legen Liebhaber ohne mit der Wimper zu zucken sechsstellige Beträge hin, sie ist quasi ein weltweit anerkanntes Zahlungsmittel.

Den typischen Rolex-Kunden gibt es nicht - abgesehen davon, dass er über das nötige Kleingeld verfügen muss: Von Gangsta-Rappern, die ihre "Roley" besingen über Jazz-, Rock- und Klassikgrößen wie Diana Krall, Eric Clapton oder Placido Domingo. Von Präsidenten wie John F. Kennedy bis zu Revoluzzern wie Che Guevara und Fidel Castro. Vom Vorstandsvorsitzenden bis zum Zuhälter. Rolex steht für Luxus.

Dass aus der Marke, die der Bayer Hans Wilsdorf 1908 ins Leben rief, einmal ein Unternehmen mit solchem Weltruhm werden würde, konnte vor hundert Jahren keiner ahnen. Und doch ist es der Qualität, der Technikbesessenheit und vor allem dem geschickten Marketing des Uhrenherstellers zu verdanken, dass Rolex heute zur absoluten Premiumliga gehört.

Mit gerade mal 19 Jahren verlässt Wilsdorf im Jahr 1900 seinen Heimatort Kulmbach und geht in die Schweiz, um dort in eine Uhrenvertriebsfirma einzusteigen.

Doch schon wenige Jahre später zieht es ihn nach London. Dort gründet er 1905 im Alter von 24 Jahren zusammen mit einem Geschäftsfreund ein Unternehmen, das sich auf den Vertrieb von Uhren spezialisiert.

Gegen den damals üblichen Trend zu Taschenuhren entscheidet sich Wilsdorf, eine Uhr fürs Handgelenk zu entwerfen - einen Zeitmesser, der damit deutlich robuster gestaltet sein muss, als die gängigen Modelle. 1905 entsteht die erste Armbanduhr. Fünf Jahre später, nachdem Wilsdorf - offenbar um steigenden Importzöllen zu entgehen - in die Schweiz zurückgekehrt ist, gibt es für eine Rolex das erste Chronometer-Zertifikat für eine Armbanduhr überhaupt.

Cleverer Marketingschachzug

Cleverer Marketingschachzug

Doch damit ist der professionelle Ehrgeiz des Bayern noch lange nicht zufrieden: Er will mehr, eine Uhr, die nicht nur exakt geht, sondern auch noch extrem belastbar ist. 1926 entwickelt der Kaufmannssohn seinen ersten Zeitmesser, der wie eine Auster hermetisch gegen Wasser, Staub und Luft abgedichtet ist.

Ihren ersten großen Auftritt hat die Oyster dann ein Jahr später. Bei ihrem Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen, trägt die britische Sekretärin Mercedes Gleitze das schmucke Stück bei sich.

Die Uhr übersteht die Strapazen bravourös, was Wildorf mit einer Anzeige auf der ersten Seite der Daily Mail feiert – und so seine Uhrenmarke schlagartig ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Der Mythos Rolex ist geboren.

1931 bekommt die Oyster ein automatisches Werk, welches das regelmäßige Aufziehen per Hand überflüssig macht. Die beiden wichtigsten Anforderungen an eine alltagstaugliche Armbanduhr sind gelöst.

Zum 40-jährigen Firmenjubiläum 1945 wird später die Date Just lanciert, eine Uhr mit Datumsanzeige, die mit geringen Abänderungen noch heute gefertigt wird. Später folgen Modelle wie die GMT-Master, an der der man die unterschiedlichen Zeiten zweier Orte ablesen kann oder die Submariner, die als erste Uhr bis 100 Meter dicht hält.

Um den Markennamen Rolex, der Wilsdorf angeblich auf einer Busfahrt durch London eingefallen sein soll, ranken sich auch heute noch Legenden.

So ist umstritten, ob er eine Kreation aus den französischen Wörtern Horologie exquisite ist oder eine bloße Kunstschöpfung. Die fünfzackige Krone, die dem Rolex-Schriftzug später hinzugefügt wurde, soll angeblich die fünf Finger einer Uhrmacherhand symbolisieren.

Nichts dringt nach außen

Nichts dringt nach außen

Doch es ist nicht nur die Funktionalität, die Rolex-Chronometer ausmacht. Neben Qualität und Langlebigkeit widmet sich der Uhrenbauer auch der Optik: Mit der "Prince"-Linie entsteht eine Familie rechteckiger Uhren mit Handaufzugswerk in hochwertigem Gehäuse, die bei Sammlern bis heute heiß begehrt sind. Später sorgen aufwendige diamantbesetzte Stücke für Furore.

Auch beim Marketing kann Rolex an seine Erfolge der Vergangenheit anschließen. Dem gelungenen Coup bei der Ärmelkanaldurchquerung folgen weitere: So entwickelt das Unternehmen mit dem Modell Explorer eine Uhr für eine Mount-Everest-Expedition. Und auch den Tiefseeforscher Jacques Piccard stattet der Uhrenbauer für seinen Ausflug in knapp 11.000 Meter Tiefe im Marianengraben publikumswirksam mit einem Chronometer aus.

Heute wirbt die Luxusmarke, die auch Paul Newman und James Bond trugen, mit offiziellen "Botschaftern" wie Roger Federer, Diana Krall oder Brad Pitt.

So geschickt Rolex in der Außendarstellung seiner Uhren ist, so verschlossen ist das Unternehmen, wenn es ums Geschäft geht. Zu Geschäftszahlen, Personalien, Strategie und Finanzbeteiligungen, die in manchen Jahren allein mehrere Hundert Millionen Gewinn abwerfen sollen, dringt so gut wie nichts an die Öffentlichkeit. "Kein Kommentar", heißt es in Genf.

Selbst zur Konzernstruktur und der von Wilsdorf vor seinem Tod 1960 geründeten Stiftung, der die Gewinne in erster Linie zufließen sollen und die diese angeblich für wohltätige Zwecke einsetzt, gibt man sich bedeckt. Auch hier bleibt die Auster verschlossen.

Rolex-Bildergalerie: Luxus am Handgelenk

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