Plattenspieler Warmer Sound

Totgesagte leben länger: Auf der IFA feiern Plattenspieler ein Comeback. Egal ob Kombigerät oder einzelner Spieler, es lebe das Knistern der Vinylplatten. Musikhören ist und bleibt auch analog ein Genuss.

Berlin - Musikliebhaber legen wieder mehr Wert auf authentischen Analogsound, sind sich die Hersteller sicher. Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin reicht die Plattenspieler-Palette von klassischen Liebhaberstücken über DJ-Turntables bis hin zu Kombigeräten, mit denen sich alte Aufnahmen inklusive dem klassischen Knistern gleich auf die CD brennen lassen.

Zu den Messeneuheiten gehört etwa der LP-R400 von Teac: Das Gerät ist Plattenspieler, CD-Rekorder und Radio in einem. "Damit kann man alte Vinylaufnahmen auf CD überspielen, ohne erst den Umweg über den Computer zu gehen", sagt Produktmanager Don Schune. Der Klang der Schallplatte wird direkt im Gerät umgewandelt, wobei der Aufnahmepegel von Hand regelbar ist.

So lasse sich die alte Plattensammlung im Handumdrehen digitalisieren, um alte Aufnahmen etwa beim Joggen oder im Auto wieder hören zu können. Natürlich sei es auch möglich, die alten Elvis-Singles vom Dachboden auf klassische Weise auf dem Plattenteller abzuspielen und über den eingebauten Verstärker und die zugehörigen Boxen anzuhören. Das Gerät soll Ende des Jahres zum Preis von rund 350 Euro auf den Markt kommen.

Nostalgie klingt mit

Noch mehr Neues gibt es für Liebhaber des analogen Klangs am IFA-Stand von Elta zu sehen. Das Music Center 2399n besitzt einen USB-Anschluss und einen SD-Kartenschacht, über die sich alte Plattenaufnahmen gleich in das MP3-Format überspielen lassen. Neben Radioübertragungen lassen sich so auch Aufnahmen auf Kassetten digitalisieren - für das Tapedeck steht ein eigener Aux-Eingang zur Verfügung. Eine Fernbedienung gehört ebenfalls zum Lieferumfang - die Nadel beim Plattenspieler müssen Käufer allerdings noch per Hand aufsetzen. Der Preis für das Gerät wird laut Hersteller ähnlich wie beim Vorgänger bei rund 130 Euro liegen.

Die neuen Geräte richteten sich zum einen an die Generation 50 Plus, sagt Produktmanager Don Schune. Viele wollten die alten Aufnahmen wieder im Original anhören. "Da spielt natürlich meist ein bisschen Nostalgie mit", meint auch Michael Wenzel, Produktmanager von Elta. Viele erinnerten die Platten an ihre Jugend. Für den passenden Oldie-Look hat der Hersteller ein Nostalgie Music Center im Angebot, das mit einem klassischen Grammofon-Horn als Dekoration ausgestattet ist.

Aber auch Jüngere stünden wieder mehr auf den alten Analogsound, sagt Wenzel. "Für Musikfans ist das so eine Art Retrokult." Dass die Schallplatte unter jüngeren Hörern immer noch Verwendung findet, zeigen auch Statistiken: Laut einer Umfrage des Bielefelder Meinungsforschungsinstituts Emnid haben fast 25 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland noch einen Plattenspieler.

Das Auge hört mit

Das Auge hört mit

"Viele Musikliebhaber wollen wieder den warmen Analogsound von früher zurückhaben", sagt Bernhard Rietschel von der in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift "Audio". Das Magazin präsentiert auf der Messe die den Angaben zufolge teuerste HiFi- und Heimkinoanlage der Welt. Die Digitalisierung hätte in gewisser Weise auch zu einer Entwertung der Musik beigetragen.

Eine CD sei durch die Möglichkeiten der Vervielfältigung als Tonträger beliebig geworden. "Wenn eine CD kaputt geht, brenne ich eben eine neue - eine Platte war noch etwas Einzigartiges, die musste man pflegen." Die "audiophilen" Hörer hätten genug von der Ungreifbarkeit einer MP3-Sammlung. "Schallplatten bieten einfach mehr fürs Auge, und man hat wenigstens etwas in der Hand."

Die modernen Kombigeräte auf der Messe eigneten sich für Musikliebhaber nicht unbedingt, meint Rietschel. Die Idee etwa von Plattenspielern mit USB-Anschluss sei gut - es komme aber auf die Verarbeitung an. Oft lohne es sich eher, einen klassischen Plattenspieler zu kaufen und zum Digitalisieren den Umweg über Stereoanlage und PC zu nehmen, als ein schlecht gebautes Kompaktgerät zu wählen.

Echte Analogfans setzen ohnehin statt auf Fertigware und kleine Kompaktanlagen lieber auf schwere Hifi-Möbel und handwerkliche Wertarbeit. Luxusmodelle wie von Clearaudio sehen in ihrem transparentem Weiß wie Designobjekte aus und tragen passenderweise nicht irgendwelche Buchstabenkürzel als Namen, sondern heißen "Emotion" und lassen sich mit einer Plattennadel namens "Goldfinger" ausstatten. Damit kein Stäubchen den Klang trübt, bietet Clearaudio mit der "Double Smart Matrix" zusätzlich eine Plattenwaschmaschine an. "Highend" sind dabei allerdings auch die Preise: Sie liegen teilweise bei mehreren tausend Euro.

Tobias Schormann, dpa

Plattenspieler: Moderne Tellergeister in Bildern

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