Sonderausstattung Flachbildschirm in der Kopfstütze

Ein neues Handy, ein neuer Mediaplayer – und kein passender Anschluss im Auto? Diese Zeiten sollen sich schon bald dem Ende nähern, denn Hard- und Softwareunternehmen arbeiten mit den Automobilherstellern an praktischen Lösungen. Microsoft hat sich beispielsweise mit VW und Fiat zusammengetan.

Hannover - Die Musiksammlung des Mediaplayers abspielen oder mit dem neuen Handy telefonieren - und das alles im Auto. Das ist zwar nicht neu, aber das Wie ist der entscheidende Unterschied. Wichtig dabei: Egal für welche Geräte man sich entschieden hat, im Auto sollen alle einen Anschluss finden, ohne dass die Fahrer sich vorher die Titel auf CD brennen oder eine neue Freisprecheinrichtung kaufen müssen. Wie es geht, ist auf der Cebit zu betrachten. Dort stellen Soft- und Hardwarefirmen zusammen mit Autoherstellern Lösungen für offene Infotainment-Plattformen vor.

So hat Microsoft t gemeinsam mit dem Fiat-Konzern  die standardisierte Plattform "Blue & Me" auf Basis des Betriebssystems Windows Mobile for Automotive 5.0 entwickelt. Dabei handelt es sich laut Jürgen Za von der Microsoft Automotive Business Unit um ein ins Fahrzeug integriertes Infotainment-System. An das können per USB-Schnittstelle im Handschuhfach externe Mediaplayer oder über Bluetooth verschiedene Handy-Modelle angeschlossen werden.

Mit Tasten am Lenkrad oder per Sprachbefehl kann der Fahrer laut Za zum Beispiel auf die Tracklist eines beliebigen MP3-Players zugreifen, einzelne Titel auswählen und über das Audiosystem des Fahrzeugs abspielen. Gleichermaßen können Telefonbucheinträge verschiedener Mobiltelefone aufgerufen und die gespeicherten Nummern gewählt werden. Eine Spracherkennungssoftware soll die Kommandos auch bei Störgeräuschen während der Fahrt erkennen können.

"Das Ziel war, einen Zugang für verschiedene Endgeräte zu schaffen. Gerade junge Leute haben heute fast jedes Jahr ein neues Handy oder einen neuen MP3-Player. Das wollen sie auch im Auto nutzen", so Za. Da die Hersteller-Lösungen bisher nur auf einzelne Endgeräte zugeschnitten waren, war das nicht ohne weiteres möglich.

Ähnliche Überlegungen machen sich derzeit die Entwickler von Multimediasystemen bei Volkswagen . "Wir stellen fest, dass die Kunden die Funktionalitäten, die sie von zu Hause her kennen, auch gerne unterwegs nutzen wollen", sagt VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann. Wie das möglich sein könnte, demonstriert das Unternehmen auf der Cebit anhand einer mit Microsoft entwickelten "Machbarkeitsstudie" auf Basis des neuen Coupé-Cabrios Eos.

Media Center im Alfa Brera

Ein Car PC mit 650 Megahertz, 256 Megabyte Arbeitsspeicher und einer 20 Gigabyte großen Festplatte in der Rückbank macht den Eos laut VW zum "mobilen Media Center". Insassen sollen damit unterwegs etwa DVDs und Musik abspielen, im Internet surfen sowie E-Mails empfangen und versenden können. Dazu gibt es Flachbildschirme in den Kopfstützen der Vordersitze, über W-Lan können Tastaturen oder Spielekonsolen angeschlossen werden. Auch ein Navigationssystem ist vorhanden.

Auch Chip-Hersteller Intel  hat auf der Cebit eine Kooperation zur Entwicklung einer Car-Infotainment-Plattform bekannt gegeben. Mit dem Unternehmen Harman/Becker soll bis zum Jahr 2007 eine Lösung auf Basis der Intel-Technologie entworfen werden. Mögliche Anwendungen sieht Intel in digitaler Audio- und Video-Übertragung, Navigations- und Telematikdiensten.

"Der Weg hin zu einer offenen Plattform bietet der Autoindustrie ganz neue Möglichkeiten", sagt Christian Morales, Marketing-Manager bei Intel. Der rasante Fortschritt der IT-Technologie war bislang ein Knackpunkt bei der Integration von Multimedia-Anwendungen: Weil die Entwicklungszyklen der Fahrzeugtechnik bedeutend langsamer sind und Autos im Schnitt über sieben Jahren gebaut werden, waren integrierte Computertechnik und Software bereits nach kurzer Zeit veraltet.

Diesem Problem will Microsoft bei seiner Infotainment-Plattform durch regelmäßige Aktualisierung der Software begegnen, sagte Jürgen Za. Zudem sei die Hardware so designt, dass sie "eine gewisse Zeit up-to-date ist". Theoretisch ließe sie sich nachträglich auch tauschen, doch das müsse der Autohersteller entscheiden, so Za. Das System auf eigene Faust aufrüsten könnten Autofahrer aber nicht. Im Auto dürften aus Sicherheitsgründen nur geprüfte und zertifizierte Applikationen eingesetzt werden.

Während eine Serieneinführung des VW-Systems laut VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann noch nicht absehbar ist, kann "Blue & Me" bereits für den Alfa Brera, den Alfa Spider, Alfa 159 sowie für den Fiat Punto als Sonderausstattung bestellt werden. Weitere Modelle könnten bald folgen: Laut Jürgen Za ist Microsoft mit anderen Herstellern im Gespräch. Die Plattform ist also auch in dem Sinne eine "offene" Lösung, dass andere Marken sie verwenden können.

Felix Rehwald, dpa/gms

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