Luxusuhren "Sie sind erst richtig gut, wenn ihre Produkte gefälscht werden"

Hersteller von Luxusuhren frohlocken, denn noble Zeitmesser sind begehrt wie selten zuvor. Woran aber erkennt man hervorragende Uhren, was macht Uhren unverwechselbar? manager-magazin.de sprach mit Kim-Eva Wempe, Chefin der gleichnamigen Juwelierkette.
Von Martin Scheele

mm.de:

Frau Wempe, was macht eine Uhr unverwechselbar?

Wempe: Die Authentizität der Geschichte der Uhr ist ausschlaggebend. Eine Unverwechselbarkeit hat nicht zwingend mit der Produktionshöhe zu tun. Richtig aber ist: Eine handgefertigte Uhr aus feiner Produktion kann wunderbarerweise nicht unendlich vervielfältigt werden. Doch auch hier gilt: Vorsicht, denn es gibt leider auch Uhrenmarken, die zwar auf geringe Produktion und hohe Preise bauen, aber nicht halten, was sie versprechen.

Ein extremes Gegenbeispiel sind dafür Rolex-Uhren. Weit verbreitet mit exzellenter Qualität ist eine Rolex immer einmalig. Selbst der Kunde, der diese Uhren nicht mag, kennt sie und das macht sie einmalig. Rolex steht als Synonym für die Uhr.

mm.de: Ist die Renaissance der mechanischen Uhren vorbei? Wenn nicht, warum?

Wempe: Der Siegeszug der mechanischen Uhren dauert ja schon seit Ende der 80er Jahre. Ein Ende ist nicht Sicht. Das ist auch einfach zu erklären, weil viele Menschen, insbesondere Männer, sich für Technik interessieren. Bei Frauen ist das - wenn man das so verallgemeinern darf - allerdings immer noch so, dass sie statt Mechanikuhren lieber Quarzuhren kaufen.

Audemars Piguet. Royal Oak Offshore Scuba: Der innenliegende Drehring lässt sich per separater Krone bei der "10" so verstellen, dass die verbleibende Tauchzeit mit einem Blick zu sehen ist. Die Uhr kostet in der Edelstahlversion 9950 Euro.

Audemars Piguet. Royal Oak Offshore Scuba: Der innenliegende Drehring lässt sich per separater Krone bei der "10" so verstellen, dass die verbleibende Tauchzeit mit einem Blick zu sehen ist. Die Uhr kostet in der Edelstahlversion 9950 Euro.

Foto: WEMPE
IWC. Portugieser Regulateur: Kernstück des Sondermodells ist das Jones-Kaliber 98240, einbaut in das legendäre Portugieser-Gehäuse. Die Uhr kostet in der 18 Karat Rotgold-Version 13.200 Euro.

IWC. Portugieser Regulateur: Kernstück des Sondermodells ist das Jones-Kaliber 98240, einbaut in das legendäre Portugieser-Gehäuse. Die Uhr kostet in der 18 Karat Rotgold-Version 13.200 Euro.

Foto: WEMPE
Vacheron Constantin. Overseas Dual Time: Die sportliche Armbanduhr besticht durch eine Vielzahl besonderer Komplikationen: angefangen bei zwei Zonenzeiten und Zeigerdatum bis hin zur Anzeige der 40-Stunden-Gangautonomie. Die Uhr kostet 9950 Euro.

Vacheron Constantin. Overseas Dual Time: Die sportliche Armbanduhr besticht durch eine Vielzahl besonderer Komplikationen: angefangen bei zwei Zonenzeiten und Zeigerdatum bis hin zur Anzeige der 40-Stunden-Gangautonomie. Die Uhr kostet 9950 Euro.

Foto: WEMPE
Breitling. Superocean GMT: Das Edelstahlgehäuse besticht mit einer einseitig rastenden Drehlünette und einem Sicherheitsventil, das einem Wasserdruck bis 1000 Meter Tiefe standhält. Die Uhr kostet 1990 Euro.

Breitling. Superocean GMT: Das Edelstahlgehäuse besticht mit einer einseitig rastenden Drehlünette und einem Sicherheitsventil, das einem Wasserdruck bis 1000 Meter Tiefe standhält. Die Uhr kostet 1990 Euro.

Foto: WEMPE
Chopard. Mille Miglia Taucher-Chronograph: An die maritimen Vorbilder erinnern die einfache Handhabung der Krone, die Chronographendrücker, die optimal ablesbare Zifferblatt-Zeiger-Anordnung und die griffige, einseitig rastende Tauchzeit-Drehlünette

Chopard. Mille Miglia Taucher-Chronograph: An die maritimen Vorbilder erinnern die einfache Handhabung der Krone, die Chronographendrücker, die optimal ablesbare Zifferblatt-Zeiger-Anordnung und die griffige, einseitig rastende Tauchzeit-Drehlünette

Foto: WEMPE
Glashütte Original. Senator Chronograph: Das veredelte Handaufzugswerk mit fünf verschraubten Goldchatons, Schraubenunruh und eleganter Schwanenhals-Feinregulierung treibt einen Chronographen-Mechanismus an, der zwischen einer Achtelsekunde und dreißig Minuten stoppen kann. Die Uhr kostet in der 18 Karat Roségold-Version 9900 Euro.

Glashütte Original. Senator Chronograph: Das veredelte Handaufzugswerk mit fünf verschraubten Goldchatons, Schraubenunruh und eleganter Schwanenhals-Feinregulierung treibt einen Chronographen-Mechanismus an, der zwischen einer Achtelsekunde und dreißig Minuten stoppen kann. Die Uhr kostet in der 18 Karat Roségold-Version 9900 Euro.

Foto: WEMPE
Jaeger-LeCoultre. Reverso Grande Automatique: Die "Ikone des Art déco" verfügt über ein Automatikwerk inklusive zwei Federhäuser, 50 Stunden Gangautonomie, sowie ein Rotor, dessen Keramikkugellager kein Öl benötigt. Die Uhr kostet in der 18 Karat Rotgold-Version 13.500 Euro.

Jaeger-LeCoultre. Reverso Grande Automatique: Die "Ikone des Art déco" verfügt über ein Automatikwerk inklusive zwei Federhäuser, 50 Stunden Gangautonomie, sowie ein Rotor, dessen Keramikkugellager kein Öl benötigt. Die Uhr kostet in der 18 Karat Rotgold-Version 13.500 Euro.

Foto: WEMPE
Panerai. Radiomir 42 mm Chronograph: Herausragendes Merkmal ist das Kaliber 1872, welches vom renommierten Rohwerkehersteller Nouvelle Lémania stammt. Die Uhr kostet in der Edelstahl-Version 8500 Euro.

Panerai. Radiomir 42 mm Chronograph: Herausragendes Merkmal ist das Kaliber 1872, welches vom renommierten Rohwerkehersteller Nouvelle Lémania stammt. Die Uhr kostet in der Edelstahl-Version 8500 Euro.

Foto: WEMPE


Auswahl aus der Wempe-Sonderedition anlässlich des 100. Jahrestags der Wempe Chronometer-Werke
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Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass bei Patek Philippe, also dem Hersteller mit der längsten Tradition von mechanischen Uhren, die erfolgreichste Damenuhr ein Quarzwerk hat.

mm.de: Woran erkennt man eine hervorragende Uhr? Vor allem am Uhrwerk?

Wempe: Vor allem daran, dass sie läuft und läuft. Und daran, dass es weltweit einen Service gibt, denn es ist ein mechanisches Objekt.

mm.de: Was verstehen Sie unter Innovation bei Luxusuhren?

Wempe: Innovation bei Uhren ist zu unterscheiden zwischen innerer Konstruktion, dem Design und dem Erfinden einer neuen Kategorie. Ad hoc fallen mir bezüglich des Letztgenannten die ersten noblen Sport-Stahluhren ein, die Ende der 60er Jahre auf den Markt kamen. Stichwort ist hier: Nautilus und Royal Oak.

Es gibt darüber hinaus Hersteller, die sind von der Grundidee der Marke schon innovativ - Panerai zum Beispiel.

Ein anderes Beispiel ist der Hersteller A. Lange & Söhne, der 1994 als technische Innovation das Großdatum eingeführt hatte. Oder Jaeger-Le-Coultre, die 2004 ein ganz besonderes Highlight, das GyroTourbillon hergestellt haben. Dieses Meisterwerk lässt die Unruh nun erstmals dreidimensional rotieren. Zusätzlich zu Stunden und Minuten besitzt dieser Wirbelwind einen ewigen Kalender mit retrograder Anzeige und gibt noch Auskunft über die wahre Sonnenzeit. Dieser verrückte Käfig ist Feinmechanik im höchsten Sinne.

Bestimmte Komplikationen übernehmen natürlich auch andere Markenproduzenten. Chanel beispielsweise kauft Tourbillons in der Schweiz zu, und baut sie dann in Keramikuhren ein. Das ist eben deren Art des Marketings. Ich finde diese Zusammenstellung unpassend.

"Speedmaster ist an Bekanntheit nicht zu schlagen"

mm.de: Welche Uhren transportieren Emotionen? Welche Hersteller sind beim Thema Assoziationen (Fliegerei, Segeln, Tauchen) besonders erfolgreich?

Wempe: Ganz sicher: Breitling. Sie identifizieren sich nicht mit verschiedensten Sportarten, sondern konzentrieren sich auf die Fliegerei und somit auf ihre Fliegeruhren.

Panerai-Uhren stehen für den Tauchsport. Die italienische Manufaktur hatte lange Zeit ausschließlich für die heimische Marine gefertigt, italienische Kampfschwimmer trugen die Uhren zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg. Für die weltweite Bekanntheit hat erst Schauspieler Sylvester Stallone gesorgt, der ein Modell im Actionfilm "Daylight" trug und so für ungeahnte Verkaufserfolge sorgte.

Rolex ist an sich schon eine Sportmarke. Der Anfang lag aber auch beim Wassersport begründet. 1927 hatte die Engländerin Mercedes Gleitze den Ärmelkanal durchschwommen. Am Arm trug die Rekordschwimmerin eine Rolex, Modell Oyster. Die Uhr überstand die Prozedur unbeschadet und lief präzise weiter. Daraus entstand auch der legendäre Werbespot, den Uhrenkenner sofort vor Augen haben, wenn sie an Rolex denken.

mm.de: Und andere Hersteller?

Wempe: Omega fällt mir noch ein, die kommen ja aus der Sportzeitmessung, da ist der Chronograph praktisch zu Hause. An Bekanntheit ist die Speedmaster aus dem Hause der Schweizer Firma wohl kaum zu schlagen. Die Omega Speedmaster Professional gilt als die meistgetestete Uhr der Welt. Zu nennen ist noch IWC - mit der bekannten Fliegeruhr-Serie sowie dem Aquatimer.

mm.de: Wie viele Uhren braucht heute ein Manager?

Wempe: So viele, dass er glücklich ist! Das ist meine Bauchantwort.

Männer brauchen tatsächlich aber mehr als eine, denn sie haben ja auch nicht nur einen Gürtel und ein Paar Manschettenknöpfe. Damit die Uhr mit dem sonstigen Auftritt harmoniert, braucht der Mann also mehrere Exemplare.

Ganz abgesehen davon, dass man nur ganz bestimmte Uhren beim Sport tragen sollte - allein darum, damit die Uhr keinen Schaden nimmt. Das beste Beispiel ist der Golfsport. Dieser Sport beansprucht die Uhr am stärksten. Rolex ist von seiner Qualität her sehr widerstandfertig. Kein Wunder also, dass das Unternehmen auch im Golfsport Werbung macht.

mm.de: Apropos Rolex-Uhren, warum sind diese eigentlich dieses Jahr stark im Preis gestiegen?

Wempe: Sie können die Uhren von heute nicht mit denen von vor zehn Jahren vergleichen. Die heutigen Modelle haben ein massiveres Band, die Werksqualität ist noch mal verbessert worden, andere Gehäuseanstöße werden verwendet. Das Faszinierende an Rolex-Uhren ist gerade, dass sie genauso aussehen wie früher, aber qualitativ entscheidend besser geworden sind. Den Unterschied erkennt man erst beim genauen Hinschauen.

"Stahl bleibt quantitativ die Nummer eins"

mm.de: Welche Materialen sind bei Uhren derzeit am gefragtesten?

Wempe: Stahl bleibt quantitativ die Nummer eins, Titan dagegen ist und bleibt ein Nischenmaterial. Titan ist eben sehr leicht und deshalb nach wie vor ungewohnt. Bestimmte Hersteller wie Omega und IWC setzen stärker auf Titan als andere. Fragt man nach dem Wert, antworte ich: Golduhren.

mm.de: Welche Rolle spielt heutzutage der Klang einer Uhr? Ist das ein Kaufkriterium?

Wempe: Jeder Laie kann bei zwei Uhren das feinere Uhrwerk mittels des Gehörs herausfinden. Wir können fein unterscheiden, ob ein Werk sauber klingt oder es schnarrt.

mm.de: Wie groß ist das Problem, dass durch Fälschungen entsteht?

Wempe: Sie sind als Hersteller erst richtig gut, wenn Ihre Produkte gefälscht werden. Wenn die erste Fälschung auf dem Markt ist, ist man gewissermaßen erleichtert. Man muss allerdings zwei Kategorien von Fälschung unterscheiden. Zum einen die billigen Imitationen aus Asien, die besonders einfach zu erkennen sind. Die Problematik beginnt, wenn der Preisunterschied zwischen echter und gefälschter Uhr nur noch etwa ein Zehntel beträgt. Und wenn die Fälscher in das Originalgehäuse zum Beispiel Brillanten einsetzen oder ein Originalwerk einer Stahluhr in ein gefälschtes Goldgehäuse.

mm.de: Eine ganz andere Frage zum Schluss: Wempe will - wie bekannt - in Glashütte, also in der Uhrenhochburg Deutschlands, selber bald Armbanduhren herstellen. Wie weit ist das Projekt gediehen?

Wempe Wir haben ja in einer ehemaligen Sternwarte eine kleine Produktionsstätte aufgebaut. Nicht für Schiffschronometer, sondern für Armbanduhren. Die Räumlichkeiten sind bezogen. Das erste Modell wird im Frühjahr 2006 auf den Markt kommen. Mehr kann ich noch nicht verraten.

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