Klavierbaukunst Guter Klang aus Eisenberg

Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Geschichte des Klavierbaus der ehemaligen Residenzstadt Eisenberg. Dort wuchs und gedieh die Klavierbauwerkstatt der Familie Geyer, später wurde daraus die "Thüringer Pianoforte". Bis heute genießen die Klavier und Flügel unter Musikliebhabern und Künstlern einen ausgezeichneten Ruf.

Eisenberg - Rocksängerin Patty Smith hat eins, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg auch: Klaviere vom ostthüringischen Unternehmen Pianoforte stehen weltweit in Privatwohnungen, Konzertsälen oder Musikschulen.

1000 Klaviere und Flügel produziert die Firma mit Sitz in Eisenberg (Saale-Holzland-Kreis) jährlich. Das sind sieben Prozent aller pro Jahr in Deutschland hergestellten Pianos. Der Umsatz betrug nach Angaben von Firmeninhaber Frederik Steffes im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Euro. In diesem Jahr hofft der aus dem Rheinland stammende ehemalige Klaviergroßhändler auf 4,5 Millionen Euro.

Bis ins 18. Jahrhundert reicht die Geschichte des Klavierbaus. Zunächst fertigten Handwerksbetriebe Komponenten für Tasteninstrumente. 1877 gründete dann Adolf Geyer die erste Pianofortefabrik in Eisenberg. 200 Beschäftigte arbeiteten zu DDR-Zeiten in dem Betrieb, den 7000 Klaviere pro Jahr verließen. Diese waren hauptsächlich für den Export bestimmt.

Ruhige Hände gefragt: Instrumentenbauerin Anke Huhn arbeitet an der Mechanik eines Klavieres

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Foto: DPA
Fast fertig: Instrumentenbauer Friedmar Lohöfener mit seinen nahezu fertig gestellten Klavieren

Fast fertig: Instrumentenbauer Friedmar Lohöfener mit seinen nahezu fertig gestellten Klavieren

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Bereit zum Spielen: Klavierbauer Dietmar Schauer beim letzten Prüfgang

Bereit zum Spielen: Klavierbauer Dietmar Schauer beim letzten Prüfgang

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Klavierbauern über die Schulter geschaut
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Der Neuanfang nach der Wende endete für die 100 Beschäftigten der "Wilh. Steinberg AG" in der Pleite. Klaviergroßhändler Steffes agierte im Auftrag einer Bank zunächst als Notvorstand. 1998 kaufte er die Maschinen und Gebäude und siedelte samt Familie von Köln nach Eisenberg um. "Hier gibt es sehr gute Facharbeiter. Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern muss", sagt der Firmenchef. 90 Prozent seiner rund 50 Mitarbeiter seien ausgebildete Klavierbauer oder Tischler. "Das ist eine Stärke von Ostdeutschland", meint Steffes.

Vier Pianos werden in der Fabrik mit halbindustrieller Serienfertigung täglich hergestellt. 6000 Einzelteile - davon rund 60 Prozent aus Holz - sind für ein Klavier nötig. Hinzu kommen vier Kilogramm Lack. Sieben Monate vergehen zwischen dem ersten Arbeitsschritt und der Auslieferung. Die Produktion eines Flügels dauert sogar drei Jahre.

Die Produktion eines Flügels dauert drei Jahre

Drei Marken führt die Pianofabrik im Angebot. "Im wertvollsten Produkt, Marke "Wilh. Steinberg", steckt alles, was gut und teuer ist", sagt Steffes. Das Holz komme zum Beispiel aus den Alpen. Preisgünstiger seien die Pianos der Marke "Eisenberg", für die Komponenten in Asien und Osteuropa gefertigt werden. Die Marke "Klingmann" sei ein Import aus China.

Auf dem Markt seien derzeit vor allem Premium-Marken gefragt, berichtet Christian Blüthner, Präsident des Fachverbandes Deutsche Klavierindustrie. Die Exportquote liege bei durchschnittlich 48 Prozent.

Sophie-Caroline Kosel, DPA

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