Musikplayer Nur ein halber iPod-Rivale

Sony versucht Apple mit seinem neuen Minidisc-Format das Wasser abzugraben und auf dem Markt der mobilen Player zu punkten. Zwar passt ein Gigabyte Musik auf Sonys Scheibe - doch die Beschränkungen beim digitalen Rechtemanagements nerven den Nutzer.

Hamburg - Sony fährt mit seinem neuen Hi-MD-Walkman ein etwas anderes Konzept als Apple mit dem iPod Mini. Die bunten Apple-Player haben vier Gigabyte fest eingebaut, bei Sony kann sich der Käufer dagegen so viele der neuen Ein-Gigabyte-Discs zulegen, wie er will. Kosten sollen sie zwischen sieben und zehn Euro, lieferbar sind sie allerdings erst ab Herbst.

Der japanische Elektronikriese versucht mit seinen Hi-MD-Scheiben das Prinzip der Kassette in das digitale Zeitalter zu retten - mit dem Unterschied, dass diese Dutzende Musikalben speichern können statt nur 90 Minuten.

Hi-MD ist das Nachfolgeformat der Minidisc, einer Sony-Kreation vom Anfang der neunziger Jahre, die sich trotz gewisser Vorzüge nie so recht durchsetzen konnte. Zwar wurden nach Sony-Angaben weltweit 1,1 Milliarden Discs und 89 Millionen Player verkauft, doch mittlerweile laufen Mini-Flash-MP3-Player oder Festplattengeräte a la iPod den in die Jahre gekommenen Minidisc-Spielern den Rang ab.

Die kleinen Disketten-ähnlichen Scheiben speicherten Anfangs 60 Minuten Musik, mittlerweile liegt der Minidisc-Standard bei 80 Minuten (Speicherplatz knapp 180 Megabyte). Bei stärkerer Kompression gehen sogar 160 oder 320 Minuten auf eine Minidisc.

Die neuen Hi-MD-Scheiben fassen ein Gigabyte. Dank des neuen Atrac3plus-Standards - so heißt das Sony-eigene MP3-ähnliche Kompressionsverfahren -, passen bei einer Datenrate von 48 kBit/s bis zu 45 Stunden auf eine Scheibe.

Im Prinzip versucht Sony, die von Apple erfolgreich vorgemachte Verwertungskette - mobiler Player - Software - Online-Shop - zu kopieren. Statt iPod heißt es bei Sony Hi-MD-Walkman, die Verwaltungssoftware iTunes nennt sich SonicStage und der Musikshop nicht Music Store, sondern Connect.

Das Flaggschiff der neuen Sony-Playergeneration, der 450 Euro teure MZ-NH1 mit schickem Metallgehäuse kann alles, was man von ihm erwartet: Audio-CDs importieren (mit der Software SonicStage), im Sony-Shop Connect gekaufte Musik abspielen, Playlisten verwalten.

Hinzu kommen eine Mikrofonbuchse, Line-out sowie optischer Eingang und Line-in. Darüber können Musiker ihre Stücke auch unkomprimiert, also ganz ohne Kompressionsverluste, aufnehmen. Allerdings kriegt man dann nur etwas mehr als eine Stunde auf eine Disc.

Sonys Player MP3-fähig? - stimmt nicht so ganz

Wenn es um das Musikkaufen geht, kann der MZ-NH1 den iPods nicht das Wasser reichen - nicht nur wegen des derzeit noch lückenhaften Repertoires im Musikladen Connect. Vor allem die DRM-Beschränkungen des Sony-Shops nerven. Bestimmte gekauft Songs dürfen nur drei oder vier Mal auf eine Hi-MD-Scheibe exportiert werden. Geht die Disc verloren, dann ist auch die Musik weg. Apple ist da deutlich kundenfreundlicher und erlaubt beliebig viele Überspielungen auf mobile Player - egal, ob diese sämtlich einem selbst gehören oder dem Freund oder Nachbarn.

Immerhin kann man Songs, die auf einer Hi-MD gespeichert sind, wieder von dieser ausbuchen. Dadurch erhöht sich die Zahl der Exportgenehmigungen dieses Titels um Eins - aber ob dieses Verfahren alle Benutzer kapieren und goutieren werden? Sony verhindert auf diese Weise auf jeden Fall, dass beliebig viele Disc-Kopien einer Playlist erstellt werden können.

Doch das DRM lässt sich sehr leicht austricksen: einfach die gekaufte Musik auf eine Audio-CD brennen und danach wieder importieren, also digitalisieren. Darunter leidet zwar minimal die Klangqualität - dafür sind dann aber sämtliche DRM-Sperren futsch. Warum lässt man sie dann nicht gleich weg? Sony-Sprecher Markus Nierhaus betont, dass es die Musiklabels seien, die ohne entsprechendes DRM keine Freigabe der Songs für den Online-Verkauf geben würden.

Immerhin hat der Sony-Taschenspieler eine Kabelfernbedienung mit eigenem Display, die dem iPod fehlt. Am Klang der mitgelieferten Kopfhörer gibt es nichts auszusetzen, die Vielzahl von Equalizer-Presets wie beim iPod sucht man hier jedoch vergebens. Sony hat die Einstellungen auf drei begrenzt: Normal, Studio und Heavy.

Neben dem MZ-NH1 hat Sony noch drei weitere Hi-MD-Walkman mit weniger Funktionsumfang im Programm: den MZ-NH600 (ohne Fernbedienung, Preis: 250 Euro), den MZ-NH700 (300 Euro) und den MZ-NH900 (380 Euro).

Ein Vorteil der neuen Hi-MD-Player gegenüber bisherigen Minidisc-Geräten soll nicht verschwiegen werden: Herkömmliche Minidiscs, die eigentlich 177 Megabyte speichern, werden darin auf 308 Megabyte aufgebohrt. Weil Minidiscs nur noch etwas mehr als einen Euro kosten, taugen sie somit als günstiges, kleines Speichermedium. Die Player funktionieren nämlich auch wie ein Wechselmedium. Wer will, kann darauf Bilder, Texte oder kurze Filme abspeichern.

Übrigens bewirbt Sony seine Player als "MP3-fähig". Dies stimmt so jedoch nicht ganz, dann MP3s können die Walkman nicht wiedergeben. Stattdessen wandelt die mitgelieferte SonicStage-Software das "Raubkopiererformat" beim Übertragen auf die Hi-MD in Atrac3plus um.

Angesichts dieser Einschränkungen scheint es fraglich, ob es Sony mit dem Hi-MD-Walkman und seinem Musikshop Connect gelingt, seinen Rückstand im digitalen Musikgeschäft wieder gut zu machen.

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