Heimkino PCs raus aus der Schrankwand!

Bei der Schlacht um die beste Heimunterhaltung mimt Sony den Traditionalisten: Keine Media-PCs im Wohnzimmer. Stattdessen funkt Sonys neuer Home-Server Filme und Musik via W-Lan in die gute Stube.

Die Schreibtische der Welt beherrscht Microsoft schon lange mit seinem allgegenwärtigen Windows. Als nächste Bastion soll nun das Wohnzimmer geschliffen werden - mit der Windows XP Media Center Edition.

Diese Software verwandelt Multimedia-PCs in wahre Alleskönner. Fernseher, Videorekorder und Hifi-Anlage haben ausgedient - die Unterhaltungselektronikbranche muss um ihr Geschäft fürchten. Auch Hardware-Schrauber wie Dell und Medion drängen auf den Markt, von dem sie sich alle große Geschäfte versprechen, selbst Linux-Lösungen sind am Start.

Der japanische Konzern Sony versucht, die Konkurrenz mit einer eigenen Strategie abzuwehren. Dabei befindet sich Sony in einer prekären Lage: Nicht nur die Multimedia-PCs von Dell & Co, sondern auch die eigenen Vaio-Rechner machen den eigenen Verstärkern, DVD-Playern und Fernsehern Konkurrenz. Nicht zuletzt deshalb hat nach Sony-Philosophie ein PC in der guten Stube nichts zu suchen - obwohl er sich vom Design her dort nicht verstecken müsste - im Unterschied zu den meisten anderen Rechnern.

W-Lan im Wohnzimmer

Sony lässt den PC irgendwo im Nachbarzimmer stehen - Schrankwand oder Hifi-Rack soll die markentreue Kundschaft wie gehabt mit anderen Sony-Produkten bestücken. Den PC macht Sony zum Home-Server, der Fernseher und Radio via Ethernet oder W-Lan mit Bildern und Tönen versorgt.

Die aktuelle Version des Home-Servers Vaio PVC-RZ504 kommt als äußerst leistungstarker Rechner daher: 3,4 Gigahertz-Pentium-4-Prozessor, 1 Gigabyte Arbeitsspeicher und 250 Gigabyte Festplatte sprechen eine deutliche Sprache - genauso wie der Preis von 2700 Euro. Hinzu kommen ein DVD+/-R-Brenner, eine ATI-Radeon 9600 XT Grafikkarte und ein umfangreiches Softwarepaket - unter anderem die Bildbearbeitung Photoshop Elements und die Videoschnittsoftware Premiere 6 LE. Der PC taugt selbstredend auch für herkömmliche Aufgaben - wegen seiner schnellen Hardware soll gleichzeitiges Tippen im Arbeitszimmer und Blockbuster Konsumieren im Wohnzimmer kein Problem sein.

Programmflut als Spaßbremse

Programmflut als Spaßbremse

Die Verbindung zum Wohnzimmer hält ein W-Lan-Adapter. Dort steht eine kleine Box - der Sony Network Receiver, der die Mediadaten per Funk empfängt und über Audio- oder Videokabel an Fernseher oder Stereoanlage weiterreicht. Mit einer Fernbedienung steuern High-Tech-Papas (und -Mamas) dann gemütlich vom Sofa aus, welcher Film oder welcher Song laufen soll.

Das Sony-System kann alles, was man von einem Home-Entertainment PC erwartet: Fernsehsendungen aufnehmen, Digitalfotos präsentieren, Songs aus dem Musikarchiv wiedergeben und nicht zuletzt Videos auf DVD brennen, wenn die Festplatte überläuft.

Von der Bedienung her kann die Sony-Lösung nicht ganz mit der Microsoft-Konkurrenz mithalten. In einem Test der Computerzeitschrift "c't" wurde vor allem die Vielzahl von Programmen bemängelt, mit denen der Anwender hantieren muss, bevor die Videos den Fernseher überhaupt erreichen. Gelobt wurde hingegen die gute Bild- und Tonqualität. Videos spielt der Server nur ab, wenn sie mit dem Sony-eigenen Aufnahmeprogramm "Giga Pocket" aufgezeichnet wurden - Standard-MPEG-Dateien versteht er nicht.

Zweifel bei Microsoft

Übrigens bestehen selbst bei Microsoft Zweifel, ob ein PC wirklich einen Platz in der Schrankwand bekommen wird. Im Januar kündigte Bill Gates auf der Messe Consumer Electronics in Las Vegas eigene Streaming Clients an. Unter dem Namen "Windows Media Center Extender Technology" will Microsoft noch in diesem Jahr in den USA kleine Boxen anbieten, die wie Sonys Network Receiver auf den PC im Nachbarzimmer zugreifen.

Sie stehen wie eine Set-Top-Box neben dem Fernseher, die Daten kommen per Ethernet oder W-Lan. Auch die Spielkonsole XBox will Microsoft zum Streaming-Client aufrüsten. Kein Wunder, schließlich setzen auch Hersteller wie Pinnacle und Hauppauge auf eigenständige, wohnzimmerkompatible Streaming-Boxen, die sich Videos und Songs vom PC im Nachbarzimmer holen.

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