Linux auf Notebooks Der Hardware-Kniff

Es war ein harter Kampf zwischen Windows und Linux, doch schließlich entschied sich die Münchener Stadtverwaltung für das System mit dem Pinguin. Von harten Kämpfen berichten auch Laptop-Besitzer, die Linux installieren wollten. So schlimm muss es nicht sein - wenn man sich gut vorbereitet.

Nürnberg - "Probier's doch mal mit Linux!" Die jüngste Welle von Computerviren, der Rechnerabsturz vergangene Woche oder die Frage, warum es für andere Betriebssysteme kaum Mengenrabatte gibt, lösen oft diese Reaktion aus. Ein freundlicher Rat, wenn auch meist nicht ganz ernst gemeint, denn die Dominanz von Windows, der meistverwendeten Betriebsplattform für PCs, ist nach wie vor ungebrochen.

Dennoch, der kostenlose Linux-Code, der auf den Programmierer Linus Torvalds zurückgeht, ist Computerthema Nummer eins. Längst tobt der Kampf zwischen dem Marktriesen Microsoft und den Linux-Adepten um die Gunst vor allem von Netzwerkbetreibern. Kleine Mittelständler, Behörden, Großkonzerne, sie alle interessieren sich für das alternative Betriebssystem.

Nur Notebook-Nutzer scheinen bislang ausgeschlossen von dieser Wahlfreiheit. Genauso oft wie das landläufige "Probier's doch mal ..." hört man: "Aber bei Laptops ist das noch ein Problem."

Und tatsächlich: Während bei Windows zahlreiche Assistenzprogramme wie selbstverständlich die komplexen Installationseinstellungen erleichtern, kommen viele Linux-Nutzer nicht ohne Vorkenntnis der Skriptbefehle aus. Darum sind viele Anwender bereit, in kommerzielle Distributionen zu investieren, die aber im Vergleich mit Windows immer noch sehr kostengünstig sind.

Ein bisschen Windows, ein bisschen MacOS: In diesem Fenster werden in Suse Linux die Grundeinstellungen fürs Netzwerk vorgenommen

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Musik sortieren und brennen: Das Programm "K3b" sieht aus wie eine Windows-XP-Anwendung

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Bilder bearbeiten: "Gimp" soll "Photoshop" von Adobe verzichtbar machen

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Webseite von Red Hat: Der amerikanische Distributor ist auf Netzwerkanwendungen spezialisiert

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Das Antlitz des Pinguins:
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Unter kommerziellen Distributionen versteht man ein Linux-Versionen, die vom Vertreiber mit diversen Installationshilfen und einer grafischen Oberfläche ausgestattet sind, ähnlich der, die man vom Windows-PC kennt. Damit bleibt einem weitgehend erspart, von Hand Befehle eingeben zu müssen. Die Menüs, Ordner und Befehlsleisten wirken vertraut, auch das Frickeln am System entfällt.

Von fehlenden Treibern vertrieben

"Bei Laptops ist Linux ein Problem" - warum dieser nebulöse Rat, wenn es doch so einfach (geworden) ist?

"Das Problem sind in der Regel die Treiber", erklärt Chris Schläger, Direktor der Distributionsentwicklung bei der Nürnberger Firma Suse, die zusammen mit Red Hat zu den erfolgreichsten Vertreibern kommerzieller Linux-Distributionen zählt. Damit das Betriebssystem mit den einzelnen Komponenten eines Computers - etwa Festplatte, Modem, CD-ROM-Laufwerk - zusammenarbeiten kann, müssen die richtigen Treiberprogramme vorliegen. Weil aber viele Hersteller ihre Geräte noch immer in erster Linie auf Windows optimieren, stehen die Treiber für Linux oft erst spät oder gar nicht zur Verfügung.

Notebooks lassen sich kaum umbauen

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"Bei einem 'Desktop-PC' ist das ein kleineres Problem, weil man notfalls eine nicht unterstützte Grafikkarte ohne großen Aufwand austauschen kann", sagt Schläger. "Bei einem Notebook ist es aber in der Regel für den Nutzer nicht möglich, den Chip auszubauen." Und es wäre in jedem Fall zu teuer, den Rechner dafür in die Werkstatt zu bringen.

Das gilt aber nicht für alle Notebooks. Ob ein System Linux-tauglich ist, kann einem oft der Fachhändler sagen. Oder man informiert sich vorab auf der Internetseite des Linux-Laptop-Netzes. Dort findet sich eine sehr umfangreiche Liste aller kompatiblen Taschencomputer.

Suse bietet außerdem kostenlos eine Live-Evaluation-CD an, die in wenigen Minuten überprüft, ob ein Notebook - oder jeder andere PC - für die Installation von Linux bereit ist. Das Programm lässt sich von der Website des Unternehmens downloaden und auf CD brennen. In ein CD-Laufwerk eingelegt, überprüft die Software, ob alle Installationsroutinen funktionieren, ohne jedoch eine Installation vorzunehmen.

Wer sich nicht gleich auf die Suse-Produkte festlegen will, oder sich nicht sicher ist, ob ihm Linux überhaupt gefällt, ist mit der Knoppix-CD gut beraten. Knoppix ist ein vollständiges Linux-System, das von seiner CD aus gestartet und betrieben wird. An den Einstellungen des ursprünglichen Systems des eigenen PCs ändert sich dabei nichts. Sollte es bereits mit Knoppix Probleme geben, ist von einer Linux-Installation auf einen Laptop abzuraten. Einziger Nachteil: Das CD-ROM-Laufwerk ist während der Arbeit bereits vom Betriebssystem belegt. Das kleine Linux-Experiment lässt sich von der Seite des Erfinders gebührenfrei downloaden.

Linux spricht sich herum

Mit etwas Vorbereitung lassen sich also die gefürchteten Installationskatastrophen vermeiden. Linux und Notebooks sind kein zwingender Gegensatz mehr. Und in Zukunft wird es noch leichter sein, auch mit dem tragbaren PC auf Linux umzusteigen. Denn immer mehr Computerhersteller berücksichtigen das System bei der Hardware-Entwicklung.

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