Bauwerke Manhattan in München

Die Bayern-Metropole im Rausch der Hightech-Architektur: In München schießen neue Büroklötze aus dem Boden, die endlich einmal ein bisschen an den Wolken kratzen sollen. Die Planer hoffen auf neue Akzente und sparen nicht mit großen Worten.

München - Berlin hat den Potsdamer Platz. Seit der Jahrtausendwende ragen hier die mächtigen Hochhäuser Debis-Tower und Sony-Tower in die Höhe - Passanten fühlen sich beinahe nach New York versetzt. Frankfurt hat den Maintower und imposante Bankgebäude.

Und wie sieht die Münchner Skyline aus? Idyllisches Alpenpanorama, die Zwiebeltürme der Frauenkirche - mehr bayerische Folklore als Hightech-Architektur. Bislang verbindet man die Bayernmetropole eher mit Weißwürsten und dem Oktoberfest als mit wuchtigen Wolkenkratzern. Doch das soll sich nun ändern: Im kommenden Jahr werden gleich zwei neue Hochhausprojekte im Münchener Norden vollendet. Bei der Entwicklung geizen die Planer nicht mit Superlativen.

Mit dem Projekt Uptown München entsteht das höchste Bürogebäude der Stadt: 146 Meter Höhe, 38 Geschosse. Die Fassade der Stahlkonstruktion besteht komplett aus Glas, im Inneren steckt ein Betonkern. Optisch ähnelt das Hochhaus dem Frankfurter Maintower.

Zwilling des Maintowers

Das ist kaum verwunderlich, denn beide Gebäude wurden vom selben Bauherren konzipiert: dem US-Unternehmen Hines mit Hauptsitz in Houston, Texas. Diese Woche präsentierte der Immobilienkonzern sein Werk einem Fachpublikum aus Architekten und Projektplanern, im Rahmen einer Veranstaltung des Fraunhofer Institut Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO): "Innovationsstrategien - Kreative Wege aus der Krise."

Es knarrte und rüttelte, als die interessierten Immobilienexperten in einem klapprigen provisorischen Aufzug mit Bauhelmen geschützt ins 38. Geschoss befördert wurden. Hier im höchstgelegenen Stockwerk entsteht ein Sonderbereich für Konferenzen und sonstige Veranstaltungen.

Deren künftige Teilnehmer können den Rundumblick aus der Vogelperspektive genießen oder Flugzeuge beobachten - der Flughafen liegt nicht weit entfernt. Außerdem werden sie feststellen, dass das Uptown-Hochhaus sich architektonisch in bester Gesellschaft befindet: In unmittelbarer Nachbarschaft stehen das BMW-Vierzylinder-Gebäude und das Olympiastadion.

Ein Quadratmeter kostet 21 Euro Miete

Offene Fenster gegen Isolation

Bis zur Fertigstellung wird sich auch der Aufzugkomfort verbessert haben. Zwischen zwölf Fahrstühlen können die Büroangestellten künftig wählen, um zum hoch gelegenen Arbeitsplatz zu sausen. Die Büros sind in jeder Hinsicht luftig. Die Klimaanlage tauscht die Luft zweimal pro Stunde aus. Wem das noch nicht genügt, der kann eines der Bullaugen öffnen. Diese haben gleichzeitig den Zweck, "den Kontakt zur Außenwelt herzustellen", erklärt Projektmanager Reimund Sigel.

Spartanisch aber elegant: Das Modellbüro im 12. Stock des Uptown-Hochhauses

Spartanisch aber elegant: Das Modellbüro im 12. Stock des Uptown-Hochhauses

Foto: Simon Hage
Uptown München: Modell des Gebäudekomplexes

Uptown München: Modell des Gebäudekomplexes

Foto: Simon Hage
Sichtkontakt mit dem Olympiazentrum: Nur die Hauptverkehrsstrecke "Mittlerer Ring" trennt das Hochhaus von dem Fußballstadion

Sichtkontakt mit dem Olympiazentrum: Nur die Hauptverkehrsstrecke "Mittlerer Ring" trennt das Hochhaus von dem Fußballstadion

Foto: Simon Hage


Projekt Uptown:
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So sei es möglich, Geräusche von der Straße akustisch wahrzunehmen. Ein bisschen Motorenlärm und Reifenquietschen für müde Bürofachkräfte - sonst könnten sie sich im 146-Meter-Klotz isoliert fühlen. Auch von der bayerischen Idylle werden die Schreibtischarbeiter nicht abgeschnitten: An der Südseite blicken sie auf die Münchener Frauenkirche und bei klarem Wetter auf die Alpensilhouette.

Am Fuß des Hochhauses wurden fünf siebengeschossige Campusgebäude neu gebaut - vier davon für Büros, eines für Wohnungen. Besonderheit hier: Jedes der Häuser hat eine weiträumige Dachterrasse. Bereits zum Jahreswechsel sollen die fünf kleinen Kinder des großen Muttergebäudes bezugsfertig sein, das Hochhaus selbst voraussichtlich ab April 2004.

21 Euro pro Quadratmeter

Laut Projektmanager Sigel hat die Hines Immobilien GmbH bereits mehrere Mietinteressenten. Auf diese kommt eine Nettokaltmiete in Höhe von 21 Euro pro Quadratmeter für ein Büro im Hochhaus zu, dabei müssen sie mindestens 660 Quadratmeter mieten - also ein halbes Geschoss. Dafür sind bei der Raumaufteilung völlig frei: ob teamorientiertes Großraumbüro oder separierte Parzellen, ob Trennwände aus Glas oder aus Beton. Das gilt auch für die Büros in den Campusgebäuden, diese kosten allerdings nur 17,50 Euro Miete pro Quadratmeter.

Hines lockt seine Interessenten auch mit einer guten Verkehrsanbindung. Der Bürokomplex Uptown München befindet sich direkt an der Hauptverkehrsstraße "Mittlerer Ring". Eine neue U-Bahn-Station, wenige hundert Meter entfernt, wurde erst kürzlich eingeweiht. Und sollte München einmal den Zuschlag für den Transrapid bekommen, so der Wunschtraum der Projektplaner, würde dieser vielleicht direkt am Gebäude halten.

Roland Bergers neue Residenz

Roland Bergers neue Residenz

Nur wenige Kilometer von Uptown München entfernt entstehen fast zeitgleich zwei weitere Hochhäuser - die Highlight Munich Business Towers. Projektmanager Holger Seidel von der Frankfurter Firma Drees & Sommer geizt bei der Beschreibung nicht mit dem Superlativ. Auch mit den Highlight-Towers soll ein neuer Rekord aufgestellt werden, der allerdings schwer messbar ist: "Wir bauen nicht das höchste, sondern das spektakulärste Hochhaus".

Blick vom Highlight Tower: Moderne Gebäudekomplexe, im Hintergrund der Olympiaturm

Blick vom Highlight Tower: Moderne Gebäudekomplexe, im Hintergrund der Olympiaturm

Foto: Simon Hage
Zwei schlanke, gläserne Hochhausscheiben: Die Highlight Towers

Zwei schlanke, gläserne Hochhausscheiben: Die Highlight Towers

Foto: Simon Hage
Kräne zeigen die Richtung: Die Highlight-Türme wachsen auf eine Höhe von 113 beziehungsweise 126 Metern

Kräne zeigen die Richtung: Die Highlight-Türme wachsen auf eine Höhe von 113 beziehungsweise 126 Metern

Foto: Simon Hage


Highlight Towers:
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Zwei Hochhausscheiben mit vollverglasten Fassaden stehen sich gegenüber und sind durch zwei Brücken aus Glas und Stahl miteinander verbunden. Es ist nicht übertrieben, diese beiden Türme mit ihren schrägen Seitenfassaden als schlank zu bezeichnen: Die Tiefe beträgt gerade einmal 13,5 Metern. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Sonne bis ins hinterste Eck eines jeden Büros eindringen kann. Um einer gegenseitigen Verschattung vorzubeugen, stehen der Ost- und der Westturm, 113 und 126 Meter hoch, leicht versetzt.

Alle vier Tage ein neues Stockwerk

Momentan sind die Türme noch im Bau - bis September 2004 sollen die 28 beziehungsweise 33 Geschosse fertig gestellt sein. Laut Projektmanager Seidel wachsen die Hochhäuser derzeit etwa alle vier Tage um ein Stockwerk - rechnet man nur die Bauzeit für die Stahlverbandkonstruktion.

Im Gegensatz zum Uptown-Hochhaus kommen die Türme ganz ohne Betonkern aus. Ein weiterer Unterschied: Zwar haben die Highlight-Hochhäuser keine Bullaugen-Fenster, dafür lässt sich jeder zweite Fensterflügel komplett öffnen.

Ein beträchtlicher Teil der Büroflächen ist bereits vermietet. Die Unternehmensberater von Roland Berger ziehen in den Ostturm ein. Und da Firmengründer und Namensgeber Roland Berger gleichzeitig Honorargeneralkonsul der Republik Finnland ist, nimmt er die Vertretung des skandinavischen Landes gleich mit ins Highlight-Hochhaus.

Roland Berger ist nicht der einzige prominente Name, mit dem sich die Highlight Munich Business Towers schmücken können. Entworfen hat das Projekt der Stararchitekt Helmut Jahn, von dessen Handschrift auch der Potsdamer Platz geprägt ist. Vielleicht schneidet München am Ende doch nicht so schlecht ab im architektonischen Vergleich mit Berlin oder Frankfurt.

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