VIP-Flugzeuge Jets für den siebten Himmel

"Man umgebe mich mit Luxus, auf das Notwendige kann ich verzichten". Der Ausspruch Oscar Wildes trifft auf die meistens VIP-Kunden der Lufthansa Technik zu. Nicht jeden ausgefallenen Wunsch können die Flugzeugspezialisten indes ihrer exquisiten Klientel erfüllen.
Von Martin Scheele

Hamburg - Der Anspruch, den gleichen Komfort wie auf dem Boden, in einem Flugzeug zu schaffen, muss manchmal scheitern. Nicht jedes Begehren der VIP-Kunden können die Techniker und Ingenieure der Lufthansa Technik AG in Hamburg verwirklichen. Das Unmögliche möglich zu machen - das gleicht bisweilen der Quadratur des Kreises.

"Wir haben ernsthaft überlegt, ob ein Swimmingpool Sinn machen könnte", erzählt Aage Dünhaupt, Pressesprecher bei Lufthansa Technik, anlässlich eines Rundgangs über das Firmengelände. Geriete das Flugzeug in ein Luftloch, würde sich das Wasser natürlich überall verteilen. Aber schon aus Gewichtsgründen ließ sich das Projekt nicht verwirklichen.

In die Reihe "überlegt - aber für nicht realisierbar befunden" gehört auch der offene Kamin, den sich ein nicht näher bezeichneter Kunde in die fliegende Stube einbauen lassen wollte. "Wir haben auch in diesen Fall hin- und hergerechnet", versichert Dünhaupt - um entschuldigend hinzufügen: "Es war aber nichts zu machen".

Der 11. September belebte das Geschäft

Die Lufthansa Technik gehört zu den führenden Unternehmen in Sachen Ausstattung von Flugzeugen. Vor allem das Geschäft mit der Einrichtung von Jets für individuelle Kunden läuft gut - gerade nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Rund 550 Mitarbeiter sind allein für den Bereich VIP-Flugzeuge zuständig.

Weinkühler in der Kredenz eines Boeing Business Jet

Weinkühler in der Kredenz eines Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex
VIP-Kabine in einem Boeing Business Jet

VIP-Kabine in einem Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex /LHT
Privatbüro in einem Boeing Business Jet

Privatbüro in einem Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex /LHT
Speisebereich eines Boeing Business Jet

Speisebereich eines Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex
Küche eines Boeing Business Jet

Küche eines Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex
VIP-Waschraum eines Boeing Business Jet

VIP-Waschraum eines Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex
Schlafraum eines Boeing Business Jet

Schlafraum eines Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex
VIP-Kabine mit 42 Zoll Plasma Bildschirm

VIP-Kabine mit 42 Zoll Plasma Bildschirm

Foto: M. Schulze-Alex
Besprechungs- Speisebereich eines Boeing Business Jet

Besprechungs- Speisebereich eines Boeing Business Jet

Foto: M. Schulze-Alex


Eindrücke aus fliegenden Wohnzimmern:
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Drei Maschinen - ein Boeing Business Jet, ein Boeing Business Jet 2 und ein Airbus A319 Long Range - stehen heute im Hangar, eine ist grün verklebt, in der anderen sind bisher nur Kabel verlegt - in der dritten werkeln Handwerker, bauen Möbel ein, testen Plasmabildschirme. Diese Einrichtung überrascht: Die Sofa-Garnituren versprühen eher den Charme der siebziger Jahre - wäre da nicht die hochmoderne Technik: Man glaubt, Bundeskanzler Schmidt amtiere noch.

Diskretion ist das oberste Gebot

Diskretion ist das oberste Gebot

Bei den Kopfstützen am Bett springt das Muster ins Auge: Tiere aus der freien Wildbahn wie Leoparden in Schwarz sind auf braunem Bezug gebannt. Wessen Geschmack ist das? Dünhaupt lächelt wie eine Sphinx, erweist sich aber beim weiteren Nachhaken verschlossen wie eine Auster. Diskretion ist in seinem Geschäft das oberste Gebot.

Über die Klientel lässt er sich nur so viel entlocken: "Regierungen und Privatpersonen aus dem mittleren Osten zählen zu unserem hauptsächlichen Kundenkreis." Deutsche würden eher kleinere Maschinen wie eine Gulfstream oder Challenger bevorzugen, die innereuropäisch völlig ausreichen. "Vier bis sieben Maschinen werden pro Jahr ausgeliefert."

Viele der Kaufwilligen halten es mit dem irischen Dramatiker Oscar Wilde. Der forderte vor über 100 Jahren schlicht: "Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten." So gesehen präsentiert sich die Küche, die am Anfang der Maschine liegt, allerdings recht karg ausgestattet, mit Schränken, Kaffeemaschine und einer Mikrowelle.

Duschräume mit vergoldeten Armaturen

Luxuriöser geht es in den benachbarten Wohnräumen zu. Die Wände sind mit Nußbaumholz veredelt, Multimedia-Screens samt Musikbibliothek und 30.000 Titeln sind zu sehen, die Lautsprecher sind - quasi unsichtbar - in Form von Membranen in die Deckenverkleidungen integriert. Lichtschienen-Elemente durchziehen die Räume und sollen den Gedanken der Bewegung vermitteln.

Auch 10.000 Meter über der Erde kann man vornehm wohnen - oder gerade da? Eine Lounge, ein Konferenzraum, zwei Duschräume mit vergoldeten Armaturen, ein Schlafzimmer mit französischem Bett - für Bewegungsfreiheit ist gesorgt. Selbst der ausgefallene Wunsch, Toilettenelemente in einer 3D-Konstruktion herzurichten - kein Problem.

Kunde, was willst du mehr? Acht verschiedene Satellitentelefone sorgen für höchsten Kommunikationskomfort. Die Schränke im Badezimmer sind mit edlem Furnier aus Vogelaugenahorn, andere mit finnischer Eisbirke überzogen.

Reiterstatue im Jet? Kein Problem

Edle Wandverkleidung dank "Sandwich Honeycumb"

Gerade an das Holz werden höchste Ansprüche gestellt. Es soll ebenso leicht im Gewicht sein und trotzdem schwer entflammbar. Was nehmen die Lufthansa Techniker? Papier!

In Kunstharz getränkt, gehärtet und zu Platten mit Wabenstruktur geformt, lässt es sich verarbeiten wie Holz und ist gleichzeitig federleicht. Feuerfest, furniert und bis zu achtmal lackiert, nennt sich das Basismaterial selbst erklärend "Sandwich Honeycumb".

"Manche Kunden lassen sich ganze Möbelgarnituren anfertigen, nur um zu sehen, wie das Holz in der Gänze aussieht." Und: "Für einen Kunden wollten wir die Bäume in Kanada selbst aussuchen", erzählt Dünhaupt, "dann sind wir dorthin gefahren, ein Förster hat uns begleitet."

Preise von bis zu 60 Millionen Dollar

Bis alle Einrichtungsdetails in die Praxis umgesetzt sind, dauert es bis zu sechs Monate. Am Ende ist der Kunde rund 60 Millionen Dollar ärmer. "VIP-Jets sind schließlich immer fliegende Individuen", meint Dünhaupt.

Das heißt aber noch lange nicht, dass die Zukunft nichts Neues bringen wird. Derzeit tüfteln die Ingenieure am kabellosen Internetzugang und Soundsystemen die neuesten Dolby-Surround-Standards entsprechen.

Die durchaus berechtigte Frage "Wie kann man verhindern, dass der Kunde zu den Wohnräumen erstmal durch die Küche gehen muss?" konnte bislang noch nicht zufrieden stellend gelöst werden.

Dafür kann Dünhaupt noch mit der Lösung eines extravaganten Kundenwunsches aufwarten. "Ein Kunde wollte unbedingt eine Statue von einem Rennpferd aufgestellt haben - nur wie?". Des Rätsels Lösung: "Die Statue wurde in tausend Einzelteile zerlegt, jedes Einzelteil mit einem Faden an Boden oder Wand befestigt - aus Sicherheitsgründen - so ging's."

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