Andreas Rose

Der Look der Autobosse Ein Leben auf der Anzugspur

Andreas Rose
Ein Gastbeitrag von Andreas Rose
Die Autobranche mag gebeutelt sein, aber der Look an der Spitze stimmt - alles in allem. Feintuning geht natürlich immer noch. Hier sind die Chefs deutscher Autobauer in der modischen Einzelkritik.
Audi-Chef Marcus Duesmann

Audi-Chef Marcus Duesmann

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Audi

Andreas Rose hilft als Stilcoach seinen Kunden, das richtige Outfit zu finden. Für manager magazin unterzieht er die Chefs der großen deutschen Autokonzerne einem kleinen Mode-Gutachten.

Blau, Schwarz, Grau, Braun. Die seriöse Farbpalette ist bei Herrenanzügen nicht annähernd so breit wie bei Autos. Fettnäpfchen lauern auch bei Schnitt, Material und der Kombination mit Schuhen und Accessoires wie Uhren, Gürtel und Brillen. Der edelste, maßgeschneiderte Designer-Anzug rettet nichts mehr, wenn unten die falschen Schuhe sitzen oder die Krawatte darunter hervorleuchtet wie eine Neonreklame.

Für ein stimmiges Gesamtbild gibt es klare Regeln, die einem helfen, die schlimmsten Fehler zu vermeiden. Unerlässlich ist ein Gefühl für die Wirkung von Details und das eigene Erscheinungsbild. Umso erstaunlicher, dass groteske Mode-Fauxpas, quasi Fashiongates, wie sie immer wieder bei den Oscars und Berlinalen zu sehen sind, bei den deutschen Autobauer-Chefs kaum zu sehen sind. Offenbar bemüht sich die Branche um Seriosität, selbst wenn Werbung und Skandale ein gegenteiliges Bild vermitteln. Hier und dort ist ein dezenter Trend zu mehr Smart Casual erkennbar: Die Krawatte darf auch mal zu Hause bleiben, wenn der Performance-Rahmen stimmt. Ein zusammenfassendes Mode-Urteil wäre „vornehme Zurückhaltung“.

Das heißt aber auch: Es fehlt deutlich an stilistischem Mut und Originalität. Vielleicht auch zu viel verlangt von Vertretern einer Branche, die eher den Rückwärtsgang kennt. Immerhin: Die Herren Auto-Chefs – es sind tatsächlich nur Männer – verstehen zwar vielleicht nicht die Welt, aber dafür sehr gut, wie man einen Anzug trägt. Ein Anfang.

Audi-Chef Markus Duesmann: Vorsprung durch Farbe

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Audi

Duesmann wirkt in seinem blauen Dreiteiler, dem offenen weißen Hemd und dem blauen Uhrband am Handgelenk sportlich-dynamisch, so als wolle er jeden Moment mit seinem Fahrzeug um die Wette sprinten. Wie in dem Werbespot mit Cristiano Ronaldo. Die leuchtend blauen Socken könnten den Unterschied machen. Damit geht er vermutlich an die zulässige Exzentrik-Grenze des firmeneigenen Image-Departments.

Respekt-Credits gibt es für das feine Schotten-Dessin, das den Anzug aus seiner einfarbigen Zurückhaltung navigiert. Gleichzeitig beachtet Duesmann das Modegebot, dass gerade im Business weniger mehr ist. Um ganz vorne dabei zu sein, sollte allerdings der unterste Knopf der Weste offen bleiben. Apropos Knopf: Die blauen Kontrastknöpfe am weißen Hemd sind grundsätzlich eine stylische Idee. Allerdings in diesem Kontext etwas too much, da Sakko, Hose und Weste schon gemustert sind – wenn auch dezent. Bei einem unifarbenen Anzug wäre das okay. So wirkt die optische Drehzahl beim passionierten Motorradfahrer leicht überhöht.

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Porsche-Chef Oliver Blume: Anzug in seiner besten Form

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Ein Marathontüftler und Optimierungskünstler wie Blume überlässt nichts dem Zufall. Viel besser kann ein Anzug nicht sitzen. Hier stimmt einfach alles - als habe da jemand penibel eine Checkliste abgearbeitet. Auch beim Tragen. Fehlerquote: nullkommanull. Kann man jetzt spießig finden.

Andererseits: Wo Anzüge zur Massenware geworden sind und Stil keine Selbstverständlichkeit ist, kann ein gute, okay, perfekte Passform durchaus beeindrucken. Die Farbe spielt dann eine untergeordnete Rolle, sofern sie sich im Business kompatiblen Spektrum bewegt: Schwarz, Grau, Navy. Selbstredend, dass der schlanke Mr. Blume mit seiner Dauerläuferfigur auch in der Jeans überzeugt. Einmal Perfektionist, immer Perfektionist.

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BMW-Chef Oliver Zipse: Aus Freude am Anzug

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Old School rules. Wir versuchen gar nicht erst, Oliver Zipse ein Tattoo unterzujubeln oder eine Snapchat-App auf dem Handy anzudichten. Selbst in dieser Dino-Branche gilt der BMW-Chef als lebendes Fossil. Angeblich kavalierstartet er jeden Morgen um fünf Uhr aus dem Bett (vermutlich braucht er nicht mal einen Wecker als Starthilfe) und bringt beim Frühsport Muskeln und Gelenke auf Touren.

Zipse steht auf klare Hierarchien und hält bei Kleidungsfragen wenig von casual. Ohne Krawatte ist er dann auch eher selten anzutreffen. Es sei denn, der äußerliche Rahmen (Shows etc.) nötigt ihn zu einer gewissen professionellen, demonstrativen Lockerheit. Immerhin: In sich ist dieser Mann stimmig und zeigt, wofür er steht. Das kommt durchaus an. Die edlen mittel- und dunkelblauen Anzüge sind zeitlos im Stil und präzise in der Passform. Dazu trägt er fast immer ein weißes Hemd und häufig dezent gemusterte Krawatten. Die Schuhe sind schwarz und edel wie der Anzug. Alles andere wäre Selbstverrat.

Opel-Chef Michael Lohscheller: Nur Fliegen sind schöner

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Ist natürlich Geschmackssache. Aber die Krawatten von Opel-CEO Michael Lohscheller sind tatsächlich eine exzellente Wahl und balancieren zwischen Seriosität und Kontrast. Weniger gelungen ist die Wahl der Brillen. Lohscheller trägt hier eher eckig geformte Brillengläser, die seine ebenfalls eher kantige Gesichtsform unterstreichen. Damit wirkt er strenger und ungenießbarer, als er vermutlich ist.

Die Hose seines graublauen Anzugs ist ein wenig lang geraten, aber farblich gut abgestimmt mit dem braunen Gürtel und den braunen Schuhen – weniger mit dem neuen Corsa-E, mit dem er hier kuschelt. Das Auto gibt es vermutlich auch in schöneren und anzugkompatibleren Farben. Noch etwas fällt auf: Die Hemdsärmel sollten bei leicht angewinkeltem Arm etwa ein bis zwei Zentimeter über das Handgelenk hinausreichen, eben bis zum Anfang der Daumenwurzel. Ebenfalls um die ein bis zwei Zentimeter sollte der Hemdsärmel bei hängenden Armen aus dem Sakko-Ärmel hervorlugen. Da hat der Opel-Chef quasi noch Wachstumspotenzial.

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VW-Chef Herbert Diess: Da weiß er, was er hat

Foto: Gisela Schober / Getty Images for Volkswagen AG

Über seinen Führungsstil beim Wolfsburger Autobauer wurde viel diskutiert , ebenso über sein Talent, allgemein Bekanntes angeblich nicht zu wissen. Zumindest am Kleidungsstil des Semi-Ösis ist wenig zu bemängeln. In Sachen Anzug erweist sich Herbert Diess als ausgesprochen loyaler Partner: Dunkelblauer Einreiher, weißes Hemd und Krawatte – mit Vorliebe für breite Diagonalstreifen. Ja, so fein kann breit sein. Passt alles tadellos zusammen. Einschließlich Schuhe und Accessoires.

Mit Diess' Kleidungsstil ist es wie mit jenem legendären Automodell. Er läuft und läuft und läuft. Weder wow noch flott, aber extrem zuverlässig. Modisch also alles im grünen Bereich. Fast. Hier und da erlaubt sich auch Diess den ein oder anderen modischen Ausrutscher. Etwa die graue Jacke, gemustert mit roten Quer- und Längsstreifen, die er auf einem Foto trägt, das er nach dem Champions League-Gewinn des FC Bayern auf Linkedin postete. Zu Hause in Wolfsburg werden sie ihm das aber vermutlich aus einem anderen Grund übel nehmen.

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Daimler-Chef Ola Källenius: Ein guter Stil in allen Lagen

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Silas Stein / dpa

Die goldene Styling-Regel in Skandinavien lautet: Es muss gut aussehen und funktionieren. Grundlage bilden Basics, die sich fast beliebig kombinieren lassen. Daran hält sich auch der noch nicht so alte Schwede Ola Källenius, seit 2019 Vorstandsvorsitzender der Daimler AG. Unaufgeregt bis lässig beherzigt er die skandinavische Eleganzformel hier bei der Präsentation einer Designstudie: Blaue Anzugjacke mit brauner Chinohose und ebenfalls braunen Velourschuhen. Wer würde da eine Krawatte vermissen? Skandi-licious!

Und dann noch dieses Mini-Accessoire am Revers seiner blauen Anzugjacke: Der Pin aus poliertem Edelstahl zeigt, für wen das Herz schlägt. Die modische Stimmigkeit zieht sich durch, die Gesamterscheinung passt – funktioniert, um es auf skandinavisch zu sagen. Randlose Brille, volles Haar, blauer Anzug, offener Hemdkragen, schwarze Pennyloafer, etwas verbeulte Beinfront… In jedem Fall elchtestfest. Eine „La Ola“ für die Källenius-Klasse.

Foto: Silas Stein / dpa
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