Montag, 23. September 2019

Luxusyacht "Aurora" Das Schiff, das aussieht wie Iron Man

Yacht "Aurora": Ein Schiff wie die Rüstung von Iron Man
Tom van Oossanen, Paolo Petrigna

3. Teil: Der Speisetisch: Eiche mit Blattgold

Boote Exclusiv



Die Welt der Superyachten

www.boote-exclusiv.com

Aktuelle Ausgabe

Federico Rossi prägt die Wirkung der Werft nach außen. Ihre Anfänge reichen bis 1980, als die Brüder Claudio und Paride Rossi als Subunternehmer Rümpfe schweißten. Seit 2007 nimmt Rossinavi direkt Eigneraufträge an. Federico ist Claudios Sohn.

Der "Aurora"-Beachclub war gleich nach der Comic-Inspiration das Zentrum der Planungen. Für die "Aurora"-Gesamtlänge zeigt er deutlich Übergröße, potenziert durch die besondere Raumhöhe und ein aufwendiges Entertainmentsystem mit einer interaktiven LED-Wand am vorderen Ende des Clubs, zu nutzen als Kino, für Videospiele oder gestreamtes Bildmaterial, das eine hochauflösende Kamera in der Bugspitze aufnimmt: Rossi taufte die Kamera "Auroras Waffe". Sie könnte aus einem Marvel-Comic stammen.

Der vertikale Bügel darüber erinnert eher an Organisches, an das Horn auf der Nase des gleichnamigen Tiers. Der Beachclub erforderte mit seinem Bedarf an Höhe eine vollkommen neue Gedankenführung. Seinetwegen musste De Simoni das Achterdeck mit Cockpit und Liegefläche anheben. "Aurora" bekam also ein halbes Deck achtern, eine Novität des Yachtdesigns.

Auch die Anordnung des Layouts gehorcht nicht unbedingt den verbreiteten Standards; der Eigner bestellte gleich zwei Eignersuiten, eine wie üblich vorn auf dem Hauptdeck, die zweite ein Deck höher achtern. Die Suite des Hauptdecks bietet einen Blick voraus durch eine Panoramaverglasung, und die Öffnung des Widebodys mit Streben zum Bug erlaubt den Blick zur See. Die nach vorn gezogenen Bögen erweisen sich also nicht nur als Stilmittel, sondern auch als funktional.

Die Gäste finden zwei Kabinen auf dem Unterdeck hinter der Galley und der Crewmesse und zwei hinter der unteren Eignersuite auf dem Hauptdeck. Salon und interner Speiseplatz fanden den üblichen Ort auf dem Hauptdeck. Den zweiten Speiseplatz mit Sitzplätzen für mindestens zehn Personen ließ der Eigner zwischen dem Salon und dem angehobenen halben Deck des Cockpits mit freier Aussicht zu den Seiten des Rumpfs aufstellen. Der Pool wirbelt darüber auf dem Oberdeck hinter der zweiten Eignersuite.

Auf ein Sundeck verzichtet "Aurora", nicht aber auf ein Extra, das nach langen Überlegungen an prominenter Stelle seinen Platz fand. Der begehbare verglaste und temperaturkontrollierte Weinschrank in der Gästelobby des Hauptdecks fasst 500 Flaschen, ein verlockender und vielversprechender Anblick für Gäste. Ein passwortgeschützter Zugang allein für den Eigner bewahrt den kostbaren Vorrat zwar nicht vor sehnsüchtigen Blicken, jedoch vor allzu fröhlichen Zechern.

Gekalkte Ahornfurniere an den Wänden im Kontrast zu polierten Ebenholzdetails und naturbelassenen Teakböden unter Einzelstücken handgeknüpfter Seidenteppiche strahlen eine gewisse Eigenwilligkeit aus. "'Aurora' spiegelt den sportlichen Lifestyle der Eigner", erklärt Salvagni seine Auswahl. Metallische Bronze und Rundungen aus Carrara- Marmor vermitteln den zeitgenössischen Dreh. Tapeten aus Seidenpapier bekleiden die Gästekabinen und das Foyer beim Weinvorrat auf dem Hauptdeck.

Seit 2002 kümmert sich Salvagni, Jahrgang 1970, neben Residenzen auch und immer mehr um Yachten. Seit 2013 entwirft er Möbel, die sich auch auf "Aurora" finden lassen, Sofas und Sessel im Salon in organischen Formen als Kontrast zum äußeren "Aurora"-Styling.

Auch den Speisetisch ließ Salvagni nach Maß anfertigen, aus Eiche mit Blattgold, das er bürsten ließ. "So entstand der Effekt einer Echsenhaut." Salvagni sorgte auf "Aurora" neben der rustikalen Ausstattung einer Sauna auch für die jüngsten technischen Errungenschaften, darunter eine komplett programmierbare LED-Beleuchtung aller Räume, einen gewölbten TV-Monitor mit 80-Zoll-Diagonale und 4K-Auflösung und eine nahtlos eingelassene Projektionsfläche von 120 Zoll mit LED-Technik.

Das Magazin "Wallpaper" belehrte im "Aurora"-Text seine Leser derart, wie wir es nicht schöner hätten ausdrücken können.

Eine moderne Yacht, so "Wallpaper", entspreche einem stattlichen Landsitz vergangener Jahrhunderte. Und CNN Style zitierte in seinem "Aurora"-Beitrag Federico Rossi mit einem Wort, das in "Boote Exklusiv" grundsätzlich nicht auftaucht: "Luxus heißt für uns, dass die Werft dem Eigner zur Verfügung steht."

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung