Samstag, 7. Dezember 2019

Wolkenkratzer-Architektur Hoch im Himmel

Wolkenkratzer: Ingenhoven-Projekte
ingenhoven architects

2. Teil: An die Folgekosten denkt keiner

mm: Was meinen Sie mit Flexibilität und Reversibilität? Wände verschieben?

Ingenhoven: Natürlich kann ich mich für einen Bau mit leichten Wänden und schwerem Gerüst entscheiden, damit kann ich bei Wohnhochhäusern zum Beispiel aus zwei 3-Zimmer-Wohnungen schnell auch eine 5-Zimmer und eine Ein-Zimmer-Wohnung machen, so kann ich auf Veränderungen reagieren.

Aber Flexibilität und Reversibilität meint noch mehr. Wie ermöglichen wir es, nach 20 oder 30 Jahren zum Beispiel die Haustechnik zu erneuern und zwar so, dass das Gebäude weiterhin funktioniert. Als Architekten müssen wir dafür sorgen, dass man die Technik möglichst problemlos warten und austauschen kann, und nicht ein ganzes Gebäude lahmlegt. Das ist wie bei einem Computer, der es auch zulassen muss, dass das Betriebsprogramm erneuert werden kann.

mm: Müssen Sie sonst noch etwas beachten?

Ingenhoven: Ich halte es für wichtig, sich unbedingt immer die Klimabedingungen anzuschauen und zu analysieren. Insbesondere die Fassaden müssen daran angepasst werden.

mm: Inwiefern?

Ingenhoven: In China entstehen derzeit jede Menge Hochhäuser. Die Lässigkeit, mit der die dort gebaut werden, ist schon eindrucksvoll. Aber oft wird nicht an die Folgekosten gedacht. So ist zum Beispiel die Luft in Shanghai enorm salzhaltig, dazu kommt noch eine deutliche Luftverschmutzung durch Abgase. Das greift die Fassaden natürlich schnell an und sie müssen häufiger Instandgesetzt werden, ansonsten wird es unansehnlich. Da entstehen ungeheuere Folgekosten.

mm: Glasfassaden in Wüstenstaaten erscheinen unter diesem Gesichtspunkt auch nicht besonders sinnvoll.

Ingenhoven: Dort wo Sandstürme zum Alltag gehören, werden Glasfassaden leiden. Das wird man noch feststellen. Man sollte sich in diesen heißen Ländern eher auch traditionelle Methoden sehr genau anschauen. Man müsste groß und kräftig bauen, vor allem schattenspendend. Glasflächen reflektieren auch oft sehr stark die Sonne.

mm: Wie stark die Reflektion sein kann, konnte man vor kurzem an einem Jaguar in der Londoner Innenstadt sehen, dessen Außenspiegel und Armaturenbrett sich unter der Einstrahlung verformten.

Ingenhoven: Da kommen natürlich noch einige Besonderheiten hinzu. Die Fassade wölbt sich über die Straße und die Glasscheiben sind wahrscheinlich auch in sich verspiegelt, was diesen Brennglaseffekt hervorruft. Ein aufmerksamer Architekt hätte vielleicht daran denken können, dass das Sonnenlicht gebündelt und auf die Straße reflektiert wird.

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