Sonntag, 8. Dezember 2019

Ungewöhnlich wohnen Wenn die alte Fabrik zum Traumhaus wird

Der Traum vom ungewöhnlichen Wohnhaus - für viele ist das eine alte Fabrik oder ein Handwerkshaus. Solche leerstehenden Gewerbegebäude gibt es in vielen Städten. Sie sind zwar im Umbau unberechenbar, dafür aber oft relativ günstig zu haben.

Die alte Klinkerfassade ist nicht mehr makellos. Aus vergangenen Zeiten hängen noch ein alter Kran und Stahlträger daran. Von außen verraten auf den ersten Blick nur neue Fenster, dass in der alten Fabrik in Leipzig heute jemand wohnt - und das auf modernste Weise. Viele wünschen sich aktuell so einen Wohnraum im Industrieschick. Man verbindet damit Lofts, die aus weiten Hallen ohne störende Wände bestehen, hohe Decken, lichtdurchflutete Räume mit riesigen Fenstern und unverputzte Mauern.

Auch im Inneren der Leipziger Immobilie ist der Charme des alten Gewerbegebäudes noch erhalten. Das alte Treppenhaus ist erhalten geblieben, freiliegende Backsteine zieren einzelne Wände in den Wohnungen. Und im Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss hängen noch historische Riemengetriebe.

"Das Gebäude war voll davon", erzählt der Architekt und Mitbesitzer Hauke Herberg. "Auch das macht den Charme aus." Heute gibt es hier drei Eigentumswohnungen und eine Mietwohnung. Warmer Holzboden ist darin ausgelegt. Wo früher hart geschuftet wurde, wird heute Klavier gespielt oder gekocht.

Aber nach dieser Mischung von Gemütlichkeit, Charme und Schick sahen die Räume nicht immer aus. Als Herberg und seine Mitbesitzer die Fabrikhalle kauften, war das Gebäude quasi eine Ruine. Im Grunde waren nur noch die Außenmauern erhalten. Und die Bauherren standen vor Herausforderungen, vor allem die Umsetzung geltender Vorschriften und Einschränkungen für solche Objekte. Die größte war die Energieeffizienz.

Wie bringt man ein solches Gebäude auf Niedrigenergie-Standard?

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) sieht bei einer Umnutzung die gleichen Anforderungen wie für einen Neubau vor. Das Gebäude muss etwa durch eine gute Heizung auf den sogenannten Niedrigenergie-Standard gebracht werden. Gerade auch die Dämmung des Gebäudes ist schwierig. Denn eine Innendämmung ist bauphysikalisch nicht ganz einfach, und die geschützte Außenfassade darf laut Denkmalschutz nicht verhängt werden.

Die Lösung? Die ist für jedes alte Gebäude anders, betont Herberg. Hier gibt es keine Standardantwort, sondern nur individuelle Lösungen. Die Profis vom Büro Quartier Vier unter Zusammenarbeit mit dem Architekten und ebenfalls Mitbesitzer Stefan Adlich sind mit der Herausforderung auf besondere Weise umgegangen: Sie entwarfen ein Haus im Haus. Hinter der alten Fassade entstand eine tragende Holzkonstruktion, die mit dem Mauerwerk durch Stahlanker verbunden ist. Dadurch wurde die Backsteinfassade zu einer hinterlüfteten Fassade, und der gesetzlich geforderte Wärmeschutz sogar übertroffen.

Andere Gebäude haben von Haus aus hingegen schon so dicke Wände, dass die Dämmung kein Problem ist. Dafür aber die Räume. Das Wohnhaus von Regina Schineis steht im historischen Passauer Handwerkerviertel. Es umfasst sogar ein Stück Stadtmauer und wurde um 1800 schon erwähnt. Die Fenster sind klein, die Räume auch. Lange waren in dem ehemaligen Handwerksgebäude Studenten-Buden untergebracht, teils waren die Räume nur 1,70 Meter hoch. Es gab winzige Küchen, keine richtigen Bäder und primitive Außentoiletten. "Geduscht wurde teils in der Küche", erzählt die Architektin. Also alles andere als das, was man sich unter modernem Wohnen vorstellt.

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