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Insel-Lösung: Auf den Azoren produziert António Maçanita einen Rosé, der gute Laune macht
Insel-Lösung: Auf den Azoren produziert António Maçanita einen Rosé, der gute Laune macht
Foto: Arlindo Camacho

Weintipps vom Sommelier Meeresrausch - drei Weine von der Insel

Inselweine haben viel zu erzählen: von Sonne, Salz – und manchmal gar von dichtem Nebel. Sommelier Jan Konetzki empfiehlt einen Sizilianer, einen von den Kanarischen Inseln und einen von den Azoren.
Von Jan Konetzki aus manager magazin 10/2020

1. Entdecken
Bester Kanaren-Stoff

Es gehört Mut dazu, auf seine Insel zurückzugehen, auf der sonst Touristenplörre zusammengerührt wird: Im windigen Nordosten Gran Canarias baut Carmelo Peña Santana (33), Schüler von Portugals Weinguru Dirk Niepoort, auf 1200 Metern die kanarische Rotweintraube Listán Negro an, 300 Kilometer von der Sahara entfernt, auf Vulkanasche.

"Ikewen" heißt "fantastisch" in der Sprache der Berber, das Etikett zeigt behaarte Beine. Es sind die des Onkels, rot vom Traubentreten, was für den Wein schonender ist als jede Maschine. "Ikewen" 2018 ist ganz außergewöhnlich: leicht, aber mit Struktur, Noten von Feuerstein, Salz, Sauerkirsche, Blüten, Pfeffer, toll zu Rehfilet. Bislang sind wenige Flaschen, fast nur in New York oder Miami, zu bekommen. Aber Peña legt ja auch erst los.

Jan Konetzki
Jan Konetzki

ist gefeierter deutscher Sommelier und Director of Wine im Londoner "Four Seasons" und "Ten Trinity Square Private Club".

2 Mitreden
Ausnahmewein vom Ätna

Fast schwarzviolett ist der Rotwein vom Ätna, mit 3323 Metern der höchste aktive Vulkan Europas. Baron Andrea Franchetti, Textilerbe und Kunstmäzen, hat schon in der Toskana feinste Weine hergestellt, bevor er das Land am Ätna im Urlaub so richtig entdeckt hat. Nun ist er einer der besten Winzer Siziliens. Sein Premiumwein – nur 3900 Flaschen – wächst auf 1000 Metern. Und hat trotz viel Sonne, Frische, Struktur, nur wenig Holz, bleibt kurz im Barriquefass. Ein Wein für alle, die schon viel probiert haben und deswegen etwas Neues wollen. Er erinnert an Châteauneuf-du-Pape oder Barolo: elegant, intensiv, Kräuter, Pflaume, Brombeere, Cranberry, Pfeffer, Kardamon – passt gut zu Lammkarree, gegrillten Tomaten, gereiftem Ziegenkäse.

3 Versacken
Rosé für alle Fälle

Die Azoren sind hochspannend. Da wächst ja fast nichts, außer – glücklicherweise – Wein. Seit 2014 baut António Maçanita (39) mit Freunden auf der Insel Pico heimische Rebsorten an, mitten im Atlantik, 1650 Kilometer von Lissabon entfernt. Schwarze Basaltmauern schützen buschige Reben, der Vulkan, mit 2351 Metern immerhin der höchste Berg Portugals, ist oft schneebedeckt.

Was für ein beeindruckendes Setting: Sonne, Salz, Nebel! Dafür fand ich den Wein erstaunlich sachlich. Ein Rosé, wie er im Buche steht, leichtes Lachspink, trocken, wenig Frucht, ein Hauch Erdbeere, Pampelmuse, Sauerkirsche, Kamille, Salzzitrone, eine kleine Idee von Pfeffer. Günstig, klassisch, unheimlich trinkbar. Das kann man wirklich jedem einschenken, und alle werden sagen: Spitzenwahl!

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