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Hängt sich rein: Winzer Maximilian von Kunow
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Drei Empfehlungen vom Sommelier Diese Weine sind wahre Luxusschnäppchen

Sommelier Jan Konetzki hat wieder für Sie eingeschenkt. Diesmal besonders edle Weine aus drei berühmte Lagen, Burgund, Napa Valley, Mosel: teuer und preiswert zugleich.
Von Jan Konetzki aus manager magazin Reichstenheft 1/2020

1. Entdecken
Burgunder vom Gucci-Boss

Burgund ist das Epizentrum des feinen Weins und deswegen ein perfekter Ort für die Unternehmerfamilie Pinault (Gucci). Nach ihrem Einstieg 2006 hatte sie es schwer, inzwischen ist sie etabliert. Die teuersten Pinot-noirWeine der Welt kommen von hier; für Pinaults Clos d'Eugénie, nach der Mutter benannt, zahlt man vergleichsweise verträgliche 99 Euro. Michel Mallard, seit 2006 Kellermeister, hat 2009 auf biodynamisch umgestellt. Der 2018er Vosne Romanée Village Clos d'Eugénie braucht noch ein wenig Zeit, verspricht aber viel: Sauerkirsche, reife Pflaume, Blütennoten, warmes Holz und exotische Gewürze. Elegant, nobel, sexy.

Jan Konetzki
Jan Konetzki

ist gefeierter deutscher Sommelier und Director of Wine im Londoner "Four Seasons" und "Ten Trinity Square Private Club".

2. Mitreden
Kaliforniens Vollschlanker

Die Beckhams sind Fans von Harlan, dem Wein der Reichen. Das Gut liegt in Oakville, Napa Valley – genau wie Heitz. Für ein kleines Stück Land verschuldeten sich der Önologe Joe Heitz und seine Frau 1961 (mit 5000 Dollar). Ihr Cabernet Sauvignon "Martha's Vineyard" war im großen "Judgment of Paris" 1976 dabei, als Weine aus Kalifornien in der Blindverkostung über Bordeaux und Burgund siegten, als "Bottle Shock" verfilmt. Wer statt Harlan Heitz' 2013er Cabernet kauft, zahlt statt 1500 Euro immerhin nur 238 Euro: balsamisch-mediterrane Noten, Salbei, Lorbeer, viel dunkle Frucht, Zimt, Vanille, Schokolade. Extremst spannend wenn man vollschlanke US-Rotweine mag.

3. Versacken
Riesling vom Welt-Weißweinhang

In Wiltingen an der Mosel kostete ein Hektar Weinberg schon zu Kaisers Zeiten umgerechnet rund 1,7 Millionen Euro. Ist eben eine der besten Riesling-Lagen der Welt: kalte Hunsrück-Winde, 70 Prozent Quarzit, Schiefer, kaum Erde. Vom Scharzhofberg kommen die feinsten, säurebetontesten deutschen Weine – und die teuersten (wie Egon Müllers Scharzhofberger Riesling Trockenbeerenauslese 2003, Auktionspreis: 14.994 Euro). Drei Kilometer weiter, auf dem Traditionsgut Von Hövel von 1803, verzichtet der junge Maximilian von Kunow auf Herbizide, Pestizide, künstliche Hefen. Der Lohn: aromatischere Weine wie die Scharzhofberger Riesling Auslese 2018. Kräftige Noten von Pampelmuse, Zitrone, grünem Apfel, Safran, Mirabelle, leichte Steinigkeit, spannende frische Säure, ausgeglichen durch etwas Restsüße, sehr wenig Alkohol (7,5 Prozent), ein ganz eleganter Wein und sehr, sehr trinkbar.

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