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Bei Weißwein gilt: Weniger Säure, mehr Aroma – wie beim Sauvignon Blanc von Hélène Mingot. Das kalifornische Weingut Eisele Vineyard gehört Gucci-Boss Pinault, der Vogel gleich wieder den Lüften.
Bei Weißwein gilt: Weniger Säure, mehr Aroma – wie beim Sauvignon Blanc von Hélène Mingot. Das kalifornische Weingut Eisele Vineyard gehört Gucci-Boss Pinault, der Vogel gleich wieder den Lüften.
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Empfehlungen vom Sommelier Drei Weine fürs Flugzeug

Was trinkt man über den Wolken? Die Luft ist trocken wie in der Wüste – und dünn wie auf der Zugspitze. Ein Champagner, ein Rotwein und ein Weißwein, die auch noch auf 10.000 Meter Höhe schmecken.
Von Jan Konetzki aus manager magazin Reichstenheft 1/2021

1. Himmlisch: Ausnahmechampagner aus Aÿ

In der Höhe schwindet Perlage schnell. Weil die Bläschen für Geschmack sorgen, braucht man mehr Frucht, Druck, Rückgrat. Charles Philipponnats Rosé von 2009 ist kein Süffelrosé, sondern ein aristokratischer Champagner. Die Vorfahren belieferten Ludwig XIV. Dem berühmten Haus von 1522 am Marne-Kanal in Aÿ gehört – neben Krugs Clos de Mesnil – einer der steilsten Weinberge der Champagne: Clos des Goisses, eine Spitzenlage. 45 Grad Gefälle, Kreide, Südhang, einzigartiges Mikroklima. Das ist mein Lieblingschampagner: Pinot noir und Chardonnay, vielschichtige, kräftige Aromen, Kirsche, Himbeere, Tabaknoten im Unterton. Wer seine Schleimhäute mit Salzwasser-Nasenspray anfeuchtet, schmeckt noch mehr.

Jan Konetzki
Jan Konetzki

ist gefeierter deutscher Sommelier und Director of Wine im Londoner "Four Seasons" und "Ten Trinity Square Private Club".

2. Gaumengranate der Toskana: Bester Cru der Antinoris

Was wir am Boden schätzen, sauer, frisch, subtil, griffiges Tannin, funktioniert auf 10.000 Metern nicht. Für Rotweine gilt: reifere Jahrgänge, mehr Sonne, Frucht, Holz, Alkohol. All das hat der Cru aus der Toskana, 2013er Lodovico Tenuta di Biserno, der bis zu 600 Euro kostet. Legendäre Winzer wie der Marchese Lodovico Antinori und sein Bruder Piero griffen ihre Önologin im Bordeaux ab: die Schwedin Helena Lindberg. In der Maremma, den Bergen Bibbonas, bauen sie französische Rebsorten, hier Merlot, in Barrique aus. Sehr klassisches, modernes Weinmachen. Das, was früher ein Super-Toskana war: unheimliche Kräftigkeit, Struktur, Würze, Tomatenblatt, viel dunkle Frucht, Mokka, Kaffee, ein Klassiker eben, aber ein extremer Hochglanzklassiker, eine Gaumengranate.

3. Rarer Weißer: Aus dem Napa Valley

Über den Wolken nimmt man 20 Prozent weniger Süße wahr, 30 Prozent mehr Salzigkeit, stärker Säure, Tannine. Bei Weißweinen gilt: fassvergoren, weniger Säure, mehr Aroma, eher Rebsorten wie Gewürztraminer, Muskateller, Sauvignon – alles, was Schmelz, elegante Textur hat. Eisele, eine der berühmtesten, teuersten Lagen in Napa Valley, schon 2000 biodynamisch, gehört der drittreichsten Familie Frankreichs, den Pinaults. Der 2018er Sauvignon blanc hat Zitrusnoten, Kumquat, Zitronengras. Hélène Mingot macht in Kalifornien wirklich große Weine, das meiste wird leider nicht exportiert.

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