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Foto: TUDOR

"Watches & Wonders" Luxusuhrenschau als Onlinemesse - geht das?

In diesen Tagen präsentiert der digitale Genfer Uhrensalon "Watches & Wonders" mehr als 400 Uhren – typische Onlineprobleme inklusive. Uhrenexpertin Michelle Mussler berichtet von der prachtvollen Ausstellung ohne "Touch & Feel".

Von Michelle Mussler

Corona macht es möglich – oder auch nicht. Am Mittwoch startete die neue Genfer Uhrenmesse "Watches & Wonders" und zwar rein digital. Statt livehaftiger Glitzer und Champagner-Empfänge finden laut des Veranstalters Fondation de la Haute Horlogerie (FHH) über 500 Pressekonferenzen und 400 Uhrenpräsentationen übers Internet statt, typische Homeoffice-Krankheiten inklusive. Einige Liveübertragungen funktionierten nicht, Videoschaltungen froren ein, man improvisierte fleißig per Telefon oder E-Mail. Obwohl die Messe noch bis 13. April dauert, steht jetzt schon fest: Für die Uhrenwelt bleibt das "Touch & Feel"-Erlebnis das wichtigste Verkaufsargument.

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38 Luxusuhren: Die besten Neuheiten der "Watches & Wonders"

Foto: Rolex

Neu hingegen – und das macht die "Watches & Wonders" von Beginn an erfolgreich – sind die 38 teilnehmenden Marken. Waren es zuvor überwiegend die Manufakturen des Richemont-Konzerns wie Cartier, Montblanc und Jaeger-LeCoultre hat sich die Zahl der Teilnehmer verdoppelt. Erstmals seit Jahrzehnten verließen sogar die Giganten Rolex und Patek Philippe sowie die Marken des weltgrößten Luxusgüterkonzerns LVMH mit Bulgari, Hublot und Zenith, die Konkurrenzveranstaltung in Basel und entschieden sich für das zeitgemäße Messemodell in Genf.

Doch auch kleine und unabhängige Hersteller erhalten auf der Uhrenschau eine Chance. Zum ersten Mal sind die sächsische Manufaktur Nomos Glashütte sowie Oris, Chronoswiss aber auch Chanel und Carl F. Bucherer vertreten.

Auf den fahrenden Zug der "Watches & Wonders" springen aber auch Marken auf, die nicht an der Messe teilnehmen. Quasi zeitgleich lancieren sie ebenso in Videopräsentationen ihre Neuheiten für 2021. Allen voran die unabhängige Manufaktur Audemars Piguet, die seit diesem Jahr an gar keiner Messe teilnimmt. Ähnlich bei den Swatch-Group-Marken wie Omega, Glashütte Original oder Longines, die bisher auf Präsenzveranstaltungen komplett verzichten aber fleißig das Business mit Neuheiten befeuern.

Bemüht zuversichtliche Aufbruchsstimmung

Nach dem Crash-Jahr 2020 ist so etwas wie bemühte Aufbruchsstimmung zu spüren. Meist schwärmen die CEOs wie Nicolas Baretzki von Montblanc, Christoph Grainger-Herr von IWC oder Frederic Arnault von Tag Heuer, zugleich mit 25 Jahren der Jüngste im Bunde und Sohn des LVMH-Konzernchefs Bernard Arnault, von ihren Neuheiten und einem zuversichtlichen 2021. Es ist richtig, zukunftsorientiert zu handeln. Jedoch eine Wirtschaftskrise solch gigantischen Ausmaßes komplett zu verschweigen, aus deren Fehlern dringend und schnell zu lernen ist, wirkt entweder wie ein Maulkorb vor Aktionären oder grenzt an Fahrlässigkeit.

Nur zwei Ausnahmen fallen bisher auf, die öffentlich sagen, was andere Brancheninsider nur hinter vorgehaltener Hand tuscheln. Cyrille Vigneron erklärt, "dass 2020 ein beispielloses Jahr war, als es mit der Pandemie begann. Jetzt sind wir in einer viel besseren Situation wegen der Impfungen, die im Wesentlichen alle Regionen der Welt erreichen soll." Der CEO von Cartier räumt ein, er "persönlich hoffe wirklich, dass wir 2022 auf der 'Watches & Wonders' sagen können, dass die Pandemie endgültig überstanden ist. Natürlich wirken sich die Pandemie und Lockdowns sehr auf die Luxusgüterbranche aus", aber ab Mai zeichne sich eine spürbare Erholung ab. Das zeugt von Größe und Weitsicht, was letztendlich auch an der Börse gut ankommt.

Hermès-Geschäftsführer Guillaume de Seynes geht zwar nicht so weit, bringt es dennoch auf den Punkt: "Wir haben einen sehr starken Anstieg unserer Onlineverkäufe erlebt. Traditionell spielte der Onlinehandel bei Uhren keine große Rolle. Ein weiterer Trend, der sich in der Pandemie beschleunigte, ist die Bedeutung asiatischer Märkte".

De facto brachen letztes Jahr die Schweizer Uhrenexporte um 22 Prozent auf etwa 17 Milliarden Schweizer Franken ein. Noch hoffen Experten auf eine Erholung, die Analysten der Vontobel Bank beziffern das Wachstum in 2021 mit etwa 18 Prozent. Allen voran soll es China richten. Nach den drastischen Lockdowns ist dort der Kaufhunger am größten, was sich deutlich in der Modellstrategie vieler Uhrmacher widerspiegelt.

Die neuen Luxusuhren werden kleiner und bunter

Rolex schrumpft sein "Explorer"-Modell von 39 auf 36 Millimeter Diagonale, womit sie in Europa fast nur noch an femininen Handgelenken einen Platz findet. Dennoch glaubt die gekrönte Marke, dass viele Herren auch in westlichen Regionen dieses Format bevorzugen. Ebenso IWC, die ihren Topseller Big Pilot's Watch von über 46 auf 43 Millimeter reduziert.

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38 Luxusuhren: Die besten Neuheiten der "Watches & Wonders"

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Auch Zifferblatt-Dekore wie sie in den 1990-Jahren verbreitet waren tauchen wieder vermehrt auf: mit Guilloché-Muster und reichlich Edelsteinbesatz bis hin zu Palmwedel- und Riffel-Motiven vor allem in Silber- und Goldtönen. Chanel, Zenith, Piaget und Hublot beispielsweise bereichern die Damenwelt zudem mit Neonfarben wie Shocking-Pink, Quietsch-Orange und knalligem Türkis. Hingegen kommt bei den Herren neben Blau immer häufiger Grün zum Vorschein. Ob Olive-, Tannen- oder Khaki-Grün, viele Neuheiten bei Patek Philippe, Panerai, Tudor und Montblanc sowie IWC, Nomos und Audemars Piguet sind mit der Hoffnungsfarbe ausgestattet.

Ansonsten offeriert man unzählige Retro- alias Heritage-Modelle, die momentan gefragter sind als Nouveau-Riche-Wecker. Die bewährten Ikonen werden nicht nur in etlichen Farb- und Größenvarianten durchdekliniert, sondern oft auch skelettiert.

Was jedoch bisher dieses Jahr fehlt, ist der persönliche Austausch und die Begutachtung der Uhren. Mit keinem Video oder Foto lässt sich eine Uhr gänzlich be- und ergreifen oder gar auf Funktionen und Tragekomfort testen. Darin sind sich auch alle Aussteller einig.

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