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Verrückte Luxusuhren: Die abgefahrensten Neuheiten der Saison

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Uhrkomisches gegen die Umsatzschwäche Die verrücktesten Luxusuhren der Saison

Von Michelle Mussler
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Verrückte Luxusuhren: Die abgefahrensten Neuheiten der Saison

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Mal dürfen Weltmusiker wie Lang Lang, mal Box-Legenden wie Muhammad Ali oder ganze Kampftauchereinheiten herhalten, um das Business der Uhrenbranche anzukurbeln. Wieder andere setzen auf Brillanten bei Herrenuhren, abstruse Konstruktionen - und das ewige Motto "Sex sells". Solche Modelle werden gerne als Köder angeboten. Hauptsache man spricht darüber. Die sogenannten Talking Pieces polieren nicht nur das Image auf, sondern füllen auch die Kasse. Vor allem wenn die seltenen Preziosen eine Viertelmillion Euro einspielen - pro Exemplar.

Die Erfahrung zeigt, selbst bei exorbitanten Preisen: Ein paar Verrückte finden sich immer. Zumal sie in Zeiten niedriger Zinsen oft als Investmentalternative dienen. Minutenrepetitionen stehen aktuell besonders hoch im Kurs. Quasi im Minutentakt wurden Neuheiten dieser hochkomplexen Raritäten präsentiert.

Nachdem Bulgari letztes Jahr den Weltrekord mit der flachsten Minutenrepetition brach, kam Chopard mit der nächsten verrückten Idee: um die Klangqualität zu optimieren, läuten hier Tonfedern aus Saphirkristall. Prompt bediente sich Hublot des feinen Gehörs des Starpianisten Lang Lang, und man komponierte gemeinsam ein neues Konzert fürs Handgelenk. Als Auftakt und wichtiger Konjunkturbarometer der Branche dient die alljährliche Luxusuhrenmesse SIHH. Sie startet am 16. Januar in Genf und schon jetzt sind vereinzelte Heilsbringer bekannt.

Montblanc geht mit einem raffinierten Chronographen aus dem neuen Trendmaterial Bronze ins Rennen. Hingegen lockt Ulysse Nardin mit aufreizenden Pin-up Minutenrepetitionen - für über 100.000 Euro hebt eine Burlesque-Tänzerin auf dem Zifferblatt ihr Röckchen.

Solche Stimmungsaufheller sind auch bitter nötig. Laut dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH verzeichnet die Branche ein konstantes Umsatzminus.

Gegenüber 2014 sackte in den zehn wichtigsten Märkten der Export im Durchschnitt um über 13 Prozent ab. Nur in einem Land läuft schrieb ein Plus - United Kingdom. Inzwischen hat sich das Königsreich von Platz 11 auf 5 katapultiert. Im November nahm es sogar Platz 3 nach Hong Kong und den USA ein und überholte China. Der Grund, seit dem Brexit-Votum fiel das britische Pfund zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit 1985.

Stühlerücken in den obersten Etagen

Für Schnäppchenjäger herrschen immer noch goldene Zeiten, da sie in Großbritannien über zehn Prozent weniger für neue Uhren investieren müssen. Doch nicht mehr lange. Die ersten Marken nahmen schon eine Währungsanpassungen vor. Dieses Jahr werden weitere folgen, meist jedoch nur zögerlich. Die Hersteller sind froh, dass überhaupt noch ein Ort für glückselige Umsätze existiert.

Allerdings nahm die Unzufriedenheit und der Druck der Konzessionäre in der Euro-Zone derart zu, dass die Marken währungsbedingte Preiskorrekturen vornehmen müssen. Zumal sie schon 2015 bewiesen, als der Schweizer Franken um etwa 20 Prozent abrupt stieg, wie flott sie darauf reagieren können.

Um der Krise zu trotzen, findet zudem in den obersten Etagen ein sportliches Stühlerücken statt. Richemonts Präsident Johann Rupert verkündete im November, dass Konzernchef Richard Lepeu und Finanzchef Gary Saage gehen, zudem dürfen ihnen neun weitere Verwaltungsratsmitglieder folgen. Die jüngsten Business-News stammen aus dem Hause LVMH: vor wenigen Tagen gab der Luxusgüterkonzern bekannt, dass der CEO und Präsident Aldo Magada der Uhrenmanufaktur Zenith seinen Posten räumt. "Ich übernehme interimsmäßig die Geschäftsleitung von Zenith", erklärte am 3. Januar Jean-Claude Biver.

Der Manager leitet schon seit Jahren das Uhrengeschäft der LVMH-Töchter Hublot, Tag Heuer sowie Zenith. "Ich bin kein Schönwetterkapitän, darum bedeuten Krisen für mich immer auch neue Gelegenheiten", meint Biver. Seit den 1980er Jahren führte er schon Blancpain, Omega und Hublot zum Erfolg.

Seine Vision für 2017 steht auch schon fest: "Ich möchte mich intensiver um Zenith kümmern und mehr Synergien zwischen den drei Uhrenmarken der Gruppe schaffen. Zusammen mit den Teams werde ich alles daran setzen, um dieser Marke zu dem Glanz zu verhelfen, den sie verdient." Spätestens am 23. März, wenn die Baselworld als wichtigste Uhrenmesse startet, rechnen Insider mit einem Relaunch der Manufakturkompetenz. Allen voran Zeniths Zugpferd, das erste automatische Chronographen-Kaliber der Welt, das unter dem Namen El Primero 1969 vorgestellt wurde, dürfte dort eine Wiedergeburt erfahren.

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