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Vegane Daunen, Woll-Lust und trockene Füße Dresscode für nasskalte Tage

Der Winter bringt Vergangenes in neuer Form zurück. Im Style-Check: Daunenfreie Jacken, die farbenfrohe Renaissance des Wollpullis und die Umdeutung von funktionellen Gummistiefeln.
aus manager magazin 11/2020

Vegane Daunen

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Federführend

Auch vor den Daunen macht die Disruption nicht Halt. Viele Firmen suchen nach Alternativen. Schwer, denn der Luxuskomfort, den "natürliche" Daunen bieten, ist nicht einfach ersetzbar.

Als federführend hat sich das Label Save The Duck hervorgetan. Das Mailänder Unternehmen ist besonders ehrgeizig in Sachen tierfreie Produktion, möchte aber nicht als militant wahrgenommen werden. Nach eigenem Bekunden hat es bislang schon mehr als 20 Millionen Enten und Gänse gerettet.

Die Lösung der Mailänder heißt Plumtech-Technologie, aus recyceltem PET. Atmungsaktiv, fluffig. Auch andere Firmen wie das von Hollywoodianern gehypte Label Patagonia oder Napapijri sowie The North Face haben daunenfreie Lösungen im Angebot.

Gummistiefel

Als Fußbekleidung ist er vor allem Britanniens Landadligen, Moorhuhnjägern und Parkbesitzern kommod: der Hunter-Gummistiefel. Schlammgrün als Klassiker, etwas grobschlächtig, im Design eher – nun ja – gewöhnlich. Gern mit Neoprenfutter und seitlich verstellbar. Dennoch schaffte es der Querfeldein-Gummiklotz am Bein in den vergangenen Jahren mehrmals auf den Laufsteg der Londoner Fashion Week.

Begonnen hat das Phänomen des Schutzschuhs für Regentage 1856 in Schottland, als ein Amerikaner namens Henry Lee Norris dort die North British Rubber Company gründete. Das Geschäftsmodell fußte auf einem Patent und innovativen Techniken der Vulkanisierung, die Gummi haltbar und strapazierfähig machte. Anfangs gab es vier Mitarbeiter, die auf über 600 im Ersten Weltkrieg anwuchsen; auch im Zweiten Weltkrieg schützten die Boots die Soldaten – über eine Million wurden hergestellt. Im Jahr 1956 dann der nächste Schritt: zum Original Green Wellington – auf der Insel liebevoll "Wellies" genannt, heute Synonym für den Gummistiefel schlechthin. Lady Diana Spencer trug die Wellies auf ihrem offiziellen Verlobungsfoto von 1981.

Der Sprung vom Establishment zur Boheme gelang 2005, als sich Supermodel Kate Moss damit auf dem Glastonbury-Festival zeigte. Seit 2013 hält Kreativchef Alasdhair Willis, Ehemann der Designerin Stella McCartney, den Gummischuh modisch à jour. Marketingchefin Claudia Plant, eine erfahrene Luxusmanagerin (Burberry, Net-a-Porter), setzt noch was drauf: Saint Laurent lancierte in Kooperation jüngst einen Couture-Stiefel, mit Nieten und natürlich limitiert. www.hunterboots.com ; Gummistiefel ab 75 Euro.

Rein in die Komfortzone

Die Pandemie schafft eine neue Rangordnung in unseren Kleiderschränken. Der Cardigan etwa erfährt einen sozialen Aufstieg. Weil zum AHA (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) auch das große L für Lüften hinzukommt. Die oft übergroß geschneiderte Kluft ist da schneller mal übergeworfen als ein Pulli oder Hoodie.

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Neue Woll-Lust

Im Streetstyle-Look sind die Cardigans schon länger da, jetzt versuchen sich High-Fashion-Firmen wie Gucci an Luxusvarianten. Auffällig: Farbenfreudig und fantasieanregend sind sie fast alle. In einem Wort: erbaulich.

Genau das, was man auch von einem guten Roman erwarten darf, für den der Cardigan auch schon unseren Großeltern ein treuer Begleiter war. Damals unter dem Synonym dicke Strickjacke.

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