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Politiker-Uhren: Wie Merkel, Steinmeier und Schäuble die Stunden zählen

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Deutsche Politiker und ihre Uhren Wie Merkel, Schulz, Schäuble und Co. die Stunden zählen

Ob Angela Merkel, Martin Schulz, Cem Özdemir oder andere Parteivertreter - mit diesen Zeitmessern treten die Politiker zur Bundestagswahl an.
Von Michelle Mussler

Richtig reich sei jemand, "der seinen Gästen eine Rolex als Betthupferl auf den Nachttisch legt." So lautete vor wenigen Monaten in einer Polit-Talkshow die Definition von Superreichen, formuliert von der Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Dass Uhren viel über ihre Träger verraten ist längst bekannt. Sie jedoch für plakative Politikstatements zu nutzen ist neu und beweist: Wir befinden uns mitten im Wahlkampf zur Bundestagswahl.

Das Amüsante dabei: der Übervater der Grünen und ehemalige Straßenkämpfer Joschka Fischer gilt als versierter Uhrenkenner und trägt seit Jahrzehnten verschiedene Modelle der Nobelmanufaktur Rolex. Darin hat Fischer parteiübergreifend einen Gleichgesinnten gefunden - Christian Lindner.

Ironischerweise saß der FDP-Chef in besagter 'Hart aber Fair' Talkrunde neben Göring-Eckardt und trägt regelmäßig eine Rolex. Und zwar eine sportliche 'Milgauss', die quasi über einen grünen Schutzschirm verfügt: Bei Uhrenliebhabern besitzt sie Kultstatus wegen ihres einzigartigen, grünen Deckglases und magnetischer Abschirmung.

Damit gibt sich der stilbewusste Lindner aber nicht zufrieden: er wurde schon mehrfach mit einer IWC 'Portugieser Chronograph' gesichtet, kombiniert zur Armbanduhr schon mal einen Fitness Tracker und macht zudem Alarm mit Made in Germany. 'Senator Terminkalender' heißt sein Modell von Glashütte Original, das mit einer einzigartigen Funktion punktet - bei der Alarmuhr lässt sich ein Termin bis zu 31 Tage im Voraus einstellen.

Sein Stellvertreter, Wolfgang Kubicki, ist stets mit dem selben Modell anzutreffen: eine elegante 'Parsifal' von Raymond Weil. Sie ist ein Geschenk von seiner Frau und ihm gefällt besonders an der Uhr, "dass sie nicht nur gut aussieht, sondern besonders flach ist". Eine kluge Wahl, zumal die Marke für vernünftige Preispolitik bekannt ist.

Was die Uhren über Politiker und ihr Parteiprogramm verraten

Man ahnt es schon, wem sie gehört: eine dezente Damenuhr mit Quartzantrieb, die läuft und läuft. Schwarzes Armband und schwarzes Zifferblatt, gefasst in robustem Titan, dem Material, das keine Kratzer und Macken zulässt. Angela Merkel setzt auf Bewährtes, auch bei ihrer Zeitangabe. Seit ihrem Amtsantritt als CDU-Bundeskanzlerin vor zwölf Jahren trägt sie konsequent ein rechteckiges Modell von Boccia Titanium. Es sei "ideal für Langlebigkeit", heißt es beim Hersteller, der aus Deutschland stammt.

Heimat- und Kostenbewusstsein - dafür steht ihr Parteikollege Wolfgang Schäuble. Dem Finanzminister ist mit seinem Zeitmesser ein Cleverle-Rundumschlag gelungen. Seine Uhr stammt von einer schwäbischen Traditionsmarke, war nicht teuer und besitzt sogar einen Hauptstadt-Bezug: Als die Funkuhr 'Berlin Mega Solar Ceramic' von Junghans 1998 lanciert wurde, kostete sie 849 Euro.

Die Investition übersteigt damit die der Kanzlerin um fast das Zehnfache - ihre Uhr ist für bescheidene 89 Euro zu haben. Womit Merkel wohl alle Parteifreunde unterbietet. Erst recht ihren ehemaligen politischen Ziehvater Helmut Kohl. Dieser trat regelmäßig mit einer Golduhr auf, und zwar der 'Großen Fliegeruhr' von IWC.

Deutsche Uhren als diplomatische Gastgeschenke

Er möchte die Zeiten ändern und agiert dabei besonders zeitlos. Martin Schulz, der SPD-Kanzlerkandidat und Parteivorsitzende, verzichtet gänzlich auf eine Armbanduhr. Sein Parteifreund und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beweist umso mehr Zeitgefühl. Seine klassisch-elegante Nomos 'Tangente' erhielt er von seiner Frau, Elke Büdenbender, zum 50. Geburtstag geschenkt und setzte mit der deutschen Manufakturmarke schon außenpolitische Statements.

Ob Zufall oder nicht: Während Gerhard Schröders politischer Hochsaison war bei ihm ebenfalls eine Tangente anzutreffen, die auch er von seiner damaligen Frau Doris geschenkt bekam.

Dass sich mit Uhren tatsächlich Politik machen lässt, beweisen die Präsente für Staatsoberhäupter. "Das Auswärtige Amt hat in der Vergangenheit regelmäßig Uhren als diplomatische Gastgeschenke bei uns bestellt", erklärt man bei Nomos. Dahinter stecken komplexe bürokratische Regularien, die in dem Ministerium penibel eingehalten werden müssen.

Die Kooperation zwischen dem Außenamt und Nomos begann unter der Ära des Grünen Außenministers und Uhrenfreund Joschka Fischer und hielt etwa zehn Jahre bis 2012 an. Die PR der sächsischen Manufaktur räumt ein, "für wen die Uhren im Einzelnen bestimmt waren, hat uns das Auswärtige Amt natürlich nicht verraten".

Weder links noch rechts - an keinem ihrer Handegelenke führt Sahra Wagenknecht eine Armbanduhr aus. Umso mehr bezieht sie Position bei Die Linke, wo sie als Co-Spitzenkandidatin das Rennen um die Bundestagswahl machen möchte. Ein anderes Zeitgefühl verkörpert der zweite Top-Kandidat der Linken. Dietmar Bartsch gibt gerne Auskunft über seine sportlich-elegante Armbanduhr: "eine Citizen Watch batteriebetrieben", heißt es. Quarzwerk und Edelstahlarmband bewiesen, dass Bartsch auf Beständigkeit setzt. Hinsichtlich des Preises liegt er damit zu Merkel gleichauf.