Sonntag, 21. April 2019

Taschenmesser Die Alleskönner

Taschenmesser: Die besten für Abenteurer und Urlauber
TMN

Das Taschenmesser ist ein Werkzeug für Alltagshelden: Dosen öffnen, ein kaputtes Kofferschloss knacken, Stöcke schnitzen, Splitter entfernen - wer sich auch nur entfernt als Abenteurer fühlt, braucht eines. Dringend.

Solingen - Eine Rolle Klebeband und ein Taschenmesser machten MacGyver zum Helden. Der TV-Actionheld reparierte damit alles Denkbare, entschärfte sogar Bomben. Das Taschenmesser ist das Accessoire für Abenteurer - auch wenn es nicht um explosive Güter geht, sondern um kaputte Kofferschlösser, Dosenöffnen, Splitterentfernung und Lebensmittelzubereitung.

Was ein Taschenmesser ist, sagt sein Name: Ein Werkzeug, das groß genug ist, um gut in der Hand zu liegen und klein genug, um in eine Hosentasche zu passen, erläutert Urs Wyss vom Messerfabrikanten Victorinox im schweizerischen Ibach. "Ein Taschenmesser sollte nicht über zehn Zentimeter lang sein."

Die Zielgruppe ist laut Wyss meist männlich und zwischen 25 und 55 Jahre alt. Familienväter, die im Urlaub schnell was reparieren, schneiden oder eben kleinere Reparaturen erledigen, haben ein Taschenmesser. Das hat auch Marc Götzmann von der Manufaktur Böker in Solingen beobachtet: "Es scheint kleine Berührungsängste bei Frauen zu geben. Die typische Zielgruppe sind Männer."

Dabei haben die Hersteller längst ihr Sortiment auf andere Kundengruppen ausgeweitet: "Es gibt Taschenmesser für Fischer, Segler, auch Damenmesser mit Nagelhautschieber", erläutert Wyss. Der Messerhersteller Franz Güde aus Solingen hat ein Modell mit Pitchgabel für Golfer. Das ist ein kleines Hilfsmittel, um Löcher im Rasen zu reparieren. Aber bis auf diesen Kundenwunsch entspricht das Taschenmesser mit seiner Ausrüstung einem 100 Jahre alten Design.

Das Nötigste reicht

Das hat seinen Grund. Mehr wollen die meisten Kunden auch gar nicht. Neben der Pitchgabel, die laut Born auch gut zum Aufpicken von Käse bei einer Weinprobe genommen werden kann, soll ein Taschenmesser meistens nur das wirklich Nötigste mitbringen: Es ist ein Helfer in der Not mit Korkenzieher, Messer und Kapselheber. Zu viele Funktionen machen das Werkzeug zum Mitnehmen außerem unhandlich. "Es soll auch nicht zu lang sein, sonst macht es die Hose kaputt", sagt Güde-Geschäftsführer Karl-Peter Born.

Das berichten auch andere Hersteller. Gerade die Klassiker im Sortiment mit weniger Funktionen seien die Verkaufsschlager. Laut Wyss ist das beim Hersteller Victorinox seit 40 Jahren konstant so.

Beliebt ist hier vor allem der Nachfolger des legendären ersten Schweizer Offiziersmessers von 1897, das Modell "Spartan" mit zwölf Funktionen mit großer und kleiner Klinge, Dosenöffner mit kleinem Schraubendreher, Korkenzieher, einem weiteren Schraubendreher, einer Stech-Bohr-Nähahle, einem Ring, Zahnstocher, Pinzette, Kapselheber und einem Instrument zum Isolieren von Drähten. Erweiterungen haben Leuchtdioden, und neuere Modelle gibt es etwa mit einem USB-Stick.

1869 wurde das "Sportmesser 110182" aus dem Hause Böker erstmals hergestellt und seither die Werkzeuge auch nur leicht modifiziert, erläutert Produktmanager Marc Götzmann. Bei den Neuheiten setzt der Hersteller auch nicht auf viele neue Werkzeuge. Im Gegenteil: "Plus Nano" zum Beispiel hat einfach nur eine Messerklinge. Stattdessen konzentriert sich die Manufaktur auf ungewöhnliches Design. Das Modell ist ein gebogenes, einfaches Klappmesser mit auffällig farbigem Griff, das "zusammengeklappt nicht größer ist als ein Zippo-Feuerzeug", erklärt Götzmann. Aber es ist an die Ergonomie der Hand angepasst.

Auf den Lifestyle-Aspekt setzt auch der Hersteller Otter-Messer, ebenfalls aus der Messerstadt Solingen. Das Sortiment umfasst die Klassiker des Unternehmens, allerdings haben diese zuletzt edlere Hölzer erhalten und teils Lederbänder oder Ledertaschen bekommen. "Das Taschenmesser ist wie ein Accessoire", sagt Geschäftsführer Frank Rommel. Der Vater hat das kleine Messer dabei, die Mutter ihre Handtasche.

Aber warum? Götzmann beantwortet diese Frage mit einer Geschichte, die viele schon erlebt haben dürften: "Man wird aus irgendeinem Grund gefragt, ob man ein Messer habe und reicht es demjenigen. Der schneidet etwa ein Stück Wurst, gibt das Messer zurück und fragt im gleichen Zug: Wofür brauchst du das Messer eigentlich?"

Simone Andrea Mayer, dpa

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung