Donnerstag, 25. April 2019

Cowboystiefel Gepflegte Macho-Note

Manche Trends kommen immer wieder. Dirk van Versendaal erklärt, warum. Diesmal: der Cowboystiefel

Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt vom Börsenparkett ans Lagerfeuer. Den geht man am besten in Cowboystiefeln. Die Macho-Treter sind nämlich durchaus salonfähig - aber man muss genau wissen, wie man sie kombiniert.

Hamburg - Damals, in den späten Siebzigern, war alles besser - wenn man ein Cowboystiefel war. Denn dann war man der König der Discos, des Schulhofs und der Schwulenbars. Andy Warhol und Catherine Deneuve trugen ihn, Ägyptens Herrscher Anwar al-Sadat und US-Präsident Jimmy Carter machten im Western-Style auf lässig.

Aus dem einstigen Szenestar ist längst ein Klassiker geworden, der sogar auf den Laufstegen mitmarschieren darf, zuletzt 2005, angetrieben vom Westerndrama "Brokeback Mountain". Jetzt ist der Westernstiefel erneut auf Achse, in Paris und Mailand war er unterwegs, bei Etro reichte es gar für eine kleine Parade, und die zog bunt eingefärbt vorbei.

Seit jeher fühlt man sich bei der italienischen Marke einem individualistischen Männerbild verpflichtet, dem Abenteurer und Freigeist, das verschafft dem Cowboy quasi eine Anstellung auf Lebenszeit in den Kollektionen.

Die frühen Cowboy-Boots waren Arbeitsstiefel mit hohen, schrägen Absätzen, die dem Standbein Halt gaben, wenn es daranging, tobende Rinder zu fesseln; ihre spitz zulaufenden Kappen halfen, schnell in die Steigbügel zu kommen. Die Stiefel waren für Viehtreiber im Sattel gemacht, für den kurzen Fußweg von der Pferdetränke zum Saloon.

Die passen auch zum Anzug

Seit alle Rinderherden über die Prärien getrieben worden sind und Bullen nur noch beim Rodeo gebändigt werden, ist der Stiefel zum Modeschuh aufgestiegen - aus Schlangen-, Straußen- oder Echsenleder, edel, bestickt, verziert. Cowboys gelten schließlich als Machos, da darf ihr Schuhwerk auffälliger sein als sonst bei Herrenschuhen akzeptiert.

Einfach zu tragen ist er nicht. Als natürlicher Verbündeter gehen immer Jeans und dicker Winterstrick - aber auch Jackett und Krawatte, das weiß der frühere Anchorman Tom Buhrow: Obenrum seriös, untenrum Wildwestheld. Ganz mutige Asphaltcowboys lassen nur ihre Stiefelspitzen unter der Anzughose hervorstehen - solch punktgenauer Einsatz macht die Schuhe zum Markenzeichen.

Kein Mann jedoch sollte seine Boots zu Westernhut, Halstuch und Flanellhemd tragen. Es sei denn, er möchte als Lucky Luke auftreten. Seine Signale sendet auch der moderne Cowboystiefel wie eh und je: Für seinen Träger ist es nur ein kleiner Schritt vom Börsenparkett ans Lagerfeuer, vom Eckbüro hinein in den Sunset. Schaut her, in diesem Zivilisierten steckt Bonanza! Und nach wie vor ist er die einzige Chance für einen Mann, Absätze ohne Verlust von Würde und Ansehen zu tragen.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung