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Graue Haare: Warum Silber goldrichtig ist

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Passen graue Haare zum Erfolgs-Outfit? Warum Silber goldrichtig ist

Von Katharina Starlay

"Silberrücken" heißt es bei den Gorillas. Der Begriff kennzeichnet die stattlichen, ausschließlich männlichen Primaten, deren silbernes Fell im Rücken Wahrzeichen einer gewissen Lebenserfahrung ist, die dem Fortbestand der Gruppe zugute kommt. Das silberne Ehrensymbol zeigt sich bei männlichen Gorillas mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 35 bis 40 Jahren schon ab dem 12. Sommer.

Katharina Starlay
Foto: Antje Kern

Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt erschienen: Erfolgreich über 50: Stilvoll älter werden  ) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de .

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Bei uns Menschen verhält es sich anders mit der Ehre, die selten als verdient empfunden wird, und erst langsam dringt das Bewusstsein an die Öffentlichkeit, dass silbernes Haar nicht nur reife Männer, sondern auch Frauen unglaublich gut aussehen lassen kann. Welche Gegebenheiten machen das depigmentierte Haar zum Attraktivitätsmerkmal?

Wie bei allen beginnenden Trends überwiegt zunächst die Begeisterung. Aber wie so oft verschleiert sie auch den Blick für den richtigen Weg, der zum Erfolg führt. Auf welche Weise ein Mensch im Haupthaar heller wird und ob das gut aussieht, entscheidet sich nämlich durch die Pigmente, die in seiner Erbanlage vorkommen und den Farbtyp bestimmen. Denn Grau muss noch lange kein Silber sein. Der Menschenaffe hat Glück: Sein schwarzes Haar bekommt im Alter einen schönen Ton. Deshalb heißt er ja auch Silberrücken und nicht Grauschatten.

In der Regel können wir davon ausgehen, dass die Natur es richtig macht: Die Art, wie wir ergrauen, passt vom Farbton her zu Teint und Iris und sorgt so für ein harmonisches Bild von Haut-, Haar und Augenfarbe.

So sehen auch Perlgrau oder ein weiches Champagner-Grau schön aus, wenn die Haarfarbe gleichmäßig ist. Nur unterwegs dahin, während sich die Haarfarbe der jungen oder mittleren Erwachsenenjahre mit hellen Fäden mixt, kann die Wirkung unterschiedlich sein. Die schicke Pfeffer-Salz-Optik trifft nicht jeden.

Wie gelingt nun die Sexiness der hellen Haartracht?

Warm oder kalt

Die Hautpigmente Melanin (Braun), Karotin (Gelb) und Hämoglobin (Rot) kommen in unserer Haut in unterschiedlichen Mengen je Typ vor. So kann ein Mensch, der mehr Karotin hat, einen goldbraunen Hautton annehmen, wenn er in die Sonne geht. Diese warmen Farbtemperamente, wie man es nennt, haben im Haar anfangs keinen silbrigen, sondern einen eher matten Ton, der den gewünschten Effekt verfehlt. Oft liegt die Augenfarbe dazu im Braun-Grün-Bereich, und die ursprünglich Haarfarbe reicht von einem warmen Blond bis zu Haselnussbraun oder Rottönen.

K

alte Farbtypen mit ursprünglich sehr dunkler und/oder aschiger Haarfarbe dagegen "ergrauen" auf attraktive Weise und haben Chance auf ein umwerfendes Schlohweiß oder den begehrten Silberton.

Farben in der Kleidung

Zum gefrosteten Haar sehen konsequenterweise auch kühle Farben besser aus. Kühl nennt man alle Nuancen, die eine blaue Basierung haben. So sind etwa ein Burgunder- oder Weinrot dem warmen Orange oder verschiedene Blau- und Grautöne dem warmen Braun-Beige-Farbspektrum bei weitem vorzuziehen, wenn man die Haarfarbe auf natürlichem Weg erreicht hat.

Bei den erwähnten warmen Typen sieht der zu Unrecht als "ergraut" benannte Schopf gut aus, wenn zur einheitlich hellen Haarfarbe Nuancen getragen werden, die der Haut- und Augenfarbe ein Kompliment machen. Dann wird auch die Haarfarbe schön reflektiert.

Aber auch in Sachen Helligkeit macht es die Natur ganz richtig: Das erblasste Haar schmeichelt uns in fortgeschrittenen Jahren besser als flächige dunkle Töne, weil auch der Teint und die Iris mit zunehmendem Alter blasser werden. Dann kann es sein, dass zum Beispiel Schwarz auf einmal zu hart wirkt und Erfahrungslinien unerwünscht vertieft - nicht nur als Regenschirm.

Schnitt, Pflege und Style

Ähnlich wie Barthaar hat auch das farblose Haar eine andere Struktur als das pigmentierte, erscheint im Haardurchmesser dicker, ist eigenwilliger und hat meist weniger Glanz. Der Haarschnitt sollte dem Rechnung tragen und noch genauer auf den Fall und die Wirbel eingehen, damit der Schnitt modern wirkt. Bei Frauen und Männern darf niemals der Verdacht einer Altdamen- oder Altherren-Frisur aufkommen.

Aufgrund der anderen Struktur und der nachlassenden Talgproduktion der Kopfhaut wird auch die Pflege bedeutsam. Der Skalp braucht Feuchtigkeit und Glanz. Unbedingt zu vermeiden sind aber Produkte, die im Haar einen Lilastich hinterlassen.

So manche Frau trennt sich an einem bestimmten Punkt ihrer stilistischen Karriere von der Langhaarmähne, weil mit zunehmendem Alter auch die Haarfülle abnimmt und die Längen stumpf werden. Der schönste Vorteil dieser Entscheidung ist, dass mit kürzerer Frisur die Kleidung wieder femininer werden darf - ohne dass sie Gefahr läuft, in den Lolita-Chic zu verfallen.

Katharina Starlay im Video-Interview:
"Mit dem Outfit sagt ein Mensch, wofür er steht"

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