Donnerstag, 27. Juni 2019

Die Neuheiten der Luxusuhren-Messe SIHH Extravagantes für kauflustige Millennials

Neue Luxusuhren: Die Neuheiten des SIHH 2019
Jaeger-LeCoultre

Gleich mit mehreren Überraschungs-Vorsätzen starten das Uhrenjahr 2019. Am 14. Januar beginnt der alljährliche Schaulauf des Salons International de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf. Schon jetzt ist klar, dass die Manufakturen Richard Mille und Audemars Piguet der Luxusuhrenmesse Adieu sagen werden - sie geben ihr 2019 zum letzten Mal die Ehre.

Die Gründe sind simpel: Kostenersparnis. Zumal man im digitalen Zeitalter glaubt seine Kunden über Social Media & Co. besser zu erreichen. Audemars Piguet investiert zudem lieber in eigene Showrooms und eröffnete jüngst in Frankfurt a.M. eine Boutique sowie München ein sogenanntes AP House. Gemeint sind keine klassischen Verkaufsräume, sondern Lounges mit kuscheliger Wohnzimmer-Atmosphäre und Bar-Stimmung, um näher am Kunden und seinen Bedürfnissen zu sein. Und um ihn besser zu kontrollieren.

Zugleich soll die neu entdeckte Lieblingszielgruppe der Branche angelockt werden: Millennials. Sie erwarten von Luxusmarken extravagante Erlebnisse schon beim Vorglühen, sprich Vorkaufphase. Gelingt das Warm-up, teilen sie es allzu gerne ihrer Social-Media-Welt mit und steigern dadurch die Präsenz der Marke. Und prompt kündigt sich die nächste Millennial-Lounge an: Cartier möchte noch im Januar eine 'Pop-up Appartement-Boutique' in München eröffnen.

Ideal, wenn man in den Wohlfühl-Lounges noch ein weiteres Marktsegment erobern kann. Audemars Piguet plant dort einen Second-Hand-Uhrenhandel zu etablieren, da immer mehr gebrauchte Uhren gekauft werden. Laut der Strategieberatung Bain & Company vor allem von Millennials in Europa, wo 55 Prozent Umsatz des Vintage-Marktes erzielt werden. Hauptsächlich über Uhrenportale wie dem Weltmarktführer Chronos24. "Im Jahr 2018 konnten wir unser Transaktionsvolumen um fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern", erklärt Tim Stracke. Der Chrono24-CEO blickt zuversichtlich in die Zukunft und prognostiziert, "ein jährliches Volumen von circa 15 Milliarden Euro weltweit." Verständlich, dass man bei Audemars Piguet ein Stück vom Kuchen möchte.

Video: Montblancs Millionenstifte

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Bild: Montblanc

Das Nachsehen haben klassische Händler wie Wempe oder Bucherer mit ihrem großen Filialnetz. Zumal Audemars Piguet verkündete, sich von Multi-Brand-Retailern zu verabschieden. Das ist relevant für Uhrenkunden: Zwar können sie bequem online bestellen, wer sich aber vor dem Kauf ein analoges Bild der Preziose verschaffen möchte, muss in München oder Frankfurt vor Ort sein.

Oder in Genf auf dem SIHH. Als Neuzugang tritt dieses Jahr die Manufaktur Bovet in den Club der Hautevolee ein. Weitere Neuzugänge fanden in Führungsetagen vor allem bei Richemont statt. Bei Panerai hat jetzt der versierte Jean-Marc Pontroué das Ruder übernommen, der zuvor Roger Dubuis betreute. Baume & Mercier lenkt nun der jung-dynamische Geoffroy Lefebvre, der exzellent bei Jager-LeCoultre performte und Parmigianis neuer CEO Davide Taxler kommt von Corum und Eterna. Patrick Pruniaux hat jetzt nicht nur bei Ulysse Nardin sondern auch bei Girard-Perregaux das Sagen.

Die ersten Ergebnisse der neuen Lenker lassen ahnen, wohin der SIHH Zug fährt: Auf Bewährtes. Sprich Klassiker und Bestseller mit kleinen Modifizierungen. Panerai unterstreicht seine Taucheruhren-Kompetenz und kommt mit einem reinrassigen Profi-Instrument. Girard-Perregaux denkt mit einem komfortablen Ewigen Kalender besonders kundenorientiert. Parmigiani ehrt das erste Modell des Firmengründers - eine Dresswatch namens Toric. Ähnlich bei der Manufaktur Piaget, die mit ultra-flachen Uhren bei Herren anbandelt. Bei A. Lange & Söhne wird man wohl das 25. Jubiläum der Ikone Lange 1 feiern. Und Montblanc bleibt seiner Preispolitik treu - ein eigener Manufaktur-Chronograph im angesagten Stil der Reverse-Pandas für unter 5000 Euro.

Mut zu Style beweist Cartier. Das französische Maison legt einen vornehmen Klassiker von 1906, die Privé, für Herren in Tonneau-Form auf. Oder anders gesagt, eine langgezogene und kurvige Dandy-Uhr. Mit einem anderen Hingucker-Effekt und Helden-Habitus punktet IWC. In der neuen Pilotenuhren-Linie sticht der Spitfire-Chronograph aus Bronze mit olivfarbenem Zifferblatt hervor. Und verkündet schon den nächsten Trend: Grün ist das neue Blau.

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