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SIHH 2018: Das sind die neuen Luxusuhren

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Die Trends des SIHH 2018 Das sind die neuen Luxusuhren

Von Michelle Mussler

Die exklusivste Uhrenmesse der Welt öffnet am 15. Januar ihre Pforten - der Genfer Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH). Uhrenliebhaber können sich auf mehrere Überraschungen freuen: Baume & Mercier lanciert sein erstes eigenes Automatikwerk und platziert es in einer klassischen Dress Watch, die für deutlich unter 3000 Euro zu haben ist. IWC feiert 2018 seinen 150. Firmengeburtstag und holt mit 27 Jubiläumsmodellen zum imposanten Rundumschlag aus. A. Lange & Söhne ehrt mit einem Sondermodell den Mann, der nach der Wende die Feinuhrmacherei in Glashütte wiederbelebte - Walter Lange, der während des letzten SIHH verstarb. Hingegen besinnt sich Jaeger-LeCoultre auf eine vernünftigere Preispolitik und bietet gewisse Extras.

In den Rallye-Modus steigt auch Montblanc mit lässigen Rennfahrer-Chronographen zu vergleichsweise niedrigen Preisen ein. Wobei Parmigiani mit einer neuen Bugatti-Uhr und komplett überarbeiteten Kollektion zum Überholen ansetzt. Und H. Moser & Cie buhlt mit einem Frankenstein-Modell um Aufmerksamkeit - genaugenommen handelt es sich dabei um ein skurriles Konglomerat aus Uhren-Plagiaten.

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Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Jahr 2018 für Uhrenfans vielversprechend wird. Die Manufakturen haben aus der letzten drei Krisenjahren gelernt und stecken jetzt in einer Konsolidierungsphase, die noch einige Zeit anhalten dürfte. Realistische Preise, solide Uhrenmodelle und Add-ons für die Kunden sind die Folge. Meist manifestiert sich das in alltagstaugliche Sportuhren und klassisch-eleganten Dress Watches, die an gute alte Zeiten erinnern. Retro- alias Vintage-Look steht nach wie vor hoch im Kurs. Die Neuheiten werden mit Zertifikaten und besonderen Materialien wie Keramik oder Bronze angeboten oder besitzen stylische Gimmicks.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen ganz anderer Art findet hinter den Kulissen statt. Während die Genfer Luxusuhrenmesse SIHH mit gesamt 35 Ausstellern, darunter sechs namhafte Neuzugänge wie Hermès, Ferdinand Berthoud und Armin Strom brilliert, wurden kürzlich bei der Konkurrenzmesse Baselworld dramatische Neuigkeiten publik.

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Die Basler Messeleitung räumt ein, dass dieses Jahr nicht nur die Dauer verkürzt wird, sondern sich auch die Ausstellerzahl halbiert. Im März werden nur noch rund 600 Marken in Basel präsent sein. Sogar komplette Ausstellungshallen werden geschlossen, die Fläche reduziert sich um ein Drittel. Schaut man jedoch genauer hin, überrascht einen diese Entwicklung nicht. Zwar kommunizierte die Baselworld, dass 1300 Marken 2017 vor Ort waren, machte man sich jedoch die Mühe alle aufgelisteten Ausstellernamen zu zählen, kam man nur auf knapp 900. Eine offizielle Erklärung dafür steht noch aus.

Eine jüngere Generation gibt jetzt den Takt der Branche vor

Gründe für den Schwund sind der internationale Umsatzeinbruch der Branche und das verwässerte Konzept der Baselworld. Unzählige Pop-up-Marken aus dem Mode- und Lifestyle-Segment, die nichts mit klassischer Uhrmacherei gemein hatten, sprangen auf den fahrenden Uhrenzug in Basel auf. Das Wasser gräbt nun der SIHH ab, dessen Macher längst auf Klasse statt Masse setzen. Daher wird auch dieses Jahr der Salon nur am letzten Messetag, den 19. Januar, für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Nachdem 2017 eine bisher nie dagewesene Personal-Rochade die Branche verjüngte indem gleich elf CEOs ausgetauscht wurden, poppten inzwischen weitere Personalien auf. Jérôme Lambert wurde bei Richemont als Uhren-Chef für das operative Geschäft des Konzerns postiert, zudem kreierte man den neuen Posten des Chief Technology Officers.

Besetzt wurde dieser seit Januar mit Jean-Jacques van Oosten, dem vorherigen Digitalchef der Rewe-Gruppe. Beide sollen Richemonts Uhrengeschäft wieder auf Trab bringen und zeitgemäß ins digitale Zeitalter führen. Das persönliche Kommando des Verwaltungsratspräsidenten Johann Rupert lautet "digitale Transformation und Omnichannel-Strategie". Man möchte damit, "die digitale Interaktion mit dem Kunden verbessern". Für Uhrenfans heißt das, das digitale Guerilla-Marketing geht weiter und um das eine oder andere limitierte Sondermodell zu ergattern, sollte man besonders schnell klicken können.

Und prompt bahnt sich der nächste CEO-Wechsel an. Bei Richemont  wird gemunkelt, dass ab 1. April Jean-Marc Pontroué das Ruder bei Panerai übernehmen soll. Seit 2012 lenkt er die Richemont-Manufaktur Roger Dubuis und unterzog sie einem erfolgreichen Turnaround. Der bisherige CEO Angelo Bonati, der seit 1997 der Uhrenmarke einen enormen Erfolg bescherte, wird wohl in Ruhestand gehen. Offiziell wird das vermutlich erst nächste Woche auf dem SIHH verkündet.

Lust auf noch mehr Komplikationen? Die Königsklasse der Luxusuhren im Video

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Wasserdichte und Druckresistenz mögen uhrmacherische Herausforderungen, aber es geht noch komplexer. Ein tiefes Klingen zählt die Stunden, ein hohes die Minuten - klingende Luxusuhren kosten leicht mehrere hunderttausend Euro und übertreffen damit selbst die angesagten Yachting-Modelle spielend. Was die Königsklasse der Haute Horlogerie so teuer (und kompliziert) macht, erklären die Chefs von Vacheron Constantin und der Uhrensparte von LVMH im Interview mit Michèlle Mussler.

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