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SIHH 2018: Das sind die neuen Luxusuhren

Foto: Audemars Piguet

Die neuen Luxusuhren des SIHH 2018 Die Uhren werden kleiner, die Preise auch

Von Michelle Mussler

Als Trend-Barometer für das neue Uhrenjahr gilt der SIHH (Salon de la Haute Horlogerie). Soeben eröffnete der vornehme Salon in Genf, zu dem nur Händler, Medien und VIPs Zutritt haben, um sich über Neuerscheinungen aus der Luxusuhrenwelt von 35 Ausstellern zu informieren. Am 19. Januar erhält auch für die Öffentlichkeit Zugang.

Gleich mehrere Weltpremieren werden stolz präsentiert: A. Lange Söhne hält Sammlern den ersten mechanischen Schleppzeiger-Chronographen vor die Nase, der eine mehrstündige Vergleichszeitmessung erlaubt. Die andere Sensation findet auf nur 4,3 Millimetern statt - quasi zwei aufeinandergelegte 20-Cent-Münzen. So schlank ist die aktuell flachste Automatikuhr der Welt und kommt aus dem Hause Piaget. Mehr noch: Die Manufaktur überbietet sich selbst, indem sie eine Konzept-Uhr mit Handaufzugswerk vorstellt, die gesamt nur 2 Millimeter Höhe misst.

Für Verblüffung sorgt auch die junge Marke Ressence. Die Belgier machen den etablierten Nobel-Manufakturen vor, wie man Smart-Tech mit Mechanik clever vereint, indem ein elektromechanisches Modul einem Automatikwerk stets die korrekte Uhrzeit vermittelt. Anders gesagt: diese mechanische Uhr geht stets pünktlich, ohne dass man sie nachregulieren muss.

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Auf klassische Konstruktionen der Haute Horlogerie hingegen setzt Ferdinand Berthoud. Erstmals in der Geschichte der Armbanduhren wird ein Tourbillon mit Regulator-Anzeigen kombiniert. Und die Innovationsschmiede Greubel Forsey stellt eine Konzept-Uhr mit springender Sekunde vor, die dank Nano-Mechanik um den Faktor 1800 weniger Energie sowie 96 Prozent weniger Platz benötigt. Klingt alles sehr technisch, für Uhrenfans jedoch bieten diese Neuentwicklungen durchaus Vorteile: nutzerfreundlichere und sinnvolle Funktionen. Zudem beweisen sie, dass die Uhrmacher trotz schwächelnder Umsätze nicht die Hände in den Schoß legen, sondern zukunftsorientiert weitertüfteln.

Allerding kommt die Branche nicht ohne die Vergangenheit aus. Retro hier, Vintage dort, Klassisches neu interpretiert, so lautet auf dem SIHH die omnipräsente Modellpolitik. Allen voran bei Audemars Piguet. Die unabhängige Manufaktur zelebriert den 25. Geburtstag ihrer 'Royal Oak Offshore' mit immerhin 20 neuen Varianten dieser Gattung.

IWC setzt noch einen darauf. Zum 150-jährigen Firmengeburtstag wird nicht nur ein neues Manufakturgebäude eingeweiht, sondern auch eine Kollektion mit 27 limitierten Jubiläumsneuheiten. Ebenso baut Montblanc seine Vintage-Linie 1858 im Military-Look stark aus. Vacheron Constantin stellt die Kollektion Fiftysix vor, Jaeger-LeCoultre relauncht zum 50. Geburtstag seiner Kultmodelle Polaris eine neue Familie, Girard-Perregaux erweitert seine 1970er-Jahre Laureato-Serie mit stylischen Chronographen, ebenso schwimmt Ulysse Nardin auf der Retro-Welle mit neuinterpretierten Marine-Uhren.

Skandal um die "Swiss Icons Watch"

Für eine Überraschung sorgt Montblanc. Die Marke macht ein Uhrenmodell um glatt 1000 Euro preiswerter. So kostete die '1858 Automatic' letztes Jahr noch 3490 Euro, dieses Jahr kommt sie mit einem verkleinerten Edelstahl-Bronze-Gehäuse, aber gleichem Kaliber und Design für 2490 Euro auf den Markt. Preislich fast gleichauf liegt Baume & Mercier. Der neue Stolz der Marke, die puristische Dress Watch 'Baumatic', arbeitet mit einem eigenen Automatikwerk, das fünf Tage Gangreserve meistert und 2450 Euro kostet. Zum ersten Mal in ihrer 263-jährigen Geschichte bietet die Edel-Manufaktur Vacheron Constantin in einer klassischen Kollektion auch Edelstahlversionen für Einsteiger an. Und Panerai lockt mit einem Handaufzugskaliber der Richemont-Gruppe in einer Edelstahlhülle unter der Schmerzgrenze von 5000 Euro. Man bekommt also wieder mehr Uhr fürs Geld.

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Für einen Mini-Skandal ist auf dem SIHH auch schon gesorgt. Vor wenigen Tagen verkündete H. Moser & Cie stolz seine Swiss Icons Watch - ein skurriles Unikat aus kopierten Merkmalen von Ikonen anderer Marken. Keine 24 Stunden danach folgte das Dementi: "die Swiss Icons Watch wird nicht weiter präsentiert und wird auch nicht verkauft", ließ der CEO Edouard Meylan kleinlaut wissen und löschte dazu alles auf seiner Homepage. Hintergrund dürfte wohl die eine oder andere Abmahnung aus anderen Uhrenhäusern sein.

Fleißig dreht sich das Personal-Roulette weiter: bei Romain Jerome wurde ad hoc der CEO ausgetauscht. Am ersten Messetag trat Marco Tedeschi als Nachfolger an. Bei Roger Dubuis fragt man sich, wer das Ruder übernimmt, da der bisherige CEO Jean-Marc Pontroué bei der Tochtermarke Panerai ab 1. April die Führung übernimmt. Getoppt wurden die Branchen-News von einer Pleitemeldung: die auf Flieger- und Weltraumuhren spezialisierte Marke Fortis musste kürzlich eine Nachlassstundung beantragen.

Kurzum, die Stimmung ist irgendwo zwischen kämpferisch bis hin zu optimistisch zuversichtlich. Vor allem verstärkt sich der Konkurrenzdruck: "Seit fast 20 Jahren bin ich in der Branche, doch noch nie hat so ein Wettkampf stattgefunden. Es geht nur noch um Verkaufszahlen - Shareholder glücklich zu stimmen ist wichtiger als Uhrenliebhaber", erklärt ein Insider.

Tatsächlich war das Weihnachtsgeschäft eher verhalten. Ein Umsatzwachstum erlebten bei Richemont von Oktober bis Dezember vor allem die Schmuck-Label wie Cartier und Van Cleef & Arpels mit einem Plus von 11 Prozent. Jedoch mit einem Zuwachs von 1 Prozent stagnierten die Uhrenmarken. Auch die Zeitmesser von Ulysse Nardin und Girard-Perregaux, die zur Kering Gruppe zählen, brachten ein leichtes Plus ein, ähnlich bei LVMH mit den Marken Hublot, Tag Heuer und Zenith. Grund sind die hohen Lagerbestände bei den Juwelieren, weshalb sich viele gezwungen sehen Rabatte zu geben. Um das zu verhindern kaufte Richemont teilweise seine Ware zurück, was den Umsatz mindert.

Golduhren und E-Commerce als sichere Zukunft

Laut einer Studie von Bain wurde 2017 ein weltweiter Umsatz an Luxusuhren von etwa 37 Milliarden Euro erzielt. Nicht nur die Uhrenliebhaberei ist der Grund sondern, dass viele Käufer in der Epoche niedriger Zinsen darin eine Wertanlage sehen. Die steigende Goldkursentwicklung tut ihr übriges, erst recht die Prognosen. Die Commerzbank geht sogar soweit und meint, "Gold gibt den Takt an". Deren Analysten rechnen mit einem Plus von 100 US-Dollar je Feinunze.

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Ähnlich positiv sehen die Experten der LBMA (London Bullion Market Association) die Goldpreisentwicklung für 2018. Ihrer Meinung nach sorgen dafür die starken Zukäufe der türkischen und russischen Zentralbanken sowie die weltweit politischen Unsicherheiten.

Ihre Zukunft sehen die Uhrmacher nicht nur mit Gold, sondern auch mit einer sensibleren Preispolitik und beim E-Commerce. Bis auf die konservativen Manufakturen Rolex und Patek Philippe bieten fast alle Uhren-Brands ihre Ware zum digitalen Kauf an. Entweder launchen sie ihre eigenen E-Boutiquen, wie kürzlich Omega für die USA oder Cartier für die Schweiz, oder sie offerieren sie über Online-Luxushändler wie Mr Porter und Net-a-Porter - an beiden ist Richemont beteiligt. Um keine Umsätze einzubüßen, schauen etablierte Juweliere dem nicht tatenlos zu. Wempe, Bucherer und Gübelin spielen inzwischen auch im Online-Handel mit eigenen Portalen mit.

Nur bis zu maximal 5 Prozent der Luxusuhren gehen laut Brancheninsidern über die virtuelle Ladentheke. Warum also dieser Digital-Hype? Zum einen tummelt sich hier überwiegend die neue Käufergeneration. Zum anderen haben digitale Medien und Social-Media-Kanäle, die besonders geschickt Upper-Class-Lifestyle suggerieren, einen ständig wachsenden Einfluss auf die Kaufentscheidungen. Fakt ist jedoch, dass mehr als 90 Prozent der Uhrenliebhaber, die bereit sind, mehrere Tausend Euro zu investieren, eine persönliche Beratung und das reale Look- and Feel-Erlebnis wünschen.

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Wasserdichte und Druckresistenz mögen uhrmacherische Herausforderungen, aber es geht noch komplexer. Ein tiefes Klingen zählt die Stunden, ein hohes die Minuten - klingende Luxusuhren kosten leicht mehrere hunderttausend Euro und übertreffen damit selbst die angesagten Yachting-Modelle spielend. Was die Königsklasse der Haute Horlogerie so teuer (und kompliziert) macht, erklären die Chefs von Vacheron Constantin und der Uhrensparte von LVMH im Interview mit Michèlle Mussler.

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