Montag, 22. April 2019

Japanischer Architekt Isozaki gewinnt Pritzker-Preis Der Meister der Zwischenräume

Pritzker-Architekturpreis: Der Visionär Arata Isozaki
Iwan Baan, Matsushima/Pritzker Architecture Prize

Pausen, Lücken, Öffnungen: Nach dem japanischen Konzept "Ma" erzeugt Arata Isozaki in seinen Bauten negativen Raum. Als einer der ersten Japaner realisierte er große Bauprojekte außerhalb seiner Heimat. Nun wird er mit der wichtigsten Auszeichnung für Architektur geehrt.

Der Japaner Arata Isozaki hat den diesjährigen Pritzker-Preis und damit die höchste Auszeichnung für Architektur gewonnen. Mit seinen "frischen" Bauten, die "stilistischen Kategorien trotzen", sei Isozaki niemals Trends gefolgt, sondern stets seinem eigenen Weg, schrieb die Jury in ihrer am Dienstag veröffentlichten Entscheidung. Isozaki sei "ein vielseitiger, maßgebender und wahrhaft internationaler Architekt". Mit seinem vorausschauenden Denken gelte er als Visionär seiner Generation.

Isozaki habe als einer der ersten japanischen Architekten außerhalb Japans gebaut in einer Zeit, als westliche Gesellschaften eher den Osten beeinflussten, sagte Tom Pritzker, Vorsitzender der Hyatt Foundation. Die Stiftung mit Sitz in Chicago steht hinter dem mit 100.000 Dollar (88.000 Euro) dotierten Preis. Isozaki ist der achte Japaner, der die seit 1979 verliehene Auszeichnung gewinnt.

Isozaki stammt aus Oita auf der Insel Kyushu im Südwesten Japans. Frühe Erfolge hatte er während der Besatzung der Alliierten nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Er half in den 1980er Jahren, japanisches Design nach Europa und in die USA zu exportieren. Teil seiner Methode ist das japanische Konzept "Ma", das sich etwa als Zwischenraum, Pause oder Öffnung in Bau und Design verstehen lässt. Seine Modernismus-Bauten wirkten "geometrisch simpel", steckten aber voller "Theorie und Zweck", hieß es in der Mitteilung zum Preis.

Zu den bekanntesten Bauten Isozakis zählen das Museum of Contemporary Art in Los Angeles, das Olympische Stadion in Barcelona und das Eishockey-Stadion im norditalienischen Turin. Am Potsdamer Platz in Berlin baute Isozaki, der weltweit mehr als hundert Bauprojekte umgesetzt hat, mit weiteren Architekten die Daimler-Benz-Hochhäuser. Er baute Museen wie den Ceramic Park Mino im japanischen Gifu, Konzertsäle wie die Shanghai Symphony Hall in China und den Allianz-Turm in Mailand.

Frühere Preisträger waren unter anderem Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Norman Foster und Peter Zumthor. Vergangenes Jahr gewann den Pritzker-Preis der Inder Balkrishna Doshi. Dieses Jahr hatten Beobachter auch dem Dänen Bjarke Ingels, US-Architekt Steven Holl und dem Briten David Chipperfield, der unter anderem in Berlin die Sanierung der Neuen Nationalgalerie leitet, gute Chancen ausgerechnet.

dpa

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