Dienstag, 18. Juni 2019

Patek Philippes Pop-up-Manufaktur in New York Die Millionen-Uhren der Präsidenten und Bankiers

Patek Philippe in New York: Die Uhren der Präsidenten, Bankiers und Musikgrößen
Patek Philippe

Sensationen brauchen Zeit, viel Zeit. Etwa zwei Jahre Vorbereitung benötigte Patek Philippe, um die Ausstellung 'The Art of Watches Grand Exhibition' nach New York zu bringen. Vor wenigen Tagen startete sie als opulente Uhren-Schau mit mehr als 400 Raritäten, zehn Themenräumen und 40 Spezialisten aus Genf als eine Art Pop-up- Manufaktur. Noch bis zum 23. Juli ist sie geöffnet. Mehr als 2000 Besucher strömen täglich zu dem Prachtbau Cipriani in der 42nd Street.

"Am ersten Tag stand eine Dame schon drei Stunden vor der Eröffnung vor der Tür. Sie flog für die Ausstellung extra aus Rom ein und wollte sie sich unbedingt als Erste ansehen", erzählt Patek-Chef Thierry Stern. "Als unser Uhrmacher die Tischuhr von John F. Kennedy in die Vitrine platzierte, kamen ihm vor Rührung die Tränen. Wir mussten die Arbeit kurz unterbrechen, denn selbst die Securities waren sehr bewegt", schildert Stern.

Was nach PR-Pathos klingt, entpuppt sich tatsächlich als Hort der Ehrfurcht, um den sich Besuchertrauben bilden. John F. Kennedy wurde die Uhr 1963 während seines Besuches in West-Berlin, wo er seine berühmte Rede 'Ich bin ein Berliner' hielt, vom damaligen Bürgermeister Willy Brandt geschenkt. Patek fertigte sie als Unikat mit den drei Zeitzonen von Washington D.C., Berlin und Moskau an - die damalige Achse des Kalten Krieges.

Der Heilige Gral der Haute Horlogerie

Beim Rundgang zwischen den Uhrmachern und ihren Werkbänken, Graveuren und Guillocheuren, Video-Installationen und Mikroskopen, beweisen drei weitere Meisterstücke eine magische Anziehungskraft: erstmals ist die ultra-komplexe Taschenuhr 'Caliber 89' außerhalb des Genfer Uhrenmuseums zu sehen. Patek Philippe realisierte das Faktotum 1989 als den kompliziertesten mechanischen Zeitmesser der Welt. Mehr als 25 Jahre lang war er der Rekordhalter, sein Schätzpreis liegt bei 6,4 Millionen US-Dollar. Ebenso vertreten ist das berühmte 'Star Caliber 2000', mit dem die Manufaktur das neue Jahrtausend einläutete, sowie die erste Taschenuhr der Welt mit Westminsterschlag von 1920.

Auch fast alle Modelle der aktuellen Kollektion sind ausgestellt.

Sammler bewerben sich, um 500.000 Euro ausgeben zu dürfen

Um Begehrlichkeiten zu schüren und für das Re-Investment legt die Manufaktur die limitierte 'New York 2017 Special Editions' mit fast 2000 Sondermodellen auf. Innerhalb von zwei Stunden waren alle Exemplare quasi verkauft. "Wir könnten ein Vielfaches mehr verkaufen. Von der ganzen Welt treffen unzählige Anrufe und Emails ein, doch die Kollektion ist nur auf dem amerikanischen Markt zu haben." Das bezeichnet Larry Pettinelli, der Direktor of Patek Philippe USA, als den schwierigsten Part der Ausstellung: "Wir werden leider einigen langjährigen Kunden und Sammlern absagen müssen." Erst nach der Ausstellung trifft er zusammen mit Patek-Chef Stern die Entscheidung, welche loyalen Stammkunden die Uhren erwerben dürfen - zuvor müssen sie sich allerdings schriftlich bewerben.

"Fast im Minutentakt treffen Bittschriften auch aus Deutschland ein", schildert Rüdiger Albers. Der Geschäftsführer leitet die Wempe Boutique an der Fifth Avenue, die als das versierteste Uhrengeschäft der USA gilt. "Leider kann ich noch nicht einmal alle Anfragen meiner Top-Patek-Sammler aus den USA bedienen", so Albers. Dafür kann er andere versorgen. Bei ihm ist die Nachfrage an klassischen Modellen seit der Ausstellungseröffnung gestiegen - "sogar Uhrenanfänger und jüngere Kunden fragen nach."

Doch den größten Run lösen zwei Ausnahmeobjekte der New York Kollektion aus: Die '5531 World Time Minute Repeater' als Weltpremiere, da sich in ihr erstmals eine Weltzeituhr mit einer Minutenrepetition vereinen. Zum Stückpreis von 561.300 US-Dollar (etwa 490.000 Euro) sind sie auch die teuersten Exemplare. Allerdings, so erläutert Stern, "wird es das Uhrwerk künftig in anderen Neuerscheinungen geben."

Als anderes Extrem erweist sich die 'Calatrava Pilot Ref. 5522'. Ihr Automatikwerk treibt nur Stunden, Minuten und Sekunden an und ist in ein Edelstahlgehäuse gefasst, weshalb sie für 21.500 Dollar (rund 18.750 Euro) zu ergattern ist - ein Schnäppchen, für Patek-Verhältnisse. Ob sich unter den Bewerbern auch bekannte Persönlichkeiten befinden, dazu hält sich die Innovationsschmiede vornehm zurück. Nur bei einem berühmten Patek-Besitzer käme man wohl in Bedrängnis - ob Donald Trump eine der begehrten Sammlerexemplare kaufen dürfte, möchte Larry Pettinelli nicht kommentieren.

Im Video: Ein Rundgang über New Yorks nobelste Uhrenshow

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Bild: Michèlle Mussler

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