Montag, 21. Oktober 2019

Uhren-Show in Singapur Patek Philippe zeigt Uhren von Königen - und für Banker

Patek Philippe in Singapur: Uhren-Show der Superlative
Patek Philippe

Die Uhrenbranche sucht ihre liebsten, weil solventesten Kunden mittlerweile jenseits Europas. Ein weiteres wichtiges Signal gen Asien kommt jetzt von Patek Philippe: Bis Mitte Oktober präsentiert der Luxusuhren-Hersteller in Singapur die "größte Show, die wir jemals hatten", erklärt Patek-Chef Thierry Stern. Für die Ausstellung inklusive Pop-Up-Manufaktur fährt die Marke etwa 1300 Raritäten, zehn Themenräume und fast 50 Spezialisten aus der Schweiz mit Werkbänken auf. Zur 'Watch Art Grand Exhibition' zählen auch die diesjährigen Neuheiten und Exponate aus dem Patek-Museum in Genf, die zuvor noch nie die Heimat verließen. Mit dabei: Königliche Uhren-Unikate etwa von Queen Victoria oder dem König von Siam.

Stern berichtet von 30.000 festen Voranmeldungen für die Ausstellung - etwa doppelt so viel wie bei der Ausstellung in New York vor zwei Jahren. Auch hier zeigt sich: Asien ist mittlerweile Pateks größter Absatzmarkt. Und die Nobelmanufaktur weiß genau, wie man Begehrlichkeiten schürt. Streng limitierte Kleinauflagen, wie die "Singapore 2019 Special Edition" sprechen Sammler besonders an. Erst recht, wenn sich schwerreiche Banker dafür erst einmal bewerben müssen; denn erst nach der Ausstellung trifft der Patek-Chef zusammen mit seiner Südost-Asien-Generalmanagerin Deepa Chatrath die Entscheidung, welche Stammkunden aus der Region die Uhren kaufen - und dafür mehr als eine halbe Million Euro hinlegen dürfen.

Mit einigen Ausnahmeobjekten feiert die Manufaktur den 200. Jahrestag der Staatsgründung Singapurs. Bei einer Minutenrepetition mit Tourbillon verzichtet Patek Philippe erstmals in seiner Geschichte auf ein Zifferblatt - so kann man dem Schlagwerk beim Technik-Spektakel zusehen. Zwölf handverlesene Kunden dürfen dafür jeweils 544.000 Euro ausgeben. Etwas diskreter sind die fünf Exemplare einer Minutenrepetition mit Weltzeit-Funktion. Bei genauem Hinsehen erkennt man darauf den wohl teuersten Stadtplan der Welt: auf dem Zifferblatt ist dieser filigran aus Emaille dargestellt, wofür etwa 498.000 Euro aufgerufen werden. Wer es kleiner haben will: Für etwa 31.500 Euro legt die Manufaktur einen Aquanauten aus Edelstahl mit knallrotem Armband und einer Auflage von 500 Exemplaren auf.

Video: Minutenrepetitionen - die Königsklasse der Luxusuhren

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Bild: Hublot

Dass die Manufaktur selber die Käufer auswählt, mag man schnell als Arroganz abtun. Aber es hat noch andere Gründe als die der künstlichen Verknappung. Besonders begehrte Uhren von Marken wie Rolex und Patek Philippe werden oft zum Vielfachen des Händlerpreises weiterverkauft. Die Gefahr einer für die Marken imageschädlichen Blase entsteht.

Um da gegenzusteuern, sind etwa Audemars Piguet und Omega bereits in den Second-Hand-Handel eingestiegen: Sie kaufen getragene Modelle, arbeiten sie auf und verkaufen sie als Pre-owned mit Manufaktur-Zertifikat weiter. "Mein Geschäft ist es, neue Uhren zu entwickeln, und nicht getragene Uhren zu verkaufen. Aber ich kann nachvollziehen, dass das einige machen", kommentiert Patek-Chef Stern. Ihn beschäftigt, wie seine Marke den sogenannten Flipper-Markt unterbinden kann: "Leider gibt es viele Leute, die es als Spiel sehen: ein Händler verkauft an einen Freund eine Nautilus, dieser verkauft sie am nächsten Tag als Pre-owned für den doppelten Preis weiter und sie teilen sich den Gewinn. Das ist nicht fair! Solche Leute mag ich nicht! Sie sind Opportunisten. Dagegen müssen wir Regeln finden, vielleicht starte ich damit innerhalb meines Händlernetzes. Wenn das passiert, wird dem Konzessionär gekündigt. Denn andere Kunden möchte die Uhr lieber tragen, statt damit Geld zu verdienen." Deshalb wolle Patek die Käufer der begehrten Singapur-Sonderedition selber auswählen.

Stern wünscht sich, dass selbst die kostspieligsten Sammlerexemplare benutzt werden und nicht in Tresoren verschwinden wie bei vielen europäischen Sammlern. "In Asien werden die Uhren getragen und man schätzt besonders seltene Handwerkskünste", meint Stern: Kunstvolle Dekore aus Emaille, Miniatur-Malerei, Gravuren, Guilloché oder Holzintarsien. Deutsche Fans bevorzugten dagegen eher komplizierte Mechanik und seien generell etwas ängstlicher: "In Asien ist es sicherer, man kann nachts um 4 Uhr auf der Straße gehen und nichts passiert. Leider ist das in Europa nicht der Fall."

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