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Ding-Dong: Die schönsten Minutenrepetitionen

Foto: Audemars Piguet

Die aufregendsten Minutenrepetitionen Je mehr Ding-Dong, desto teurer

Von Michelle Mussler

Für die einen sind sie Ghettoblaster reicher Uhren-Geeks, für andere die Königsdisziplin der Haute Horlogerie - Schlagwerksuhren. Sie verwandeln die Uhrzeit taktvoll in Musik. Wie ein Dirigent startet der Uhrenträger das Konzert, indem er einen Schieber oder Drücker betätigt, wodurch ein Schlagwerk mit verschiedenen Gongtönen die Zeit verkündet.

Für eine Repetition, wie Kenner diese Highend-Komplikation nennen, sollte man nicht nur ein feines Gehör besitzen, sondern auch eine gehörige Summe parat haben - ab 100.000 Euro beginnt so ein musikalisches Statussymbol. Man kann auch locker noch eine Million dazulegen.

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Auffällig viele Repetitionen mit gewagten Konstruktionen erleben seit den letzten Monaten ihre Geburtsstunde, darunter auf der Luxusuhrenmesse SIHH. Früher stellten pro Jahr höchstens zwei Manufakturen solch ein Ausnahmeobjekt vor. In den vergangenen vier Monaten waren es jedoch gleich neun verschiedene.

Neu ist zudem, dass sie jetzt oft aus Hightech-Materialien wie Titan, Karbon oder Kristallglas bestehen. Bisher galt es als verpönt, die Königin der Uhren nicht mit traditionellen Edelmetallen auszustatten. Die Strategie dahinter: Repetitionen lassen die Kassen der Manufakturen klingeln. Schließlich sind die Umsätze seit zwei Jahren erheblich ins Stocken geraten. Neue Materialien und raffinierte Erfindungen heizen dem Song-Contest zudem ein - welche Luxusuhr klingt lauter, satter, klarer und vor allem ohne knarrende Nebengeräusche?

Taktvoller Sex-Appeal

Zur akustischen Perfektion verhelfen auch schon mal clevere Ideen: Cartiers neue Minutenrepetition aus Titan besitzt ein Gehäuse, das innen hohl ist. Chopard verwendet statt Gongstäbe aus Stahl welche aus Kristallglas. Oft wird auf ein schalldämmendes Zifferblatt verzichtet. Wie bei Hublot, wo man auch auf das Mitwirken des prominenten Musikers Lang Lang setzt.

Hingegen bei Ulysse Nardin kommt Sex-Appeal taktvoll zum Einsatz. Und mit dem Nonplusultra dieser Mini-Subwoofer, einer 'Sonnerie', locken jüngst die drei Nobelmanufakturen Audemars Piguet, Vacheron Constantin und Greubel Forsey.

Bei allen Modellen lässt sich die Uhrzeit herkömmlich vom Zifferblatt ablesen. Die Repetition schmeichelt aber mehr den Sinnen. Und es lässt sich stilvoller damit posen: statt mit auffälligem Protz verrät ein sachtes Ding-Dong, dass man den Wert eines Sportwagens oder einer Luxusvilla am Handgelenk trägt.

Als Kostentreiber entpuppt sich der komplexe Repetiermechanismus, der wie ein zusätzliches Uhrwerk agiert. Besonders die Übertragung der Uhrzeit an das Schlagwerk, das exakte Auslösen und die korrekte Anzahl der Gongschläge mittels einer Fliehkraftbremse, ist die größte Herausforderung.

Hinzu kommt ein Rechenschlagwerk, ein Geschwindigkeitsregler, kleine Hammer, mehrere Gongstäbe sowie eine Alles-oder-Nichts-Schaltung, damit nur auf Wunsch das Konzert ausgelöst wird. Etwa zweihundert Zusatzteile besitzt eine einfache Schlagwerksuhr. Damit sie nicht wie eine Blechbüchse scheppert, dürfen sie nur extra geschulte Uhrmachermeister fertigen - erst nach etwa 15-jähriger Berufserfahrung erhalten sie eine zweijährige Zusatzausbildung zum Schlagwerksspezialist.

So funktionieren die Meisterwerke

Wahre Kenner unterscheiden im Wesentlichen zwischen sieben Gattungen - und sie können deren Unterschiede teilweise sogar heraushören. Alle Schlagwerksuhren besitzen mindestens zwei Gongstäbe, einen für den tiefen und einen für den hohen Ton.

Bei einer Viertelstundenrepetition erklingt zuerst die Anzahl der Stunden mit dem tiefen Gong, gefolgt von einem hoch-tiefen Doppelton für die Anzahl der Viertelstunden. Eine Fünf- und Zehnminutenrepetition verrät akustisch etwas präziser die Uhrzeit. Auch hier läutet zuerst ein tiefer Ton für die vollen Stunden, anschließend ein hoch-tiefer Doppelgong für die Fünf- oder Zehn-Minuten-Intervalle.

Bei Uhren-Connaisseuren steigt der Pulsschlag ab einer Minutenrepetition: Sie verkündet die Zeit bis auf die Minute genau und arbeitet mit einem noch komplexeren Mechanismus aus über hundert Komponenten. Ebenso läutet hier erst ein tiefer Ton für die Stunden, dann ein hoch-tiefer Doppelton für die Viertelstunden, schließlich ein hoher Gong für die Anzahl der Minuten. Einige Manufakturen geben sich damit nicht zufrieden: Sie fügen dem Ensemble eine dritte Tonfeder hinzu und nennen es Carillon.

Als das Nonplusultra wird eine Sonnerie gehuldigt. Sie besitzt eine doppelte Schlagwerkskonstruktion mit vier Tonfedern für die Petite Sonnerie, die nur die Stunden schlägt, und zusätzlich eine Grande Sonnerie für die Viertelstunden. Ihr Mechanismus ist wesentlich komplexer als bei einer Minutenrepetition, die zusätzlich in einer Sonnerie integriert ist.

Den beeindruckenden Klangeffekt mit vier Gongstäben beherrschen auch Uhren, die die Big Bang Melodie läuten, weshalb sie Westminster-Uhr genannt werden. Manchmal führen Repetitionen auch einen Tanz auf: bei Jaquemarts bewegen sich kleine Figuren rhythmisch zum Takt auf dem Zifferblatt. Besonders häufig und reizvoll wird diese Konstruktion bei erotischen Uhren verwendet.

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