Fotostrecke

Analyse: Was die Körpersprache der Airline-CEOs verrät

Foto: Youtube / luftfahrtbewegt

Die Körpersprache der Manager Was die Körpersprache der Airline-CEOs verrät

Nach den CEOs der Automobilkonzerne, Finanzunternehmen und Sportartikler widmet sich Körpersprache-Experte Michael Moesslang nun den CEOs einiger europäischer Airlines: Hier lesen Sie, was die Chefs von Lufthansa, Air France, KLM, British Airways und Ryanair unbewusst über sich verraten, wenn sie auf der Bühne stehen.
Von Michael Moesslang

CEOs von Airlines sind für ihre öffentlichen Auftritte meist gut geschult. Schließlich kann jeden Tag der große Krisenfall eintreten, wie es bei Lufthansa/Germanwings gerade erst der Fall war. Sind die Auftritte deswegen die reine, kühle Inszenierung? Körpersprache-Experte Michael Moesslang hat sich die Luftfahrt-Chefs einmal angenauer angesehen.

Carsten Spohr, Lufthansa

Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeigt wenig. Wenig Mimik, wenig Gestik. Auffällig ist eine senkrechte Stirnfalte, die von Anstrengung und Konzentration zeugt, jedoch auch skeptisch wirken kann.

Michael Moesslang
Foto: Reiner Pohl

Michael Moesslang ist Experte für Präsentation, Körpersprache und Rhetorik. Er arbeitet als Autor, Redner und Coach und ist Lehrbeauftragter unter anderem an der St. Galler Business School und der European Business School der Hochschule Reutlingen. www.michael-moesslang.de/ 

Da er auch noch schnell spricht und auf Sprechpausen fast komplett verzichtet, muss sich der Zuhörer sehr konzentrieren, um überhaupt folgen zu können. Dass er dann auch noch eigenartige Formulierungen ("Wir werden unsere Flugzeuge länger beschäftigen") und Fachjargon einsetzt, macht es nicht leichter.

Sein Blickkontakt ist sehr fest, wenn er einen Ansprechpartner hat. Das zeigt sich in Interviews. Bei einer Rede huscht der Blick dagegen sehr schnell bei dem Versuch, möglichst jeden im Publikum anzusehen. Das wirkt unstet, suchend, beinahe hektisch.

Wenn Spohr frei steht, bei Ansprachen beispielsweise, dann setzt er Gestik ein. Diese ist lebendig, aber auch eher hektisch. So wirkt er, als ob er eigentlich gar keine Zeit hätte und schnell vorankommen müsste. Und er kann lächeln, wenn es passt. Das sind Momente, die er offensichtlich selbst genießt, denn dann spricht er auch plötzlich langsamer.

https://www.youtube.com/watch?v=O6eCH4i2yTw 
https://www.youtube.com/watch?v=8-dbcgikwDY 
https://www.youtube.com/watch?v=H7GZwKpzOK0 

Frédéric Gagey, Air France

In einem auch per Kamera übertragenem Radio-Interview stützt Air-France-Chef Frédéric Gagey seinen Kopf zwischen seine beiden Hände. Mal vergräbt er fast das genaue Gesicht zwischen seinen Handflächen, mal hält er je nur einen Finger an seine Wangen. Das sieht lustig aus, zumal auch noch sein Blick sehr unruhig nach unten auf der leeren Tischplatte etwas zu suchen scheint und seine Finger und Hände immer wieder zusätzlich Ansätze von Gestik zeigen. Vermutlich versucht er jedoch nur seinen Kopf auf den richtigen Abstand zum Mikrophon festzuhalten und sich gleichzeitig zu konzentrieren.

Auch in TV-Interviews geht sein Blick sehr häufig nach unten. Am allermeisten nach links unten, was bedeutet, dass er im inneren Dialog ist. Er prüft quasi den Klang und die Wirkung seiner Worte. Dabei redet er, ohne Pausen zu machen.

Überhaupt ist sein Blick selten fest beim Gesprächspartner. So wandert sein Blick manchmal für einen kurzen Moment zu fremden Geschehen oder einfach in die Ferne. Je mehr er nachdenken muss, desto unsteter wird sein Blick.

Seine Aussagen werden durch viel Mimik begleitet. Gleichzeitig wackelt sein gesamten Körper leicht, während er spricht. Das wiederum wirkt leicht unsicher.

https://www.youtube.com/watch?v=No2kBTTI91M 
https://www.youtube.com/watch?v=5B0Tkx7CEjs 

Pieter Elbers, KLM

Auch KLM-Chef Pieter Albers bewegt den Kopf relativ viel - was umso verwirrender wirkt, weil er sonst vergleichsweise bewegungslos verharrt. Da er auch relativ wenig Blickkontakt hält - selbst dem Publikum blickt er eher über die Köpfe hinweg - entsteht schnell der Eindruck, er sei stets auf seine Wirkung bedacht und konzentriere sich daher etwas zu sehr auf die Vermeidung von Fehlern. Dazu passt: Seine Kleidung ist exzellent ausgewählt und sitzt perfekt. Da hebt er sich positiv von einigen seiner Kollegen ab.

Dass er sehr genau abwägt, was er sagt, ist an Denkblicken zu erkennen. Er geht dabei mit seinen Augen in bestimmte Richtungen, um sich so seine Informationen abzurufen. Selbst während der Interviewer die Fragen stellt, sieht Albers ihn nicht an, sondern konzentriert sich deutlich sichtbar. Dabei spricht er flüssig Englisch, es kann also nicht nur die Fremdsprache sein, die ihm Konzentration abringt. Für den Zuhörer ist das Fehlen jeglicher Gestik und Emotion schwierig, die Botschaften kommen nicht richtig an.

https://www.youtube.com/watch?v=R4GCasUe5wo 
https://www.youtube.com/watch?v=StfzthTqYa4 
https://www.youtube.com/watch?v=ZZgI2p0ChcM 

Keith Williams, British Airways

BA-Chef Keith Williams wirkt weich und sanft. Sein Kopf ist häufig zur linken Seite geneigt. Der Tweed-Stoff seines blauen Jacketts und auch eine etwas zu weite Jacke zeigen zusammen mit seinen wirren Haaren, dass er mit seinem Äußeren Stereotypen eher vermeiden möchte. Nachteil: Er wirkt dabei manchmal eher wie ein Buchhalter als wie der CEO seines Unternehmens.

Seine Körpersprache wirkt keineswegs reduziert oder irgendwie bewusst eingesetzt. Mal wandert die Hand in die Hosentasche oder stemmt sich in die Hüfte, mal hält er sich lange Zeit an einem Glas fest oder umklammert fest das Rednerpult. Sein Fuß erhebt sich immer wieder zu einem abwehrenden Bremsfuß. Dazu verwendet er regelmäßig seine Hand - auch mal direkt aggressiv gegen den Fragensteller. Das wäre ihm in einem Coaching wahrscheinlich längst widergespiegelt worden.

Positiv stimmt sein (typisch britischer) Humor. Auch wenn er mit vielen Ähs selbst dabei hin und wieder etwas zerstreut wirkt.

https://www.youtube.com/watch?v=CyzdIrH0nPU 
https://www.youtube.com/watch?v=FVgsH_dd080 
https://www.youtube.com/watch?v=yvoOAx_wGks 

Michael O'Leary, Ryan Air

Das Enfant Terrible der Airlines tritt schon optisch anders auf als die Kollegen: offenes, manchmal ungebügeltes, kariertes Hemd, Brille in den Haaren, Jackett nur manchmal. Ganz eindeutig: Hier gibt jemand den Revoluzzer.

Wenn er auf der Bühne trinkt, dann nicht aus dem Glas, sondern aus der Flasche. Er steht nicht hinter dem Rednerpult, sondern rennt stattdessen sehr unruhig über die Bühne. Sein Blick geht nie fest zu einer Person, und es scheint ihn wenig zu interessieren, ob seine Worte ankommen. Er sendet seine Botschaften schnell und in komplexen, langen Sätzen.

Sein Humor ist so provokativ wie seine Aussagen. Er schießt gegen alle, wo immer es passt. Ob gegen andere Airlines, falsche Politik oder streikende Mitarbeiter: Mal sagt er es mit Wut, mal mit Humor. Seine Hände bleiben bei Vorträgen stets auf Brusthöhe, wo er viele aussendende Bewegungen macht. Zusammen mit einer immer wieder etwas hoch getragenen Nase wirkt er, um es positiv zu formulieren, äußerst selbstbewusst.

https://www.youtube.com/watch?v=oh5KqaiaLDU 
https://www.youtube.com/watch?v=8EWS2OvuCII  
https://www.youtube.com/watch?v=p4HYSsrlcq8 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.