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Schiffbau: Die 20 größten Luxusyachten der Welt

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Megayachten Riesiger Luxus

Die Superyachtenbranche ist wieder im Aufwind: Die Auftragsbücher für unfassbar luxuriöse Schiffe jenseits der 80-Meter-Grenze füllen sich. Hier ist ein Ausblick auf die Stapelläufe und Trends des Jahres 2014.

London - Luxus ist sehr relativ. "Einen Businessjet braucht man. Eine Megayacht braucht man nicht", erklärt Susanne Wiegand, Managing Director der Werft Nobiskrug, die Befindlichkeiten einer vermögenden Kundschaft, die Jets als normale Arbeitsgeräte begreift, aber von Yachten als Sehnsuchtsobjekten träumt.

Am Dienstag gab es ein exklusives Branchentreffen derer, die die Düsseldorfer Messe "boot" mit ihren bis zu 30 Meter langen Luxusyachten als vergleichsweises Kleine-Leute-Vergnügen betrachtet - und die es versteht, auch bei den verwöhntesten Reichsten der Reichen noch echte Begehrlichkeiten zu wecken.

Im feinen Londoner Hotel "The Mayfair" stellte die Site Superyachts.com , die ein Ranking der 100 größten Yachten der Welt herausgibt, die zu erwartenden Neuerscheinungen des Jahres vor - kein leichtes Unterfangen, denn jede Werft, die eine Megayacht baut, unterzeichnet rigide Verschwiegenheitsklauseln. Die Eigner wollen meist ungenannt bleiben, Fotos oder Entwurfsrenderings sind vertraulich, und auch über Preise spricht man nicht - für maßgefertigte Megayachten liegen sie gerne im dreistelligen Millionenbereich.

Im Ranking wird es Bewegung auf den hinteren Plätzen geben. Sieben neue Megayachten werden für 2014 erwartet: Die italienische Werft Fincantieri Yachts baut an der 140 Meter langen Victory, die nach Fertigstellung Platz 9 belegen wird, gestaltet von Espen Oeino, der auch die unangefochten größte Yacht der Welt, die 180 Meter lange Azzam (fertiggestellt 2013) von Lürssen designte. Marktführer Lürssen, der seit 1997 24 Yachten mit einer Länge von mehr als 90 Metern gebaut hat, geht 2014 mit der Quantum Blue (102,6 Meter) und der 90 Meter langen Global an den Start, die ebenfalls von Oeino gestaltet ist.

Der deutsche Hersteller Kusch Yachts kündigt die 101 Meter lange V853 an, gestaltet von Vega Yachts. Auch ein chinesischer Hersteller wagt sich unter die Top 100: Die Illusion von Yantai Raffles, gestaltet von Rainsford Mann Design, soll 88,8 Meter lang sein. Oceanco aus den Niederlanden bringt die von Oino gestaltete Y710 (88,5 Meter), Marco Yachts die von Ken Freivokh gestaltete Z (85,3 Meter). Die deutsche Reederei Abeking & Rasmussen bringt die Abeking 6497 (82 Meter). ADM Shipyards will, allerdings erst 2015, die Swift135 mit 135 Metern Länge in Abu Dhabi zu Wasser lassen.

Der Traum vom Luxusleben auf dem Wasser

Nach der Finanzkrise war es auch der Superyacht-Industrie zunächst schlecht gegangen - aber mittlerweile sind die Auftragsbücher wieder gut gefüllt. "Oberhalb der 100 Meter ist der Markt gut", sagt Marco Francesco Mazzù von Fincantieri Yachts. Am obersten Ende bleibe die Käuferschicht stabil und homogen.

Die UHNWIs, Ultra High Net Worth Individuals, sind gut vernetzt und bleiben ihrem Traum vom Luxusleben auf dem Wasser treu.

Über die Kunden selbst schweigt man sich aus, aber allgemein ist zu hören, dass Bestellungen vor allem aus dem Mittleren Osten und Russland kommen. Die Nachfrage aus Amerika steigt allmählich wieder, und auch die Chinesen wagen sich langsam aus der Deckung - "die müssen noch lernen, die See zu genießen", sagt ein Hersteller, der sich auch über Kunden in Mexiko freut.

"Oberhalb der 100 Meter ist der Markt gut"

Nicht nur dort schätzt man Yachten offenbar auch unter Sicherheitsaspekten: Kidnapping ist auf See schwieriger als an Land. "So können unsere Kunden mit ihrer Familie endlich einen ganz normalen Familienurlaub machen", sagt er, "also normal jetzt mal abgesehen von der Luxusyacht."

Russischen Kunden geht es oft um schiere Größe. Die Kunden aus dem mittleren Osten dagegen, berichtet ein Megayachtbauer, sind an Hierarchien gebunden: Wer in der Erbfolge eines Emirats weiter hinten steht, darf auch mit der Yachtlänge die vor ihm Stehenden nicht überholen, das wäre ein Affront.

Der soziale Faktor der Luxusyachten

Bei den aktuellen Entwürfe der großen Yachtbauer fällt vor allem eines auf: Die Aufwertung des Außenraums. Ohne mindestens einen Beachclub, also eine meist mit großzügiger Terrasse ausgestattete Badeanlage am Heck, geht gar nichts; oft lassen sich an den Kabinen noch Balkone ausklappen, fließende Übergänge zwischen Decks und Innenräumen sind Standard - man sitzt im Freien, kann aber bei Bedarf von der Crew vor Wind und Wetter schützende Glaswände ausklappen lassen.

Mindestens ein Helikopterlandeplatz, Unterwasserfenster, üppige Spa-Bereiche und jede Menge Spielzeug wie Jetskis und Tauchboote gehören ebenfalls fast schon zum Standard. Weit verbreitet ist es, der eigentlichen Yacht ein sogenanntes Shadowboat an die Seite zu stellen - ein nicht ganz so opulent gestaltetes Zweitboot, auf dem ein Teil der Crew wohnen kann, damit es an Bord der Eigneryacht nicht so eng wird.

Dort werden auch technische Gadgets und Vorräte untergebracht, manchmal auch zusätzliche Gästezimmer oder der Hangar für den Helikopter. "Dieses Unterstützungsfahrzeug fährt dann schon mal zum nächsten Hafen und bereitet alles für die Ankunft des Hauptschiffs vor", erklärt Mazzù.

Die schiere Länge, das versichern alle Hersteller, ist nicht das, was die Fertigung einer Yacht so komplex macht - die Herausforderungen liegen eher im technischen Bereich. Schnell sollen sie sein, die Schiffe, aber dabei möglichst lautlos - und vor allem rüttelarm, was bei den gewaltigen Maschinen, die zur Fortbewegung nötig sind, besonders schwierig ist.

Entwürfe Zaha Hadids werden kontrovers diskutiert

Wenn die Yachten immer größer und komplexer werden, liegt es vielleicht nahe, nicht mehr nur Schiffsspezialisten, sondern auch mit Großprojekten erfahrene Architekten mit deren Gestaltung zu betrauen. Die Hamburger Werft Blohm + Voss ist diesen Schritt gegangen und arbeitet mit der Stararchitektin Zaha Hadid zusammen - seit seiner Vorstellung im vergangenen Herbst eines der am kontroversesten diskutierten Projekte der Branche.

Basierend auf einer gemeinsamen Plattform will die Werft bis zu fünf unterschiedliche, aber zu einer Designfamilie gehörende Schiffe bauen - wenn sich denn Käufer finden. Interesse gebe es viel, und man könne nach Auftragseingang binnen dreier Monatemit dem drei Jahre dauernden Bau loslegen, sagt CEO Herbert Aly.

Während einige Branchenkenner von der Idee begeistert sind, große Schiffe als schwimmende Architektur zu gestalten, sind andere skeptisch, ob das Plattform-Modell im Markt der maßgefertigten Megayachten funktionieren wird.

Bei allem unfassbaren Luxus, den die Schiffe bieten - für den Bau der Megayacht Azzam hat Lürssen eigenen Angaben zufolge in sechs Millionen Arbeitsstunden gebraucht - erwecken deren Hersteller aber gern den Eindruck, die Bestellung und der Unterhalt einer Megayacht sei im Grunde fast schon eine gemeinnützige Tätigkeit, weil ohne eine vielköpfige Crew an Bord nichts läuft. "Der soziale Faktor wird zu wenig berücksichtigt", sagt Peter Lürssen, "wir sind dankbar für diese Leute - eine Yacht ernährt hundert Familien."

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