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Pullover-Jackett: Drei aktuelle Beispiele aus den Kollektionen

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Modetrend Pullover-Jackett Stilvoll leben in der Komfortzone

Manche Trends kommen immer wieder. Dirk van Versendaal erklärt, warum. Diesmal: das Pullover-Jackett.
Von Dirk van Versendaal

WerGiorgio Armani nach seinem wichtigsten Beitrag zur Mode befragt, bekommt die Antwort "la mia giacca destrutturata". Sein dekonstruiertes Jackett also, der Blazer ohne Innenfutter und Polster, ein Kleidungsstück so revolutionär und stilbildend für die 80er wie einst Coco Chanels schlichter Jersey-Cardigan der Twenties.

"Die Männermode war eine steife, konventionelle Disziplin, die kaum Raum für Veränderungen ließ", erinnert sich Armani an seine Anfänge als Designer. "Das Einzige, was mir blieb, war die Suche nach neuen, weichen Stoffen, die sich am Körper bewegten, nach Proportionen, fern vom streng geschnittenen englischen Anzug. Das war damals ein Wagnis und harte Arbeit." Sie wurde belohnt: Seine locker fallenden Jacken prägten das Männerbild einer ganzen Ära. Jetzt kehren sie zurück.

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Auf den Laufstegen sind mehr und mehr entspannte Silhouetten und weich fallende Schulterpartien zu sehen, in den Kollektionen von Louis Vuitton, Cruciani oder Brunello Cucinelli, bei Pal Zileri und natürlich bei Armani. Vor allem eine junge Generation italienischer Designer entdeckt die alte Leichtigkeit für sich und lässt die "sprezzatura", die scheinbar mühelose Eleganz, wieder aufleben.

Dirk van Versendaal
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Dirk van Versendaal schreibt seit 25 Jahren über Mode u. a. für "Stern", "Vogue" und "SZ-Magazin". Mitte der 80er Jahre lernte er als Schüler auf der Mailänder Schnittmacherschule, dass die Konstruktion einer gut sitzenden Anzugjacke ohne Polster und Innenfutter weitaus verzwickter sein kann als die eines klassischen Jacketts.

Wie fast immer hat die Männermode sich das Neue bei den Frauen abgeguckt, beim Trend zu Jersey-Stoffen, Jogginghosen und sanften Linien. Nachdem im vergangenen Jahr das "down dressing" im "Journal of Consumer Research" zum neuen "power dressing" erhoben wurde, nimmt das modische Laisser-faire nun auch der formalen Herrenmode die Schwere und schleift die Kanten der männlichen Businessanzüge.

Ein Grund für das Fortschreiten der Lässigkeit ist unsere veränderte Arbeitswelt: Jeder Fünfte arbeitet regelmäßig im Homeoffice, sinnigerweise im Lounge-Modus. Der Mensch hat's eben gern gemütlich.

Wie lebt es sich in der Komfortzone, wie trägt man die dekonstruierte Jacke? Mit geradem Kreuz und aufrechtem Gang. Also auf keinen Fall zu Bierbauch und Hängeschultern, da sind sich Experten einig, auch nicht in Kombination mit ausgebeulten Jogginghosen und T-Shirt.

Nino Cerruti übrigens, Armanis Lehrmeister und wiederentdeckter Trendsetter, erfreut sich an der Wiederkehr der Jacken, die sich so anfühlen, als trage man einen Pullover. "Der europäische Mann sollte sich auf dieses Stück besinnen, das ist Teil seiner Kultur. Diese Art, anders zu sein als der Rest der Welt, ist in den letzten Jahren in der Männermode zu kurz gekommen."

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