Dienstag, 18. Februar 2020

Das Weihnachtsgeschäft der Uhren-Manufakturen Zeitschmeichler im Doppelpack

Luxusuhren für Paare: Zeitschmeichler im Doppelpack
Vacheron Constantin

In der Uhrenwelt weihnachtet es. Viele Marken locken die Kunden mit reichlichen Bescherungen, um auf den letzten Metern das Geschäftsjahr noch anzukurbeln. Denn früher war mehr Lametta. Seit 2015 steigert sich der Uhrenverkauf nur noch um wenige Prozent und dieses Jahr kommt die Zeit wohl gänzlich zum Stehen. Bain & Company prognostiziert, dass 2019 der globale Umsatz mit Luxusuhren sogar um zwei Prozent zurückgeht.

Als Konsumkiller wirken am weltweit größten Uhrenmarkt Hongkong die anhaltenden Demonstrationen. Ein Exportrückgang um fast 30 Prozent schlägt hier laut des Schweizer Uhrenverbandes FHS zu Buche. Zudem tritt die globale Wirtschaft auf der Stelle, viele erwarten einen Börsen-Crash, weniger chinesische Power-Shopper bereisen Europa und die USA, allen voran lähmt Donald Trumps Handelskrieg die weltweite Kauflaune. Selbst das robuste Deutschland bewegt sich nur noch im Zeitlupentempo.

Video: mm-Uhrenguide: Was Sie beim Uhrenkauf beachten sollten

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Bild: manager magazin

Die Uhrmacher schauen nicht tatenlos zu. Für den lukrativen Jahresendspurt sind die meisten Modell-Neuheiten jetzt im Handel, die Anfang 2019 auf den Uhrenmessen SIHH in Genf und auf der Baselworld vorgestellt wurden. Das aktuelle Thema sind Weihnachtsgeschenke für die Partnerin und den Partner - so lassen sich mit einem Streich gleich zwei Zeitmesser verkaufen. Allerdings erkennen inzwischen selbst traditionelle Manufakturen, dass gestandene Frauen und Selbstverdienerinnen sich nicht mehr von Barbie-Pink oder teurem Blingbling überzeugen lassen. Sie erwarten wie bei den Herrenuhren klassische Werte und Manufaktur-Knowhow.

Die Hersteller ködern ihre Kunden im Weihnachtsgeschäft mit Extras: Nach Cartier erhöht IWC seine Garantiezeit. Statt der üblichen zwei Jahren gibt es jetzt acht Jahre Gewähr, sofern Kunden sich registrieren, bei Panerai sogar ohne Registrierung. Nobelmanufakturen wie Jaeger-LeCoultre, Bulgari, Oris, aber auch Sinn, Bell & Ross und Frederique Constant haben eigene Online-Shops eingerichtet.

Zusätzliche Appetitanreger: Meistersinger und Bucherer ködern mit kostenlosen Reiseetuis. Nomos verspricht eine kostenlose Gravur und eine verlängerte Rücksendefrist bis Ende Januar. Montblanc schenkt seinen Online-Shoppern einen Bluetooth-Lautsprecher, Tissot ab 300 Euro Einkaufswert ein Uhrenpflegeset und Rado bei manchen Modellen ein kostenloses Wechselarmband. Händler wie Wempe und Rüschenbeck bieten verlängerte Widerrufsfristen bis weit in den Januar an.

Video: mm-Uhrenguide: Das macht Luxusuhren so teuer

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Das weltweit größte Uhrenportal Chrono24 überrascht unterdessen mit neuen Interna. Es steigert dieses Jahr voraussichtlich sein Transaktionsvolumen um etwa 15 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Über 450.000 Zeitmesser vermittelte der Onlinehändler aus Karlsruhe und lässt tief blicken: nicht nur, dass bei den Gehäusegrößen rund um 40 Millimeter Diagonale wieder tragbarere Formen gefragt sind - Ärmelstopper und Manschetten-Killer sind passé - sondern auch blaue Zifferblätter werden immer beliebter.

Vor allem jedoch die Luxusliga erlebt die größten Steigerungen: bei Uhren zwischen 10.000 und 25.000 Euro wächst der Verkauf um 19 Prozent, getoppt von Modellen über 25.000 Euro mit sogar 35 Prozent Zuwachs. Meistgeklickt sind Rolex, Omega sowie Breitling und zu den sichersten Granaten für Wertsteigerungen zählen auch Patek Philippe und Audemars Piguet. Doch sie können die Nachfrage kaum befriedigen, was umso mehr die Preise in absurde Höhen treibt. Uhrenmodelle abseits des Hypes bieten da inzwischen oft mehr fürs Geld.

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