Montag, 22. April 2019

Luxusindex - in diese Taschen können Sie investieren "Die Birkin Bag ist nach wie vor der Knaller"

Luxusindex: Die wertstabilsten Accessoires
rebelle.com

Die Online-Plattform Rebelle handelt mit Luxusmode aus zweiter Hand. Exklusiv für manager magazin online hat Rebelle einen Index entwickelt, der die Wertentwicklung besonders hoch gehandelter Artikel abbildet. Manche Handtaschen kann man zum Doppelten des Neupreises an die Frau bringen.

Die Tasche, die Anela Franjkovic da in der Hand hält, ist von erlesener Scheußlichkeit. Durchsichtiges Plastik, abgesetzt mit schwarz und weiß, ein überdimensioniertes Chanel-Logo verschandelt die Front. Ganz klar: Das ist eine Fälschung. Sieht man doch sofort. Oder?

Anela Franjkovic
  • Copyright: Rebelle.com
    Rebelle.com
    Anela Franjkovic leitet bei Rebelle.com den Bereich Echtheitsprüfung und Pricing. Die Online-Plattform für Designer-Second-Hand-Mode prüft alle angebotenen Produkte auf Echtheit und Qualität. Franjkovic hatte zunächst ihr Studium der Rechtswissenschaft abgeschlossen, bevor sie sich für die Mode entschied.

    Für manager magazin online hat Rebelle elf Artikel ausfindig gemacht, die regelmäßig auf der Plattform gehandelt werden - und extrem wertstabil sind. Diese Artikel beobachten wir alle drei Monate in einem eigenen Luxusindex. Manche Taschen werden sogar zu höheren Preisen als im Einkauf weiterverkauft, weil die Hersteller ihre Top-Produkte künstlich verknappen.
Die Modeexpertin von Rebelle.com, einer Online-Plattform für Second-Hand- Luxusmode, lächelt: Nein, die Tasche sei gut gemacht, Chanel habe ein solches Modell tatsächlich mal im Programm gehabt. Sie sucht nach anderen Indizien: Sind alle gut am Innenfutter versteckten kleinen Einnäher mit den richtigen Nummern drauf in der Tasche? Stimmt die Qualität der Nähte, sind Prägungen im Leder genau richtig ausgeführt? Sind die Täschnerstempel da, wo sie sein sollten? Wie klingt der Reißverschluss beim Öffnen und Schließen? Ist der Metallabrieb typisch für das jeweilige Modell? Und erst bei dieser akribischen Kontrolle erweist sich das Plastik-Ungetüm doch als Fake.

Manche Fälschungen seien auch deshalb schwer zu erkennen, meint Franjkovic, weil sie in denselben Fabriken hergestellt würden, die auch die Originale produzierten - quasi nach Feierabend. So habe sie einmal in einer "fast echten" Prada-Tasche eine Originalniete von Chanel eingearbeitet gefunden.

Pro Tag gehen rund 700 Artikel über ihren Tisch und den ihrer beiden Kollegen in einem Lagerhaus am Rande der Hamburger Speicherstadt. 10 bis 15 Fälschungen finden sie dabei - manchmal, sagt Franjkovic, sei es nur ein Restzweifel, aber auch dann werde gnadenlos aussortiert. Selten würden Verkäufer bewusst betrügen, oft seien sie selbst Fälschern aufgesessen. Auch die Preisfindung fällt in Franjkovics Bereich: Will ein Verkäufer zu viel für die gebrauchte Tasche oder den Second-Hand-Edelblazer, macht sie ihn darauf aufmerksam - ebenso, wenn der Preis offenkundig zu niedrig angesetzt ist, was aber nur in etwa einem Zehntel der Fälle vorkommt.

Für manager magazin online ermittelt Rebelle.com alle drei Monate den Luxusindex - hier geht es zur Übersicht.

Lesen Sie auch:

Luxusindex - in diese Taschen können Sie investieren (Folge 1)
Die neuen chinesischen Luxusmarken - was Europa lernen kann

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung