Dienstag, 12. November 2019

Gartengestaltung Begehbare Skulpturen

Wasser, Feuer, Erde: Ein schöner Garten spielt mit den Elementen
Terramanus

Weg vom Klein-Klein und dem langweiligen topfebenen Rasen: Der Landschaftsarchitekt Manuel Sauer will Gärten spannender machen und rät im Gespräch mit manager magazin online zu viel mehr Mut bei der Gestaltung.

mm: Für die aktuelle Internationale Gartenschau in Hamburg haben Sie überdimensionale rote Blutkörperchen auf ein gewelltes Rasenstück gesetzt. Warum?

Sauer: Der Garten heißt "Im Ruhepuls". Er ist ein Gesamtprojekt, das ich gemeinsam mit der Künstlerin Birgitta Weimer entwickelt habe. Es soll die vollkommene Entspannung nach der Aktivität darstellen. Das ist eine sanft schwingende Rasenskulptur, von weißrindigen Himalaya-Birken umgeben, es gibt sonnige und schattige Bereiche. Die Skulptur soll an ein Kapillarsystem erinnern, durch das die "Globules" von Birgitta Weimer fließen. Diese roten Blutköperchen sind 200.000 fach vergrößert, ein Betonkern macht sie stabil.

mm: Würden Sie so etwas auch für einen Privatgarten machen?

Sauer: Ja, warum nicht? Meine Philosophie als Planer ist es, eine stark topographische Architektur zu entwickeln. Viele Gärten sind viel zu zweidimensional. Landschaftliche Topographie heißt, dass man etwa stärker mit Terrassierungen arbeitet oder das Terrain auf andere Weise modelliert. Ich sehe Gärten als begehbare Skulpturen. Ein Rasen muss da auch nicht immer topfeben sein.

mm: Die Durchschnittgröße des deutschen Gartens beträgt 400 Quadratmeter. Wieviel Platz brauchen Sie, um etwas richtig Schickes zu planen?

Sauer: Klar, für einen skulptural gestalteten Garten sind 50 Quadratmeter zu wenig. Aber viel entscheidender als die Größe des Gartens ist der Mut des Bauherrn. Eine gestalterische Idee kann ja auch Verzicht erfordern. Wenn man skulpural arbeitet, kann man auf dem Gelände nicht mehr ohne weiteres Federball spielen.

mm: Der Naturschutzbund kritisiert, dass die meisten deutschen Gärten mit ihren kurzen Rasenflächen und Lebensbaumreihen "ökologische Wüsten" seien. Spüren Sie als Gestalter da eine Verantwortung? Kurz: Denken Sie beim Planen an Igel?

Sauer: Der Igel liegt mir zwar am Herzen, und ich denke auch sehr ökologisch, sonst hätte ich den falschen Beruf. Aber die andere Komponente ist, dass ein Garten funktionale Aspekte für den Nutzer optimal erfüllen soll. Ein Garten ist ein privater Rückzugsraum, in dem man sein Leben auch ein Stück weit kultiviert genießen möchte. Aber es muss ja trotzdem nicht immer nur der eintönige Rasen sein.

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