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Lifestyle Der ultimative Luftreiniger

Die Lampe Berger ist französisches Kulturgut. Der Glaskolben entfernt erst Gerüche jeder Art und setzt dann einen Raumduft nach Wunsch obendrauf. Nur die Deutschen haben da einen Sonderwunsch.
Von Uschka Pittroff
aus manager magazin 2/2023
Duftmeister: Eine Lampe Berger, entworfen von Designer Philippe Starck

Duftmeister: Eine Lampe Berger, entworfen von Designer Philippe Starck

Foto: PR

In französischen Haushalten ist sie so allgegenwärtig wie Baguette. Mehr noch, ein Kulturgut, ausgezeichnet mit dem Entreprise du Patrimoine Vivant, ein Symbol höchster französischer Qualität: die Lampe Berger.

Das Ding hat weder eine Flamme noch erzeugt sie Licht. Sie vernichtet stattdessen stillschweigend unerwünschte üble Gerüche. Nasser Hund? Angebranntes Essen? Tabak? Einmal initialisiert, sorgt sie für reine Luft. Das Prinzip ist einfach: Katalyse. "Ein Brenner, der circa 500 Grad Celsius erreicht, oxidiert reinen Isopropylalkohol und vernichtet damit fiese Geruchsmoleküle", erklärt routiniert CEO Olivier Sillion (55): "Alles Chemie". Die Lampe Berger übertüncht nicht, sondern reinigt.

Raumreiniger der Bourgeoisie

Erfunden hat das Prinzip der Pharmazeut Maurice Berger 1898, um die Luft in Krankenhäusern, Sanatorien, Operationssälen keimfrei zu machen. Die Bedienung ist etwas für Connaisseure: Man füllt einen Behälter mit alkoholisiertem Duftstoff, führt den dicken Docht ein, entzündet diesen und lässt ihn circa zwei Minuten brennen, pustet die Flamme aus, danach setzt man eine Krone auf: In ungefähr 20 Minuten wird ein 30 Quadratmeter großer Raum gereinigt. Die Basisbehälter sind schlichte Glasflakons, es gibt sie aber auch in schick. Jüngst hat Designikone Philippe Starck (73) einige entworfen (119 Euro). Sie galten schon in den 1920ern als Must-have in Bourgeoisie und Bohème. Rund 5000 davon, Glas und Porzellan, sind im hauseigenen Museum bei Rouen zu besichtigen.

In 70 Ländern verrichtet die Lampe Berger inzwischen ihren Dienst, 600.000 Exemplare verkauft Sillion pro Jahr. Inzwischen, seufzt der Chef, griffen halt viele Menschen zu Duftkerzen. Die verkauft er auch, aber, so hat man den Eindruck, nicht so gern: Die Kerzen beduften, reinigen aber nicht.

In vier Produktionsstätten (Normandie, Nantes, Limoges) nährt das Geschäft 500 Mitarbeiter - was auch daran liegt, dass man die Ursprungsidee wirklich nach allen Regeln der Marketingkunst ausschöpft. Die Lampe Berger kann man mit rund 60 verschiedenen Parfums  ausstatten, meist designt von hauseigenen Parfumeuren.

In den USA laufen "Ocean Breeze", in lateinamerikanischen Ländern "Amber" und in Asien "Eucalyptus" als Bestseller. "Die Deutschen sind etwas speziell", räumt Sillion ein. "Sie mögen gern den neutralen Weg, null Duft." Hat er natürlich auch im Angebot: "Air pur neutral", 250 ml, 10 Euro. Sillions Reim auf die rätselhaften Nachbarn fällt freundlich aus: "Sie wollen wohl Gäste nicht belästigen."

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