Montag, 21. Oktober 2019

Neue Kolumne: Der DEnglische Patient "Let's not go to the Station"

"The devil lies in the Detail"

Neben Rückenproblemen und Übergewicht schleppen wir oft auch eine andere Zivilisationskrankheit mit uns herum: holpriges Englisch. Falls Sie darunter leiden, hilft Ihnen ab sofort diese neue Kolumne!

Vergangenes Jahr verbrachte ich einige Tage mit akuter Hypochondritis in der Uniklinik von Göttingen - am Rande bemerkt, die einzige Stadt Deutschlands mit dem Denkmal eines britischen Monarchen. Es dauerte nicht lange, bis ich das Vertrauen des Chefarztes gewonnen hatte und er mir eine seiner schlimmsten Krankheiten anvertraute: sein Englisch!

Peter Littger
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    Neben Rückenproblemen und Übergewicht schleppen wir oft auch eine andere Zivilisationskrankheit mit uns herum: holpriges Englisch. Falls Sie auch darunter leiden, hilft Ihnen diese Kolumne von Peter Littger. Er berichtet als Denglischer Patient aus allen möglichen Lebenslagen über deutsch-englische Sprachverwirrungen und nicht zuletzt über seine eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. Sein Buch "The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache" ist ein Bestseller.
    Auf Twitter unter @FluentEnglish.

Nicht, dass sein Englisch furchtbar schlecht wäre - welcher erfolgreiche deutschsprachige Akademiker spricht schon schlechtes Englisch? Doch gerade diejenigen unter uns, die sich zu den rund 6 Millionen Menschen mit hervorragenden Englischkenntnissen zählen, haben es manchmal besonders schwer. Denn auf ihnen lastet der Erwartungsdruck stets unmissverständlich zu sprechen und die passenden Vokabeln aus dem Ärmel schütteln zu können. Doch was tun, wenn plötzlich ein "manko" aus der Manschette oder aus dem Chefarztkittel purzelt - also ein Wort, das es im Englischen gar nicht gibt?

That's a manko = That's a flaw/a shortcoming/a downside.

Der Chefarzt erzählte mir, dass ihm über viele Jahre hinweg ein Patzer unterlaufen war, der so köstlich wie beispielhaft ist für das allgemeines Problem: Immer, wenn er mit englischsprachigen Patienten oder Angehörigen sprach und sie zur "Station" begleiten wollte, hatte er sie aufgefordert:

"Now, let's go to the station!"

Dass dieser Satz in den Augen der Leute oft ein Staunen und auch ein Rätselraten erzeugte, das war ihm aufgefallen. Doch niemand hatte ihm das Problem erklärt, bis sich ihm irgendwann ein Amerikaner erbarmungsvoll zuwandte und aufklärte: "It's called ,the ward', not ,the station'." Danach war endlich Schluss mit Bahnhof!

Ganz ähnlich ergeht es übrigens oft deutschsprachigen Patienten, die über Schmerzen im Ischias-Nerv klagen und auf Denglisch sagen:

"I have got ischi-as."

Das klingt dann immer so wie "itchy arse/ass" - obwohl sie mit Sicherheit nicht über einen "Kratzarsch" klagen wollen. Bitte merken Sie sich für diesen Fall, dass von "lumbago" (Hexenschuss) oder "sciatica" (ßai-atika) die Rede sein muss, um zielführend behandelt werden zu können.

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Liebe Leser! Jetzt kennen Sie bereits einen denglischen Arzt und einen denglischen Patienten. Damit sind Sie im Film für diese neue Kolumne, in der ich mich von nun an regelmäßig mit unserer Lieblingsfremdsprache und ihren Schwierigkeiten beschäftige. Selbstverständlich werde ich nicht nur aus Krankenhäusern und Arztpraxen berichten, sondern aus allen möglichen Situationen und Lebensbereichen: aus dem Büro und aus Geschäften, aus Autowerkstätten, aus Bars und Restaurant, aus dem Hobbykeller und - wenn's sein muss, sogar aus dem Bett!

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The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache


KiWi-Taschenbuch, 320 Seiten, Juni 2016, 9,99 Euro

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