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Wempe: Ein schmuckes Unternehmen

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Kim-Eva Wempe über schwierige Geschäfte "Die Uhrenbranche leidet auf hohem Niveau"

Der Luxusgüterkonzern Richemont hat jüngst dramatische Ergebniseinbußen verzeichnet. Von Händlern in Hongkong und Macau wurden sogar Uhren zurückgekauft, die bei den Kunden keine Abnehmer fanden. manager-magazin.de hat bei Kim-Eva Wempe nachgefragt, wie es in der Branche aussieht: Sie ist Chefin des Uhren- und Schmuckhandels Wempe, der mit 32 Filialen in Europa und den USA einer der größten Richemont-Kunden ist.

manager-magazin.de: Der Luxusgüterkonzern Richemont hat Ergebniseinbußen von 45 Prozent gemeldet, vor allem der Uhrenbereich hat Federn gelassen. Sie sind mit 32 Filialen in Europa und den USA einer der größten Richemont-Kunden. Wie beurteilen Sie die Situation?

Kim-Eva Wempe
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Kim-Eva Wempe (geboren 1962) ist in vierter Generation Chefin des Luxusuhren- und Schmuckhändlers Gerhard D. Wempe KG, die seit 1878 in Familienbesitz ist. Seit zehn Jahren fertigt Wempe in Glashütte in einer eigenen Manufaktur selbst Chronometer. Die studierte Betriebswirtin befasst sich auch eigenhändig mit der Produktentwicklung: Sie entwirft ihre eigene Schmucklinie "By Kim".

Wempe: Sie ist herausfordernd. Es gibt vier Gründe für die derzeitigen Schwierigkeiten. Davon fallen drei aber weniger ins Gewicht: Die allgemeine politische Situation in Europa, die sich sehr unerfreulich entwickelt, die Wahlen in den USA und die Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro, die zu Umsatzverschiebungen geführt hat. Die Hauptursache für die Einbußen aber ist das Chinageschäft, das durch die Antikorruptionsgesetze und die immensen Einfuhrzölle extrem gelitten hat. Allerdings muss man sich klarmachen: Das ist ein Leiden auf hohem Niveau. Es geht der Uhrenbranche insgesamt nicht schlecht.

mm.de: Wempe hatte Umsatzeinbußen - bei den Halbjahreszahlen waren es 25 Prozent im Uhrensegment.

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Wempe: Es hat sich schon wieder etwas erholt, aktuell sind wir bei 21 Prozent. Für uns liegt der Hauptfokus darauf, ob wir erfolgreich sind mit den Kunden, die dort wohnen, wo unsere Niederlassungen sind. Denn das ist das nachhaltige Segment. Das Geschäft mit den reisenden Chinesen verschiebt sich ruckzuck in andere Länder, wenn die Währung dort gerade günstiger steht. Aber beim lokalen Umsatz sind wir auf plusminus Null, da kann ich ruhig schlafen. Das ist unser Kerngeschäft, und seit Großvaters Zeiten haben sich manche Dinge hier nicht geändert: Der junge Mann kauft sich eine schöne Uhr, sobald er sie sich leisten kann. Dann kauft er seiner Freundin ein schönes Schmuckstück, irgendwann einen Ring. Die feine Uhr, das Juwel: Das hat nichts an Attraktivität eingebüßt, in Zeiten des Niedrigzinses sind diese Assets eher noch attraktiver geworden. Ich erwarte, dass sich unsere Zahlen bis Jahresende noch verbessern. Wir hoffen auf ein starkes Weihnachtsgeschäft.

mm.de: Nochmal zu Richemont: In Hongkong und Macau hat der Konzern schwer verkäufliche Uhren von den Händlern zurückgekauft. Ist das eine gängige Praxis?

Wempe: Das war eine starke Entscheidung. Wenn zu viel Ware am Markt ist, endet das mit ausufernden Nachlässen, und die Ware landet im Graumarkt. Sehr gängig ist die Praxis schon deshalb nicht, weil solche extremen Entwicklungen dafür zu selten vorkommen.

"Für den Handel bleibt in China kaum eine Marge"

mm.de: Was bedeutet der Brexit für das Geschäft mit den Luxusuhren?

Wempe: Unser Geschäft in England läuft sehr gut. Währungsschwankungen sind immer eine große Herausforderung, weil man verschiedenen Kundengruppen gerecht werden muss. Wenn die Chinesen gerade in Deutschland sehr günstig einkaufen können, könnte man die Preise anpassen - dann leidet aber die lokale Kundschaft. Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft. Früher waren solche Kundenströme nie so ausgeprägt, da hat sich keiner ein Flugticket gekauft, um eine Uhr in einem anderen Land günstiger einzukaufen. Das hat sich geändert. Die Uhrenmarken müssen entscheiden, wo sie diese Ströme hinlenken. Die lokale Kundschaft kann währungsgetriebene Preisentwicklungen oft nicht nachvollziehen.

mm.de: Anfang 2015 haben Sie Ihre Niederlassung in Peking geschlossen. Wie geht es dort weiter?

Wempe: In China selbst unsere Waren zu verkaufen, ist schwierig, die Einfuhrzölle und Steuern sind einfach zu hoch. Für den Handel bleibt da kaum eine Marge. Wir haben das drei Jahre lang probiert, weil wir gehofft haben, trotzdem Kunden vor Ort zu finden, die gute Beratung und Service zu schätzen wissen. Aber die Preisunterschiede sind zu hoch. Wir haben noch ein Büro in China, um für unsere Kunden erreichbar zu sein, aber ein eigenes Ladengeschäft ist unter den derzeitigen Bedingungen nicht profitabel zu betreiben.

mm.de: Ist die Terrorangst in der Branche spürbar?

Wempe: Lokal schon, ja. In Paris ist es schlimm. Die Stadt leidet. Ich spreche einmal die Woche mit meiner Geschäftsführerin vor Ort. Ich versuche, das Team zu motivieren und zu sagen: Haltet durch. Man kann ja nur hoffen, dass es keine weiteren Anschläge gibt. Dann wird sich die Lage in einem Jahr beruhigt haben.

mm.de: In den vergangenen sechs Jahren ist der durchschnittliche Verkaufspreis für eine bei Wempe verkaufte Uhr von rund 5000 auf mehr als 8000 Euro gestiegen, ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent. Woran liegt das?

Wempe: Das hat eigentlich nur einen Grund: Wir verkaufen sehr viel mehr hochwertige Uhren als Geldanlage. Bei den normalen Uhren im vierstelligen Preisbereich verzeichnen wir nur die normalen Preissteigerungen, die treiben diesen Durchschnittswert nicht in die Höhe. Das sind wirklich die sehr hochwertigen, komplizierten Uhren, die als Investment gekauft werden.

mm.de: Ein Ausblick aufs Weihnachtsgeschäft - was sind die Trends?

Wempe: Bei den Uhren gibt es einen sehr schönen Haupttrend: Die Mondphase ist wieder da, die sieht man bei sehr vielen Modellen, und es sieht einfach toll aus. Extravagante Gehäusematerialien sind auch ein Thema, ob es nun Bronze oder Carbon ist. Das betrifft aber mehr die Zweituhren, die meisten Uhren werden immer noch klassisch als Stahlmodell nachgefragt. Beim Schmuck wird es filigraner: Der Anhänger kommt zurück. Und die ganze Branche hat sich, wie es scheint, dauerhaft vom Gelbgold abgewandt, hin zu Rosé- und Rotgold. Kurzfristige Modetrends machen wir gar nicht mit. Wir wollen nicht wie Designer sein, die einen Ballonrock kreieren, die Trägerin sieht bescheuert aus, und der Designer wird berühmt. Nein. Unser Schmuck ist zeitlos.

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