Dienstag, 21. Mai 2019

Großer Umbau bei KaDeWe und Alsterhaus beginnt Noch mehr Luxus für die Luxuskaufhäuser

Umbau bei KaDeWe, Oberpollinger und Alsterhaus: Noch schicker shoppen
OMA

Wer Luxus sucht, läuft zur Zeit vor eine Wand. Das Hamburger Edelkaufhaus Alsterhaus baut groß um - und hat den zentralen Bereich des Erdgeschlosses durch Wände abgeschottet. Dahinter wird seit kurzem an der neuen Luxury Hall gebaut . Ein Eingriff am lebenden Objekt: Der Verkauf geht weiter, während fünf Jahre lang nach und nach das gesamte Haus modernisiert und grundlegend neu strukturiert wird.

Wie Kapellen einer Kathedrale sollen sich nach dem Plan des Architekturbüros Kleihues und Kleihues Nischen an die neue, zentrale Halle fügen, in denen die solvente Kundschaft den Edelmarken einzeln huldigen kann: Christian Dior, Balenciaga, Bottega Veneta. Bis November soll das Erdgeschoss fertig sein. Insgesamt 80 Millionen Euro nimmt die KaDeWe Group für den Umbau in die Hand, 300 Millionen Euro sollen es für alle drei Häuser sein - denn auch in Berlin und München, wo mit KaDeWe und Oberpollinger die beiden anderen Häuser der Gruppe stehen, soll aus Luxus Super-Luxus werden.

Für das Kaufhaus des Westens in Berlin hat die Group Stararchitekt Rem Koolhaas verpflichtet, der das Haus im Wortsinn vierteilen will. Jeder Quadrant bekommt ein eigenes, neues Treppenhaus, in dem das Flanieren zum glamourösen Auftritt wird. Und ganz oben soll unter einem riesigen gläsernen Dach ein neuer urbaner Hotspot entstehen, mit Bar, Restaurant und Open-Air-Terrasse - das Ganze auch außerhalb der Geschäftszeiten zugänglich.

Hier hat der Umbau ebenfalls schon begonnen, der mehrere Jahre bei laufenden Betrieb stattfinden soll - rund 50.000 Besucher zieht das KaDeWe täglich an, um Weihnachten noch einmal 30.000 mehr. Ungefähr 40 Prozent davon sind Touristen, für die das Haus eine Sehenswürdigkeit ist. Das Oberpollinger in München soll vom britischen Architekten John Pawson neu aufpoliert werden.

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"Die drei Häuser sind und werden die Attraktion der Zukunft sein, im Wettbewerb mit internationalen Stores und dem Online-Shopping", hatte André Maeder, CEO der KaDeWe-Goup, bereits Anfang des Jahres bei der Vorstellung der Projekte verkündet.

Im Sommer 2015 hatte der österreichische Investor und Karstadt-Eigner Rene Benko 50,1 Prozent des operativen Geschäfts der drei Luxushäuser an das italienische Kaufhaus-Unternehmen La Rinascente übergeben, das wiederum eine Tochter der thailändischen Central Group ist. Die restlichen 49,9 Prozent bleiben bei Benkos Immobilienfirma Signa Retail, strategische Entscheidungen (wie die Umbauten) sollen einstimmig getroffen werden.

Die drei Architekturbüros haben alle Meriten im Bereich das Museumsbaus erworben - Kleihues und Kleihues bauten das Nationalmuseum in Oslo, John Pawson das Design-Museum in London und Rem Koolhaas die erst 2015 eröffnete Fondazione Prada in Mailand. Für die über hundert Jahre alten Häuser könnte der kühne Wurf die Rettung sein. Eine Marktstudie der Immobilienfirma Savills und des Beratungsbüros Stadt und Handel hatte bereits im vergangenen Jahr die anhaltende Krise der ehemaligen "Kathedralen des Einzelhandels" konstatiert - und festgestellt: Die Warenhäuser müssten immer mehr Aufwand betreiben, um den Kunden in ihre Gebäude zu locken.

Die Luxushäuser sind gewillt, dieser Aufforderung mit Vehemenz nachzukommen, um ihre Vormachtstellung in den Innenstädten zu verteidigen. Architektur, die angesichts überwältigender Raumerlebnisse das Geldausgeben selbst zur wenig schmerzenden Nebensächlichkeit schrumpfen lässt, gilt dabei als zuverlässiger Umsatzbringer.

Denn in den Häusern, die sich als Tempel und als Bühne inszenieren, wird der Flaneur fast zwangsläufig zum Kunden. Nur der Shopping-Vollzug ermöglicht eine intensive Teilhabe am Objekt selbst - und je spektakulärer es ist, umso begehrenswerter ist diese Teilhabe.

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