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Die Kunst des Geschäfts: Manuela und Iwan Wirth gehören nicht nur zu den größten Kunsthändlern der Welt, sie revolutionieren auch die Kunstbranche
Die Kunst des Geschäfts: Manuela und Iwan Wirth gehören nicht nur zu den größten Kunsthändlern der Welt, sie revolutionieren auch die Kunstbranche
Foto:

Jamie Hawkesworth

Inszenierung der Kunst Wie zwei Star-Kunsthändler die Branche revolutionieren

Das Galeristenpaar Iwan und Manuela Wirth zählt zu den größten Kunsthändlern der Welt. Nun treiben sie die Inszenierung von Kunst auf eine neue Spitze. Mit viel Aufwand bauen sie ihre Galerien zu Pilgerstätten der besseren Gesellschaft aus.

Wenn es dem Maestro der zeitgenössischen Kunst gefällt und er die Gemeinde ruft, dann eilt sie selbstverständlich herbei. In aller Welt hat Iwan Wirth (51) seine Botschaft verbreiten lassen, hat großzügig Flugtickets ausstellen, ein prächtiges Boutiquehotel anmieten lassen. Auf dass die Häupter derer, die gekommen sind, sein neuestes Wirken zu werten, fürstlich gebettet sind. Seine internationalen Public-Relations-Agenten sind bestens vernetzt, mobilisierten Vertreterinnen und Vertreter sämtlich relevanter Publikationen der Kulturbranche, natürlich auch einer Kapazität wie der "New York Times".

Jeden Tag reist ein weiterer kleiner Trupp an, ein anderer ab, eine ganze Woche lang wird das so gehen. Die Premiumautohersteller Porsche, BMW oder Mercedes könnten keinen größeren Aufwand betreiben zur Einführung eines neuen Luxusmodells als der wohl angesagteste Galerist unserer Zeit.

Wer in Maó dabei sein will, kann das nicht gerade mal so schnell und nebenbei erledigen. Die kleine Hafenstadt auf der kleinen Insel Menorca liegt abseits der Haupttraversen der Kunstszene zwischen New York, Madrid, London, Hongkong oder Paris, jenen Epizentren, in denen sonst Kunst gemacht, gepriesen und zerfetzt wird.

Der Meister himself treibt die Inszenierung auf die Spitze: Er war natürlich hier, hat an alles – vermutlich – selbst Hand angelegt, aber überlässt die Hood nun sich selbst. Wirth macht sich gern selten, Frau und Schwiegermutter, die Co-Besitzerinnen von Hauser & Wirth, treten praktisch ohnehin nie auf.

Eine bunte Gesellschaft trifft sich zum Dinner am Vorabend des großen Ereignisses. Gespeist wird nicht in einer der hochpreisigen In-Locations, sondern in der seit zwei Generationen ortsansässigen Muschelfarm "Muscleres González"; der Farmer persönlich erläutert sein maritimes Gewerk, was das Klimagewissen an dem einen oder anderen Tisch durchaus bereinigt.

Exzentrische Fashionistas, von blutjung bis zu Best Agern, urbane Trendsetter auch, ventilieren verlässlich "ah" und "oh" es quillt fast über vor Emotion nach den vielen Monaten der Lockdowns und Bildschirmbegegnungen. Während der Binifadet eisgekühlt, die Delikatessen heiß auf den Tisch kommen, reibt sich das Meer plätschernd am Kai. Die perfekte Kitschkulisse, wer würde da nicht abheben in die Leichtigkeit des Sommers?

Die Insel des Königs

"Wir hoffen, dass sich die Intimität und Magie auf die Besucher überträgt", gibt sich Wirth leibhaftig anderntags als Lotse der Befindlichkeit und verspürt einen "Kraftort". Auf diesem steht er nun, strotzend vor Energie und Selbstgewissheit, Europas erfolgreichster Kunsthändler und -entrepreneur, Dreitagebart, dunkelgelockter Wuschelkopf, durchzogen mit ersten Silberfäden, Edelbequemhose in grau, weißes Poloshirt, Loafers. Hinter ihm seine Frau Manuela (58), mädchenhaft, eine zierliche Elfe mit rot leuchtender Lockenmähne und selbstbewusstem Standbein.

Kunstparadies: Studierende der Kunstakademie Menorcas hämmern eine Welt nach ihrem Bild ...

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Foto: Daniel Schäfer

Es gilt nun das Finale ihrer Inszenierung anzumoderieren, eine neue Masche der Kunstwelt, die wohl niemand so gut beherrscht wie die Familie Wirth: Die Konzeption neuer, exklusiver Pilgerorte der Kunst.

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